Kolumnen: Auf dem Laufenden

Midlifecrisis bedichtet ab Dezember 2010 an jedem Donnerstag im Trierischen Volksfreund eine Kolumne zum Thema Laufen. Sie sind hier zu nachzulesen:

16. März 2016

Dreckschuhe und Rüsselseuche

Unter normalen Umständen würde ich heute über Modderpisten, Pfützen und Schlammschlachten schreiben. Doch das ist hier ebenso wenig Thema wie die beste Methode, seine Dreckschuhe nach einem lustvollen Traillauf bei Starkregen wieder vom Schmutz zu befreien.
Ich schreibe dazu nichts, weil mich just bei den intensiven Recherchen zu eben jenem Thema die Seuche erwischt hat. Schmodder kommt seitdem nur noch aus meiner Nase. Ein klassischer Fall von Rüsselpest, der ein vorübergehendes, aber sofortiges Ende aller körperlichen Aktivitäten erfordert und den renitentesten Erdbewohner zum leidenden Schleimer macht.

Der inflationäre Papiertaschentuchverbrauch könnte für die Ansiedlung eines weiteren Drogeriemarkts in Trier Anlass sein. Gut so für das nächste Mal, damit keine nachfragebedingte Knappheit von Nasenspray meine geflutete Stirnhöhle zum Bersten bringt.

Männerschnupfen, sagt meine Frau. Echt fies. Das Fieseste an so einer Erkältung zur wie immer falschen Zeit ist allerdings, wenn sie ausgerechnet mit den gefühlt ersten wolkenlosen Tagen seit Erfindung der Sonnenbrille eine Allianz eingeht.
Zum Glück wird es jetzt besser. Der Dreck an meinen Schuhen ist getrocknet. Heute früh habe ich ihn einfach abgeklopft. Morgen hält mich dann nichts mehr. Ich steige wieder in die Recherchen ein. Neues Thema: Laufen bei Prachtwetter.

 

15. Dezember 2011

Kein Pardon!

„Och nö”, wimmert der innere Schweinehund, als Herrchen am frühen Morgen aus dem kuschelig warmen Bett steigt und in die Laufklamotten schlüpft. „Bei diesem Wetter jagt man doch keinen Hund vor die Tür!“ Doch noch ist für Schweinehund nicht alle Hoffnung verloren. Sein Besitzer muss schließlich erst das Frühstück für die Familie machen und die Kinder auf den Weg in die Schule schicken, bevor die geplante Joggingrunde in Angriff genommen werden kann. Und draußen ist es schließlich nicht nur dunkel, sondern dank Regen und Wind auch ziemlich ungemütlich. Vielleicht überlegt es sich Herrchen ja doch noch …


„Was waren das früher für tolle Zeiten!“, erinnert sich Schweinehund daran, wie er noch mit Knurren, Bellen oder Aufjaulen den ungeliebten Morgenlauf verhindern konnte. Im schlimmsten Fall half auch ein dezentes Zwicken in Wade oder Achillessehne. Hündchen seufzt: „Alles Geschichte.“


Damals hatte ihn Herrchen noch wahrgenommen, mit ihm diskutiert, dass regelmäßige Bewegung an der frischen Luft doch gut für die Gesundheit sei. Schließlich müsse der Mann ab 40 mehr dafür tun, den Körper in Form zu halten, und …


Aus und vorbei. Spätestens seit die immer wieder quälenden Entzündungsschmerzen im Knie verschwunden waren, seit Erkältungen und Kopfschmerzen meist einen weiten Bogen um Herrchen machten, war Schweinehund abgemeldet. „Auf geht’s!“ Der tierisch deprimierte Zuflüsterer wird aus den trüben Gedanken gerissen, als Herrchen sich die Schirmmütze tief ins Gesicht zieht und gut gelaunt aus der Haustür tritt, um dem Ende der regnerischen Dämmerung entgegenzulaufen.

Der innere Schweinehund zieht einmal mehr beleidigt den Schwanz ein. Aber er wittert eine neue Chance: Morgen, ja, morgen soll ein richtiger Sturm kommen. Wäre doch gelacht …
8. Dezember 2011

Trophäen

Noch keine Laufkolumne ist auf solche Resonanz gestoßen wie die der vergangenen Woche. Eigentlich war das absehbar, denn schon die Reaktion einer Kollegin, die mir in der Redaktion beim Schreiben über die Schulter geschaut hatte, sprach für sich. „Dann höre ich mit dem Laufen auf!“, rief sie halb amüsiert, halb entrüstet in die Runde angesichts der Überschrift: Laufen macht faltig. Woraufhin sich sofort eine lebhafte Diskussion entwickelte: über den Laufsport an sich und insbesondere über dessen Folgen.


Zum Glück waren – mit einer Ausnahme – alle Rückmeldungen zum Thema positiv. Nicht nur ich stehe nun mit einem gewissen Stolz zu meinen Falten.


Auszeichnungen ganz anderer Art sammeln Läufer, die sich derzeit durch das Ende der langen Trockenzeit ihren Sport nicht vermiesen lassen. Reichlich Regen hat harte Trails in weiche Schlammpisten verwandelt. Platsch, platsch, Matsch. Wer ohne Musikdröhnung unterwegs ist, vernimmt auf seinem Weg über Schmodder, durchweichte Blätterteppiche und durch Pfützen fast vergessene Geräusche.


Dass Schuhe und Hose danach nicht mehr unbedingt eine Zierde für Meister Propper wären, liegt in der Natur der Sache. Aber an dieser Stelle zitiere ich gerne einen laufenden Freund: „Die Dreckspritzer an den nackten Waden trage ich heute wie eine Trophäe.“

2. Dezember 2011

Laufen macht faltig

„Du Hungerhaken!“ Üblicherweise lassen mich solche Bemerkungen zu meinem schlanken Körperbau kalt. Besonders dann, wenn ich mit dem besser beleibten Urheber solcher unqualifizierten Worte im Treppenhaus unterwegs bin. Spätestens in der dritten Etage kann ich dann dem inzwischen schwer atmenden Zeitgenossen in aller Ruhe erklären, dass ich durchaus reichlich esse und überhaupt nicht auf mein Gewicht achte.


Na gut, als ich meinen Jungs vor einigen Tagen stolz eine Nahaufnahme ihres strahlenden Vaters beim Laufen zeigte, hat mich deren Reaktion schon etwas nachdenklich gemacht. „Papa, warum verziehst Du denn so schlimm das Gesicht?“ … Seitdem zweifle ich daran, ob es wirklich nur die Müdigkeit ist, die am frühen Morgen das Gesicht des Mannes im Spiegel so gezeichnet aussehen lässt.


Aus dem Verdacht wird nun Gewissheit geworden. Alarm! „Joggen macht faltig!“ So zitiert Bild.de einen New Yorker Schönheitschirurgen. Schlimmer noch: Herr Doktor bezeichnet Laufen gar als häufigste Ursache für vorzeitige Falten, gleich nach Rauchen und zu viel Sonne, was – welch ein Horror – besonders Männer ab 40 betreffe. „Falten und ausgemergelte, hohle Gesichter“ brandmarken demnach die Jogger, die immer häufiger in den Praxen der Schönheitschirurgen gesichtet würden.


Welche Auswirkungen das Joggen auf das Bindegewebe habe, will ich aus Rücksicht auf die Leserinnen dieser Kolumne nicht näher beschreiben. Nur so viel: Mädels, tragt Sport-BHs!


… Oder habt einfach Spaß am Sport, an der Bewegung, an der frischen Luft, an netten Menschen, die Euch in den Laufrevieren der Region begegnen. Mich wird der Schönheitschirurg jedenfalls nicht zu Gesicht bekommen. Besser fit und faltig als faul und fett.

24. November 2011

Immer im Kreis

Laufen ist gesund und verbindet. Das ist allgemein bekannt und wird jedem Einsteiger schnell klar. Dass sich Läufer im Kreis drehen, ist eine weitere Weisheit, wobei das sprachlich nicht ganz korrekt ist. Natürlich muss es heißen: sie drehen Kreise. Zumindest meistens. Denn in der Regel endet ihr Lauf in etwa dort, wo sie gestartet sind. Das trifft für die Trainings- und Entspannungsläufe auf Feld und Flur ebenso zu wie für die Runden auf Stadionbahnen.


Die Tartanbahnen werden in den kommenden Wochen wieder zunehmend strapaziert, zumal dort das Flutlicht die früh einsetzende Dunkelheit aussperrt. Die lässt zu anderen Jahreszeiten gerne genutzte Laufreviere zu Räumen der Angst werden.


Aber auch viele der weniger furchtsamen Läuferinnen und Läufer nutzen diese Wochen für die Vorbereitung auf den krönenden Abschluss Ihres Sportjahres. Der Silvesterlauf in der Trierer City steht an.


Dann werden nicht nur die traditionell zahlreichen Zuschauer vor Begeisterung rotieren. Auch die Läuferinnen und Läufer werden enge Kreise ziehen. Denn der wegen des Wetters im vergangenen Jahr auf einen Kilometer verkürzte Rundkurs kam beim Publikum und den Teilnehmern so gut an, dass es auch in diesem Jahr dabei bleibt.


Wenn die Damen fünfmal, die Männer achtmal die engen Kurven nehmen, werden sie im Konfettiregen von Sambaklängen beflügelt. Für die ganz jungen Läufer gibt es eine kleinere Runde mit „Abkürzung“ über den Kornmarkt.


Ich werde mir mit einigen Freunden den Spaß zum Jahresende gönnen. Vielleicht – etwas Schleichwerbung sei mir an dieser Stelle verziehen – kann ich ja noch einige Unentschlossene begeistern. Mit ein bisschen Glück wird nicht einmal das Startgeld fällig: Auf unserem Laufportal (www.volksfreund.de/laufen) sind Startplätze für alle Läufe zu gewinnen. Aber bitte nicht durchdrehen!

27. Oktober 2011

Sieht gut aus…

Wer jemals bei einem Wettkampf gestartet ist, weiß, wie wichtig und hilfreich Zuschauer sind. Beim Start wirken sie als Motivationsturbo. Während und besonders am Ende eines Rennens lässt das Anfeuern vom Wegesrand die Beine auch dann noch fliegen, wenn im Kopf des dazugehörigen Läufers der Wunsch nach Ruhe, Massage und Couch alle guten Vorsätze zu verdrängen beginnt.


„Sieht gut aus!“ Bei meinem ersten Rennen vor einigen Jahren – es war die damals unvorstellbar lange Distanz von fünf Kilometern beim Trierer Stadtlauf – hörte ich das zum ersten Mal. Bei Kilometer vier stand mein positive Energie versprühender Lauftrainer und versetzte mir verbal den so wichtigen Endorphinschub für den langen Sprint ins Ziel.
„Sieht gut aus!“ gehört seitdem zu jedem Lauf, bei dem ich am Start bin, egal ob 5, 8, 10, 15, 21 oder 42 Kilometer. Und besonders bei den Stadtmarathons bin ich wenig wählerisch, ob der aufmunternde Spruch und das dazu geschwungene Fähnchen wirklich mir gelten oder vielleicht doch eher Hannes aus Hamburg, Max aus Mannheim oder Michel aus München. Dann heißt es Haltung bewahren, auch wenn es schwerfällt.
Nun habe ich das nicht immer unzweifelhafte Glück, dass Außenstehende es als fröhliches Grinsen interpretieren, wenn ich angestrengt die Zähne zusammenbeiße und fast auf dem Zahnfleisch daherkomme.


„Sieht gut aus! Jetzt geht es nur noch bergab!“ Auch die Erweiterung des Standardspruchs kennt jeder von uns. Wobei ich dem seit einem Halbmarathon in der schönen Eifel auch nicht mehr vorbehaltlos Glauben schenke. Ein Großteil der Strecke und 1000 Höhenmeter waren geschafft, mit mehr Mühe, als mir lieb sein konnte. Vorbei an dem freundlich rufenden Streckenposten. „… nur noch bergab!“ Gas geben also … drei Kilometer und 500 Höhenmeter weiter bin ich damals förmlich ins Ziel gekrochen. „Sieht gut aus!“ – nein, nicht wirklich …

20. Oktober 2011

Einladung zum Panoramalauf

Eine Woche bei prächtigem Wetter in den Schweizer Bergen. Das tut der Seele gut. Entschleunigung war angesagt: wandern statt laufen. Ich habe es nicht bereut, die wunderbare Bergwelt gemächlichen Schrittes zu genießen. Nur manchmal, ganz selten, kribbelte es in den Füßen bei dem Gedanken daran, wie es sein würde, diesen oder jenen Panoramatrail laufend zu bewältigen.


Zurück im Trierer Land habe ich es dann natürlich nicht lange ohne Auslauf ausgehalten. Mit einigen Freunden aus dem Lauftreff ging es am späten Nachmittag auf den Petrisberg. Der bietet zwar keinen Alpenblick, aber das Moseltal und die Höhenzüge von Eifel und Hunsrück sind keine schlechte Alternative.
Vom Aussichtspunkt an der Sickingenstraße ist der Blick auf Trier besonders schön. Um den genießen zu können, wollen allerdings zunächst einige Höhenmeter bewältigt werden.


Ob dies auch bei der neuen gelaufenen Stadtführung passieren wird, die am Wochenende erstmals von dem findigen Laufcoach Jens Nagel und der laufenden Stadtführerin Marita Kohl in Augusta Treverorum angeboten wird, kann ich nur vermuten. In jedem Fall werden die sportlichen Teilnehmer auf den acht Kilometern dieser besonderen Laufrunde zahlreiche römische Bauten zu Gesicht bekommen. Wobei das Tempo sicher moderat gewählt sein wird, damitauch die laufenden Führer noch genug Luft für Erläuterungen haben werden.
Wer aber sicher gehen will, dass der schöne Blick auf Trier Teil seiner Laufrunde ist, den lade ich am Samstag um 15.30 Uhr nach Olewig ein. Zum 90. Jubiläum des Sportvereins präsentiert sich auch der dazugehörige Lauftreff mit einer schönen Runde für alle, die Lust darauf haben: Geplant ist ein etwa acht Kilometer langer Panoramalauf auf den Petrisberg. Als Mitglied des SV-Lauftreffs führe ich dabei über eine meiner Lieblingsstrecken. Ich hoffe, wir sehen uns!

29. September 2011

Schnell, schlau, schmerzvoll

Welch ein Lauf! Sensationell, wie Patrick Makau am Sonntag beim Berlin-Marathon in neuer Weltrekordzeit ins Ziel geflogen ist. 2:03:38 Stunden für 42, 195 Kilometer! Unvorstellbar schnell! Die meisten von uns würden die Strecke nicht einmal mit dem Fahrrad in dieser Zeit bewältigen.


Mindestens genauso begeistert wie die Fabelzeit des scheinbar locker joggenden Mannes aus Kenia hat mich die Vorstellung von Florian Neuschwander. Wie sich unser regionaler Vorzeigeläufer da im Fernsehen in Szene gesetzt hat – zunächst mit der Lauflegende Haile Gebrselassie, dann mit Paula Radcliff und Irina Mikitenko – war sensationell. Den Bezirksrekord verpasste er zwar knapp, um 16 Sekunden. Mit 2:22:23 Stunden gehörte er dennoch zu den schnellsten deutschen Läufern. Und als Begleiter der weltbesten Frauen brachte es keiner seiner nationalen Sportkollegen auf so viele werbewirksame Einstellungen.
Mit schweren Beinen habe ich das von meiner Couch aus verfolgt, ein wenig neidisch angesichts des Traumwetters in Berlin. Wäre es im vergangenen Jahr nicht so saumäßig nass gewesen, hätte ich bestimmt auch eine Bestzeit aufgestellt – eine persönliche, versteht sich.
Mein Berlin lag in diesem Jahr am Tag davor in Schillingen im schönen Hochwald und hatte satte 700 Höhenmeter mehr. Auch hier: wunderbares Wetter, wunderbare Organisation, wunderbare Gespräche mit netten Menschen. Nur vor diesen elendigen Wadenbeißern hätte mich jemand warnen müssen!


Nach 30 Kilometern, an der Ruwerquelle, haben sie mich erwischt. Keine Chance, mit einer ordentlichen Portion Magnesium-Kalium zu reagieren. Nun weiß ich, dass man zwölf Kilometer auch mit Wadenkrämpfen laufen kann. Von Laufgenuss lässt sich dann allerdings nicht mehr sprechen.


Aber: der Schmerz lässt nach, der Ruhm bleibt. Inzwischen kann ich schon wieder über meine Grenzerfahrung schmunzeln. Welch ein Lauf!

22. September 2011

Bier, Milch und purer Genuss

Dietmar Bier ist prima in Form. Der Vorzeigeläufer aus Trier stand in diesem Jahr bereits beim Erlebnislauf in Schweich, dem Nürburgringlauf und beim Maare-Mosel-Lauf ganz oben auf dem Siegertreppchen. Beim Gutenberg-Marathon in Mainz war er mit Platz 6 bester Europäer. Nun hat er am Sonntag auch den Hochwald-Gourmet-Marathon in Saarbrücken mit deutlichem Abstand gewonnen.


Damit erwies sich der 41-Jährige, der im vergangenen Jahr in seiner Altersklasse Deutscher Marathonmeister geworden war, erneut für seinen Haupt- und Trikotsponsor Hochwald-Molkerei als richtige Wahl. Und das, obwohl der Name des schnellen Diplom-Ingenieurs doch eher dazu geeignet wäre, für das kalorienreduzierte isotonische Kaltgetränk zu werben, das bei Läuferinnen und Läufern gleichermaßen äußerst beliebt ist. Aber solange die Bitburger Brauerei sich diese Marke aus Erding nicht einverleibt, wird Bier vermutlich bei der heimischen Molkerei bleiben.


Das wirft wiederum die Frage auf, was nach einem Lauf besser taugt, um die Speicher für Kohlehydrate und Eiweiß aufzufüllen. Das überraschende Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Newcastle: Läufer, die zwischen zwei Trainingseinheiten Milchgetränke wie Shakes zu sich nahmen, boten stärkere Leistungen als diejenigen, die zur Regeneration Energiedrinks nutzten. Es passt also doch zusammen: Milch und Bier.


Ich persönlich werde allerdings weiterhin nach einem Lauf zum alkoholfreien Weizen greifen. Das wird auch am Samstag in Schillingen so sein. Dieser Marathon hat mit der Molkerei nichts zu tun. Hochwald steht hier für die wunderbare Landschaft, durch die der lange Lauf und seine kürzeren Varianten führen. Nur eine Woche nach seinem Start in Saarbrücken wird der schnelle Mann im grünen Hochwaldtrikot hier aber vermutlich nicht zu sehen sein.

15. September

Von Gipfelstürmern und Ruhephasen

Marieke Reus, Herbert Jostock und ihre Mitstreiter von der LG Langsur dürfen die Beine hochlegen. Sie haben beim Jungfraumarathon nach 1800 Höhenmetern den bisherigen Gipfel ihrer sportlichen Karriere erreicht. Die lange körperliche und mentale Vorbereitung auf diesen Panorama-Monsterlauf hat sich für sie gelohnt und wurde belohnt von Kaiserwetter und einzigartigen Erfahrungen.


Solche warten auf viele Läufer aus unserer Region in den kommenden Wochen auch in Berlin, Köln oder Schillingen.


Und so paradox es klingt: Auch sie sollten nun erst einmal auf Erholung setzen. Denn zwei Wochen vor einem Marathon sollte die sogenannte Taperingphase beginnen. Nach den Wochen des Kilometerschrubbens müssen sich nun Gelenke, Muskeln und Sehnen von der großen Anstrengung erholen. Sportmediziner raten davon ab, in diesen 14 Tagen der Heilung Distanzen von mehr als 18 Kilometer zu laufen.
In der letzten Woche vor einem Marathon ist sogar eine noch deutlichere Reduzierung des Trainings notwendig. Nur noch 40 Prozent der in den Wochen davor gelaufenen Strecken sind dann erlaubt. Wer also zusammengerechnet 60 Kilometer pro Woche unter die Schuhsohlen genommen hat, sollte in den sieben Tagen vor dem Start insgesamt maximal 24 Kilometer laufen.
Kurze, schnelle Läufe und Intervalle sind allerdings erlaubt, um sich die Spritzigkeit zu erhalten. Der vom Ironman-Club Trier zum zehnten Mal veranstaltete Himmelsleiter Treppenlauf (www.sportakademie.de) bietet am Samstag eine wunderbare Möglichkeit, eine solche intensive Kurzbelastung mit einem guten Zweck zu verbinden: 605 Treppenstufen und satte 30 Prozent Steigung sind auf dem 800 Meter langen Gipfelsturm auf den Markusberg zu bewältigen. Der Erlös fließt in die Trierer Sportstiftung, die unverschuldet in Not geratene Sportler in der Region Trier unterstützt.


Eine gute Sache also, nicht nur für die eigene Fitness. Wer am Tag danach noch Kraft hat, es mit dem Tapering nicht so ganz genau nimmt, oder am Sonntag einfach nur einen tollen, langen Lauf machen will, dem sei der Stefan-Andres-Freundschaftslauf des LG Mittelmosel Leiwen e.V. empfohlen. Die 23 Kilometer lange Strecke von Schweich durch die Weinberge und den Kammerwald nach Leiwen bietet ebenfalls prächtige Ausblicke – und 305 Höhenmeter.

8. September

Im Flachen weit und hoch hinaus

Der September hat es in sich! Für viele Läufer steht nun der Höhepunkt ihrer sportlichen Saison unmittelbar bevor. Kein Wunder also, wenn in diesen Wochen deutlich mehr leicht bekleidete Menschen schnellen Schrittes unterwegs sind. Wer einen Halbmarathon oder gar die Volldistanz über 42,195 Kilometer angehen will, muss schließlich vor dem Start reichlich Trainingskilometer sammeln. Alles andere wäre fahrlässig und ein riskantes Spiel mit der eigenen Gesundheit.


Beim Marathon in Berlin am 24. September werden wieder nicht nur Weltklasseläufer, sondern auch viele Teilnehmer aus unserer Region an den Start gehen. Kürzer ist die Anreise am 2.Oktober nach Köln, der in diesem Jahr mit einer neuen, schnellen Streckenführung sicher noch mehr der hiesigen Marathonis lockt.


Mein läuferischer Höhepunkt im Herbst spielt sich im Hochwald ab. Bei der zeitgleich mit Berlin anstehenden zweiten Auflage des Marathons in Schillingen sind 738 Höhenmeter zu bewältigen. Das ist ein ganz ordentliches Pensum, allerdings fast nichts im Vergleich zu dem, was sich ein Läuferquartett aus Langsur und Trier an diesem Samstag zumutet: Beim legendären Jungfraumarathon im Berner Oberland stehen 1829 Höhenmeter auf dem Programm. Wie die Vier aus dem Trierer Land sich auch mental auf diesen Wahnsinnslauf vorbereiten, ist in unserem Laufportal nachzulesen. Respekt schon jetzt. Ich drücke die Daumen!


Irgendwann vielleicht werde ich den Start in den Schweizer Alpen auch wagen. Vorerst genügt mir aber beileibe das hiesige Gebirge, um ordentlich aus der Puste zu geraten.

18. August

Gipfelsturm am Nürburgring

Als „grüne Hölle“ ist die Nordschleife des Nürburgrings legendär. Zwar stammt diese Bezeichnung für die legendäre Rennstrecke aus dem Motorsport. Größte Hochachtung vor den vielen Steigungen und Gefällen, den engen Kurven und langen Geraden haben auch Läufer.


Als Ernst von Aaken und Manfred Steffny 1978 den ersten Nürburgringlauf ins Leben riefen, waren dort noch wenige Laufpioniere am Start. Mittlerweile gehört der 24.4 Kilometer lange Wettbewerb auf der Nordschleife zu den Läufen mit der größten Teilnehmerzahl in unserer Region.


Das wird auch für das Jahr 2011 gelten, wenn am Samstag auf der Start- und Zielgeraden der Formel 1-Piste zum 31. Mal der Startschuss für die Läufer fällt. Das anspruchsvolle Profil der Strecke nutzen viele Langstreckler als Leistungstest und Trainingslauf für einen Marathon im Herbst. Mehr als 500 Höhenmeter sind zu bewältigen. Da heißt es, seine Kräfte richtig einzusetzen, denn nach recht lockerem Beginn wartet ab der Mitte der Strecke die Herausforderung.


Denn der Aufstieg zur Hohen Acht bei Kilometer zwölf ist mit alleine 300 Höhenmetern und bis zu 17 Prozent Steigung sicher ein Hammer. Wer hier alle Körner aufbraucht, wird spätestens auf dem drei Kilometer langen Schlussanstieg auf die Döttinger Höhe das Ziel herbeisehnen. Ich habe noch nie so viele Läufer gehen sehen wie auf dem Nürburgring.

Dass ich im vergangenen Jahr den Start verpasste, dem Feld hinterherlief und dann trotz guter Zeit nicht in die offizielle Wertung gekommen bin, ist eine andere Geschichte. Am Samstag soll das aber klappen.
11. August

Entschleunigung auf zwei Beinen

Warum laufe ich? Warum schnüre ich fast an jedem Tag zu früher Stunde meine Laufschuhe und renne die Weinberge rauf und runter? Warum geht es mir schlechter, wenn ich zwei Tage nicht mehr laufen konnte? Klar, ich habe einen Beruf, der mich täglich länger an den Schreibtisch fesselt, als es gesund sein kann. Regelmäßige Bewegung ist da ab einem gewissen Alter ein wichtiger Ausgleich, um nicht einzurosten und körperlich fit zu bleiben.
Das alleine ist es aber nicht.


Christian, ein anderer Dauerläufer, ein laufender Arzt, der unter dem Pseudonym DocRunner seine Erlebnisse in einem Internetblog verarbeitet, hat mich der wahren Antwort auf diese Fragen näher gebracht: Er fasst es unter dem Begriff Entschleunigung zusammen.


Es geht letzten Endes darum, aus der Hektik des Alltags zu entfliehen. Es geht darum, zu sich selbst zu finden, zu meditieren und den Kopf freizumachen. Wenn sich die Beine wie von alleine bewegen, die Atmung ihren Rhythmus gefunden hat, der mit dem Herzschlag harmoniert. Wenn die Gedanken fliegen und sich das Gefühl einstellt, eins zu sein mit der Natur. Dann ist der Punkt erreicht, den mein laufender Blogfreund sehr treffend als „Crescendo der Entspannung und Zufriedenheit“ beschreibt. Dann bleiben Ärger, Frust und Anspannung zurück.


Aber es funktioniert nicht nur nach einem anstrengenden Tag. Wie ich immer wieder erlebe, wirkt die Entschleunigung durch das Laufen auch vor der unvermeidlichen Beschleunigung, die ein Arbeitstag mit sich bringt. Deshalb laufe ich!

4. August 2011

Auf ein Neues!

Das Ende der Sommerferien naht in großen Schritten und markiert den Auftakt für die Hauptsaison der Läufer. Nach dem Trierer Stadtlauf war die Zahl der Einträge im Veranstaltungskalender schlagartig gegen null geschrumpft. Höchste Zeit also für einen Neustart.

Die große Teilnehmerzahl am Wochenende beim Ralinger Sauertallauf zeigte, dass sich nicht alle Anhänger des Laufsports während der Ferien auf die faule Haut gelegt hatten. Beim Plattener Straßenlauf am Freitag in Elsenborn und beim Halbmarathon rund um den Schwarzen Mann bei Prüm am Samstag erhalten nun auch die Hobbysportler im Wittlicher Land und in der Eifel die Gelegenheit zu testen, wie sie ihre Fitness über den Sommer gerettet haben.

Und wer das Laufen alleine oder im Team gerne mit Radfahren und Schwimmen kombiniert, für den ist am Samstag „Swim & Run“ in Morbach die richtige Veranstaltung für den Einstieg in die Herbstsaison, deren Höhepunkt für viele von uns ein Halbmarathon oder Marathon sein wird.

Für mich wird das der landschaftlich wunderbare, aber anspruchsvolle Spiridon-Volkslauf in Schillingen sein. Bis dahin kann für jeden von uns auch ein Trainingslauf zu einem Wettlauf werden. Wer für jeden Kilometer einen Euro für die Hilfe am Horn von Afrika spendet, beteiligt sich am Wettlauf gegen den Hungertod Hunderttausender.

Informationen zu allen Laufveranstaltungen in der Region: www.volksfreund.de/laufen

16. Juni 2011

Gut und Gutes

Laufen tut gut. Das weiß jeder, der es mehr als einmal probiert hat. Mir persönlich bringt der Laufsport die Ausgeglichenheit, um einen nicht immer stressfreien Job (meistens) mit der notwendigen Ruhe zu bewältigen. Und was mindestens ebenso wichtig ist: Ich bin meinen chronischen Knieschmerzen im wahrsten Sinn des Wortes davongelaufen. Die bessere Durchblutung des Gelenks, trainierte Muskulatur und gestärkte Bänder verhindern in der Regel die Entzündung am Tibiakopf, die mich vor meiner Hobbyläuferkarriere regelmäßig zum Halbinvaliden werden ließ.
Laufen tut Gutes. Das gilt auch für alle, die keine körperlichen Gebrechen haben, die sie mit Sport kurieren. Davon künden die vielen Lebensläufe an den Schulen in der Region. Jungen und Mädchen, die sonst oft lieber an Spielkonsolen Höchstleistungen erbringen, sammeln dabei Kilometer. Jeder Einzelne wird mit einer Geldspende für einen guten Zweck honoriert.
Eine gewisse Tradition hat auch der LEX-Spendenlauf, zu dem bundesweit Sportgeschäfte aufrufen, die ihrem Namen nach stets in der City verortet sein müssten. Auch gestern Abend waren zahlreiche Läufer im Trierer Weißhauswald für einen guten Zweck unterwegs. Laufen hilft gegen Depressionen. Diese Erkenntnis erhielt dabei eine doppelte Bedeutung, denn der Spendenerlös geht an den Verein, der sich bundesweit um Patienten und Angehörige von Patienten mit dieser schlimmen Krankheit kümmert.
Mein Favorit unter den Benefizläufen ist allerdings der zugunsten des Hospizhauses Trier. Die Tour über 200 Kilometer von Koblenz bis Trier, als Staffel gelaufen, war ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte. 8. und 9. Juli ist auch in diesem Jahr der Termin, 2011 liegt das leider mitten in den Ferien. Ich drücke die Daumen, dass trotzdem viele Läufer kommen. Denn Laufen tut gut und Gutes.

9. Juni 2011

Bonus für Masters

Die größte Laufveranstaltung in der Region startet am Samstagabend in Luxemburg. Von den Anfeuerungsrufen Zehntausender Zuschauer begleitet, werden sich 8000 Männer und Frauen vom modernen Banken- und Finanzzentrum auf den Weg in die historische Altstadt machen, um nach 21 oder 42 Kilometern und vielen Kurven wieder den Schlussanstieg auf den Kirchberg in Angriff zu nehmen.
Ich bin zwar selbst noch nicht in Luxemburg gelaufen, habe mir aber sagen lassen, dass die vergleichsweise hohen Anmeldegebühren, die denen der großen Hauptstadtläufe Europas nicht nachstehen, gerechtfertigt sein sollen. Gute Organisation, eine ebensolche Verpflegung und 45 Bands an der Strecke, die den Läufern einheizen. Dazu die tolle Stadt in abendlichem Licht. Das sind die Zutaten für ein sicherlich schönes Erlebnis.
Wer nun Lust bekommen hat, muss aber bis zum nächsten Jahr warten, denn die Starterliste 2011 ist pickepackevoll.
Vielleicht sehen wir uns dann ja, denn ich kann mir einen Start dort durchaus vorstellen.
„Willst du dann noch schneller laufen?“, werde ich gefragt, seit ich meine Zeit von Stockholm publik gemacht habe. „Nicht unbedingt“, lautet dann meine Antwort. Und mit einem Augenzwinkern erkläre ich, dass ich dazu ja gar nicht laufen muss.
Das geht ganz einfach: Ich greife mir die Umrechnungstabelle („Masters Age-Grade-Tables“) des Tschechen Dr. Cepelka, die Leistungseinbußen in Abhängigkeit vom Lebensalter einordnen lässt. Alte Bestzeit mit Faktor 0,9358 (für 45-Jährige) multipliziert. Und schon habe ich die neue Bestmarke: 3:11:35 Stunden. Die würde ich mit meiner derzeitigen Fitness laufen, wenn ich 26 Jahre alt wäre. Na also …

31. März 2011

Von Biestern, Rampen und Fahrtspielen

Die dunklen Monate sind vorbei, auch für uns Läufer. Angesichts der erblühenden Natur und der länger werdenden Tage hält der innere Schweinehund meistens still.

Meinen hab‘ ich weitgehend gezähmt, so dass sich das Biest nur noch selten meldet.

Gestern war mal wieder so ein Tag, vielleicht lag es ja auch an dem nach mehreren Tagen wieder bedeckten Morgenhimmel. Schon nach wenigen Hundert Metern war der Spaß an der Bewegung allerdings wieder da, genau richtig, um all den Biestern und Monstern zu begegnen, die auf der Strecke lauern.

„Kleines Biest“ – so habe ich vor einigen Jahren die giftige Steigung getauft, die auf meiner Hausstrecke Nummer 1 zu bewältigen ist. Dank regelmäßigen Laufens ist das Kleine inzwischen eher zu einem Wachmacher geworden, das sich für eine schöne Konditionseinheit eignet, die sich in der Trainingslehre Fahrtspiel nennt.

Ziel dieser besonderen Form von Intervalltraining ist es, die Ausdauer zu verbessern. Der Puls wird ganz bewusst über eine bestimmte Zeit erhöht und danach wieder gesenkt. Wer in der Ebene oder im Stadion läuft, kann dies durch mehr oder weniger lange schnelle Abschnitte tun. Mir persönlich sind schöne Landschaftsläufe mit Steigungen und Rampen dafür viel lieber. Die sorgen dafür, dass der Puls automatisch hochgeht. Wenn es sein muss, lässt sich zusätzlich das Tempo verschärfen. Das mache ich manchmal, wenn ich das „kleine Biest“ und so manche andere Steigung hochlaufe.

Solche läuferischen Herausforderungen warten in unserer schönen Region überall. So auch in den Weinbergen bei Schweich, wo am Samstag 21,1 Kilometer Erlebnislauf locken.

Zwei mächtige Steigungen wollen dort bewältigt sein, bevor es wieder zurück in den Ort geht. Aber Achtung: Fünf Kilometer vor dem Ziel warten noch zwei gemeine Rampen. Diese Biester haben schon so manchem Läufer den Zahn gezogen.

24. März 2011

Weit laufen für Japan

Welch eine Wonne: Dieses Wetter ist für Läufer wie geschaffen, um den Start in die neue Saison mit viel Spaß und Frühlingsgefühlen in Angriff zu nehmen. Besonders toll sind Sonne und wärmere Temperaturen natürlich für alle, die sich auch in den dunklen Monaten nicht vom regelmäßigen Laufen abhalten ließen und in entsprechend guter Form über den Winter gekommen sind.


Ich durfte das am Wochenende in Föhren bei einem wunderbaren Freundschaftslauf erleben, der mir auch auf 25 Kilometern mit 500 Höhenmetern nicht die Luft genommen hat, um laufend gute Gespräche zu führen. Ausnahmsweise lag der Bendersbachtallauf in diesem Jahr zeitlich noch vor dem traditionellen Auftakt der Langstrecken-Volksläufe in der Region in Schweich. Dort warten am 2 April wieder viele Höhenmeter, die bewältigt werden wollen.

Natürlich ist am Sportzentrum in Schweich auch der Start auf die kürzeren Strecken möglich. Fünf oder zehn Kilometer.

Uns mehr oder weniger ambitionierten Laufschuhschnürern und Freizeitläufern bringt der Sport Freude und Abwechslung. Er lenkt auch ab von den katastrophalen Meldungen aus Japan oder Libyen, die uns seit Tagen begleiten.

Auf einer meiner bevorzugten Laufblog-Adressen – viele Grüße an Ralph – habe ich eine Anregung gefunden, die ich mit seiner Erlaubnis hier weitergebe: Lasst uns die Läufe eines Wochenendes zu Benefizläufen machen! Das geht ganz einfach: Wir überweisen für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro an eine der seriösen Spendenadressen für die Erdbeben-Tsunami-Atomunfall-Opfer in Japan. Zum Beispiel auf das Konto der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Trier (Konto 102 70 7552; Volksbank Hochwald-Saarburg BLZ 585 647 88).

17. März 2011

Alles in Bewegung

Der TV bewegt! Das ist das Motto für das Laufportal des Trierischen Volksfreunds. Spätestens seit ich dafür verantwortlich bin und auch meinen Internet-Blog überwiegend dem Laufsport widme, nehme ich dieses Motto wörtlich.

Auf allen Morgen-, Abend-, Trainings-, Team- und Wettkampfläufen bin ich auf Ideensuche. So begleiten mich die Gedanken über Konzepte, Präsentationen und neue Texte ebenso wie meine kleine Kamera, die mir in den vergangenen Monaten ein prall gefülltes Fotodossier zum Thema Laufen in einer der schönsten Landschaften Deutschlands beschert hat.

Der TV bewegt! Manchmal bin ich auch Werbeträger, ziehe eines der entsprechend beschrifteten T-Shirts an und Blicke oder Kommentare auf mich. So wie am Sonntag beim X-Duathlon im Trierer Weißhauswald, wo der passionierte Läufer einmal ausprobierte, wie es sich anfühlt, einen Großteil der Wettkampfstrecke mit dem Fahrrad zu absolvieren.

Dass es sich dabei um ein Mountainbike handelte und die Topografie der Strecke dem Wort Mountain, also Berg, eine neue Dimension verlieh, war die besondere Herausforderung … Einige Minuten nach dem Zieleinlauf war alles gar nicht mehr so schlimm. Die Atemlosigkeit war von der Gier nach allem Essbaren verdrängt worden, um die dramatische Kalorienunterversorgung auszugleichen, die 68 Minuten extreme Anstrengungen verursacht hatten.

Wer als Langstreckenläufer einmal erleben will, wie sein Puls die höchstmögliche Frequenz trommelt, dem sei so ein Duathlon ans Herz gelegt.

Der TV bewegt! Nicht nur den Puls. Auch unsere Leserinnen und Leser. Wie die ihren Herzschlag trainieren und mehr Fitness erlangen, zeigen Jens Nagel und sein Trainer-Team bei unserer Aktion für den Trierer Stadtlauf.

10. März 2011

Laufende Narren, blaue Stunden und Spinnenbeine

Wie ernst dies viele der Teilnehmer trotz des traditionell närrischen Mottos nahmen, zeigt ein Blick auf die Fotos vom Lauf, die wie immer in unserem Laufportal angeklickt werden können. Umso erstaunlicher, dass es sexy Spinnenfrau Linda Betzler trotz ihres Kostüms geschafft hat, als Erste im Ziele zu sein. Das zeugt von großer Fitness. Gangsterhut und Sonnenbrille des männlichen Siegers Dominik von Wirth waren im Vergleich dazu eine eher minimalistische Verkleidung.

In ihrem gewohnten blauen Outfit starteten die Nachwuchsläufer des Post-Sport-Telekom Trier bei den deutschen Crosslauf-Meisterschaften. Mit Silbermedaillen um den Hals grinsten sie danach ebenso breit wie die Gewinner von Wasserliesch oder PST-Nachwuchsstar Christopher Pieper, der beim U-20-Länderwettkampf in Hamburg das monochrome Trikot gegen eines in Nationalfarben tauschen durfte.

Wir etwas weniger schnellen Freizeitläufer freuen uns derweil auf die schönen Frühjahrsläufe. Schon bald lockt in Föhren der Meulenwald. In Schweich wartet kurz danach die anspruchsvolle Strecke über Weinbergshöhen.

Aber bevor es soweit ist, wartet am kommenden Sonntag noch ein besonderes Abenteuer: Beim X-Duathlon im Weißhauswald gehen ab 10 Uhr die Sportarten Laufen und Radfahren eine vermutlich anstrengende Symbiose ein.

Zum Glück ist kein Regen angesagt, der die steile Abfahrt in eine Schlitterbahn verwandelt. Für die ebenso steilen Anstiege werde ich mir vermutlich so etwas wie das Spinnenkostüm von Linda Betzler wünschen – aber bitte mit flinken Spinnenbeinen.

3. März

Warmduscher

Seid Ihr auch Warmduscher? Ich bekenne mich dazu. Nach einem schönen Lauf gibt es nichts Schöneres als ein genussvolles Duschbad. Warm muss das Wasser dann sein, eigentlich schon heiß. Es muss dampfen und den Rücken röten. Dann entspannt sich die beanspruchte Muskulatur im Gleichklang mit dem Geist.
Besonders im Winter und bei kühlem Wetter bietet die ausreichend warme Dusche nicht nur Wohlfühlgarantie, sondern auch eine gewisse Sicherheit vor Erkältungen, wenn der Körper danach schnell trockengelegt und warm eingepackt wird.

Also bitte Handtuch nicht vergessen, wenn der Lauf mal nicht an der eigenen Haustür endet!

Mir passierte dieses Malheur im vergangenen Jahr in Leiwen. Das verschwitzte T-Shirt als Ersatz erfüllte diesen zweckentfremdeten Gebrauch nicht zufriedenstellend. Da half auch 45 Minuten später die nochmalige und besonders hoch temperierte Ganzkörperwaschung zuhause nichts: Zwei Tage danach plagte mich ein heftiger Schnupfen.

Ob es auch dem vergesslichen Marathoni in Berlin so ergangen ist, kann ich nur vermuten. Nach dem Regenlauf hatte er mich im vollkommen überfüllten Duschzelt geradezu angefleht, ob er mein (bereits benutztes) Handtuch haben könne? – Ich habe es ihm geschenkt …

Warmduschen und ein ausreichend trockenes Handtuch danach sind ein Genuss. Ohne Zweifel. Aber der richtige Kick ergibt sich erst durch Abschreckung, wenn sich am Ende der Duschzeremonie das Wasser eine Minute eiskalt über den Körper ergießt. Das verhindert das Frösteln danach und macht aus dem Warmduscher einen Schnelldenker mit der klaren Erkenntnis: Sebastian Kneipp hatte doch recht.

24. Februar 2011

Von Läufern und Radfahrern

Mein Freund Helli ist ein begeisterter Radfahrer. Als Jugendlicher, so hat er mir einmal erzählt, nahm er sein erstes teures Rad sogar mit in sein Zimmer und hatte die größte Freude daran, es immer aufs Neue zu zerlegen, zu putzen und wieder zusammenzubauen.

Diese Liebe zum Zweirad hat bis heute gehalten und dazu geführt, dass in der Garage kein Platz für ein Auto ist, dafür aber mehrere hochwertige Zweiräder stehen bzw. von der Decke hängen.

Kein Wunder also, dass die Begeisterung meines Freundes für das Laufen eher unterentwickelt ist. So lässt sich die Zahl unserer gemeinsamen Läufe an einer Hand abzählen. Umgekehrt war ich allerdings nur ganz selten mit ihm auf Radtour. Aber es gibt tatsächlich eine Sportart, die unsere gegenseitigen Vorlieben und Vorbehalte zusammenbringt: Duathlon. Wer sich einmal ansehen will, was das ist, der sollte am 13 März zum Waldstadion im Weißhauswald kommen. Dort steht der 4 Trierer X-Duathlon an, bei dem Crosslauf und Mountainbiking eine Symbiose eingehen. Helli hat schon einen Staffelpartner. Deshalb werde ich im „richtigen“ Rennen an den Start gehen, zumal unser Laufportal die Veranstaltung präsentiert. Da passte es prima, dass die Macher vom Tri-Post Trier e.V. zur Streckenbesichtigung eingeladen hatten.

Mit meinem Fahrrad aus dem Sonderverkauf habe ich mich also dem Tross angeschlossen, der die 250 Höhenmeter zum Kockelsberg hinaufstrampelte und sich dann in rasantem Tempo zurück ins Tal stürzte. Wow! Mit ein wenig Übung gelingt es mir bestimmt auch noch, richtig zu schalten. Und dass es im Februar auf dem Rad saukalt ist, habe ich auch gelernt. Beim nächsten Mal werde ich Handschuhe tragen.

17. Februar 2011

Auf den Hund gekommen

Unter meinen Hausstrecken gibt es einige, auf denen besonders viele Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern unterwegs sind. In der Regel verhalten sie sich vorbildlich, weshalb ich bislang nicht in das große Wehklagen über marodierende und nach Läuferwaden schnappende Monster einstimmen wollte.

Einen ordentlichen Schreck habe ich allerdings bekommen, als ich vor einigen Tagen auf einem Feldweg bei Trier-Kernscheid meine Morgenmüdigkeit aus den Beinen schüttelte.
Schon von weitem sehe ich die Frau mit den zwei Hunden. Natürlich sind die Tiere nicht angeleint und springen übermütig über die Felder. „Wird schon gut gehen“, denke ich mir und eile weiter dem Belohnungsfrühstück entgegen.

200 Meter vor Frau und Hunden entdeckt mich eines der nicht zu kleinen Tiere, unterbricht abrupt sein Spiel und hetzt mir entgegen. Da hilft kein Rufen und Winken von Frauchen. Groß Bello stürzt dem inzwischen deutlich langsameren Läufer bellend entgegen.

Im Geiste stelle ich mich bereits auf einen Nahkampf mit blutigem Ausgang ein, da bremst der offensichtlich noch ziemlich junge Hund ab, springt neben mir einige Male kläffend in die Höhe und rast zurück zu seiner Besitzerin, die es offenbar noch nicht zum Alphaweibchen gebracht hat.

Aber zumindest scheint ihr das Verhalten ihres halbstarken Vierbeiners peinlich zu sein. Denn schnell dreht sie sich ab und marschiert auf einem abzweigenden Weg schnellen Schrittes in Richtung Waldrand davon. Kein Gruß, keine Entschuldigung. Offenbar hat nicht nur ihr Hund Defizite in Sachen Erziehung.

Zwei Tage später dann wieder so eine Situation, diesmal auf einem deutlich engeren Weg ohne Ausweichmöglichkeit. Aber großes Lob. Herrchen verhält sich vorbildlich und nimmt Hundchen an die kurze Leine. Mein Dank und Morgengruß gilt ihm und allen Hundebesitzern, die sich so rücksichtsvoll verhalten.

10. Februar 2010

Lang, halblang, kurz

Für alle, die in diesen Spätwintertagen im Moseltal unterwegs sind, stellte sich die Frage nicht, zu welcher Laufhose der Griff in den Kleiderschrank gehen musste: Lang musste sie sein, unbedingt. Und weil die Außentemperatur wieder Eisblumen sprießen ließ, durfte sich auch weiterhin die gut isolierende Wintervariante über Auslauf freuen.

Dabei hatte der vorübergehende Frühlingseinbruch in der vergangenen Woche doch die Hoffnung genährt, endlich wieder etwas leichter bekleidet auf Tour gehen zu können. Temperaturen um zehn Grad und der spürbar frühere Sonnenaufgang lockten wieder mehr Bewegungssuchende auf die Strecken. Und in Sachen Beinbekleidung waren prompt alle Varianten zu sehen: lange, halblange und sogar kurze Laufhosen, bei deren Anblick nicht nur die noch immer dick vermummten Fußgänger und Gassigeher Gänsehaut bekamen.

Am Sonntag ließ sich die Sonne auch blicken, was mich mitsamt Kindern und Frau zu einer gemeinsamen Fahrradtour in die Stadt bewegte. Frostig war’s, zumal der Wind kräftig blies und die Handschuhe zuhause geblieben waren. Auf dem Rückweg dann ein unverdrossener Läufer, der seine unverhüllten muskulösen Waden präsentierte.

„Ganz schön mutig, bei der Kälte“, ließ ich ihn wissen. Doch das störte ihn nicht. „Ich muss noch nach Hockweiler, da ist das kein Problem.“ Wohlgesprochen. Und seine Anregung, die Beinbekleidung zum Thema dieser Kolumne zu machen, nehme ich gerne auf. Denn zwar sagen die Meteorologen ein schnelles Ende des Vorfrühlings voraus. Über kurz oder lang wird sich allerdings für alle Läufer die Frage stellen, ob lang oder kurz. Aber vielleicht machen wir auch alle erstmal halblang …

27. Januar 2010

Bei Wind und Wetter

Du bist wohl so ein ganz Verrückter. Wie kannst Du nur bei so einem Wetter laufen?!
Wer solche Sprüche häufiger zu hören bekommt, muss hier nicht weiterlesen. Oder vielleicht doch. Schließlich tut es gut, nicht der einzige Außenseiter zu sein, der unumwunden zugeben kann, dass er den inneren Schweinehund besiegt und zu einem nur noch selten aufbegehrenden Weggefährten gemacht hat.


Ja, das Laufen macht auch bei Wind und Wetter gute Laune! Und sofern die nicht ganz unvoreingenommenen Interpretationen brandaktueller medizinischer Erkenntnisse zutreffen, ist die ursprünglichste Fortbewegungsart sogar dann gesund, wenn sie bei Kälte, Schnee oder Regen ausgeübt wird.
Das Laufen bei winterlichen Temperaturen stärkt die Abwehrkräfte des Körpers und schadet weder Lunge noch Muskulatur. Eine Studie aus den USA belegt, dass Läufer zu 20 Prozent seltener an Erkältungen erkranken als Nichtläufer.


Einige Regeln sind dabei allerdings zu beachten, denn Überanstrengung und lange Belastung wirken sich kontraproduktiv aus: Funktionelle sprich atmungsaktive Bekleidung ist wichtig, um eine schnelle Auskühlung durch Schweißnässe zu verhindern. Auch die ausgewogene Ernährung mit reichlich Vitaminen (besonders Vitamin C), Spurenelementen und Mineralstoffen ist im Winter besonders wichtig. Käse- und Milchprodukte enthalten Zink, das entzündungshemmend wirkt und den Aufbau von Antikörpern unterstützt.


Ein absolutes Muss nach einem Winterlauf – ich spreche da aus leidvoller Erfahrung – ist der schnelle Gang unter die heiße Dusche. Wenn die fehlt, oder der Körper danach nicht trocken und warm gehalten wird, sind Erkältungsviren Tür und Tor geöffnet. Und das legt den stärksten Läufer auf die Nase. Besonders gefährdet sind die Langstreckler, die auch bei Eiseskälte mehr als 75 Minuten unterwegs sind. Dann steigt das Risiko einer Infektion deutlich.


Gut beraten ist also, wer auf den inneren Schweinehund pfeift und die Laufschuhe schnürt, es aber nicht übertreibt.
Vielleicht begegnen wir uns ja!?

20. Januar 2010

Meine Hoffnung ist blau

Gefühlt steht nach all diesen Wochen mit Schnee und Eis der Frühling vor der Tür. In uns Läufern erwacht das Gefühl, sich wieder auf den Weg zu machen. Und vermutlich nicht nur mir wird beim Blick auf die Laufschuhe auffallen, dass deren Zustand den Abschied in den Ruhestand mehr oder weniger schnell erforderlich machen.


In irgendeinem Regal im Keller warten schon „milljunen“ abgelaufener Treter aus den Vorjahren darauf, die neuen Rentnerlatschen in ihren Kreis aufnehmen zu können. Denn jedes Paar könnte erzählen von wunderbaren Erlebnissen, von regennassen Straßen, Schnee, harten Marathons und weichen Wiesenwegen.

Auf also in die Stadt, wo die ganze Palette fabrikneuer Treter auf Abnehmer wartet. Welch ein Anblick! Weiß war gestern. Die neue Generation der Laufschuhe ist bunt. Rote Sohle, gelber Außenschuh, rosa Mash-Einsatz. Sportschuhe müssen jetzt knallig und lustig sein. Vielleicht hilft das ja bei der Orientierung im Nebel?

Mein Blick schweift über die grelle Auslage. Wo sind meine Trabuco, die mir auf Asphalt und im Wald so treue Dienste erwiesen haben? In einem Nebenregal finde ich sie. Leicht verändert. „Ein Auslaufmodell im doppelten Sinn“, denke ich mir, nachdem ich das Schildchen erkannt habe, das 30 Prozent Rabatt verspricht. Winterschlussverkauf!

Kurz hineingeschlüpft: passt. Heute ist kein Tag für grellbunte Experimente. Aber wenigstens wurde aus Grau ein leuchtendes Blau, das ich nun an den Füßen trage. Es ist meine Farbe der Hoffnung: auf ein Jahr ohne Sportverletzungen und viele erlebnisreiche Kilometer.

13. Januar 2010

Der Weg ist das Ziel

Der Schnee ist weg und hat an der Mosel dem „normalen“ Winter mit eher schmuddeligem Wetter Platz gemacht. Zumindest die trockenen Pausen locken nun wieder mehr Freunde des gepflegten Laufsports an die frische Luft.


Solange der Weg über festen Untergrund führt, der nicht mit Stolperfallen oder Riesenpfützen die volle Aufmerksamkeit fordert, dürfen die Gedanken schweifen. Da lässt sich darüber sinnieren, bei welchem der vielen Volksläufe in der Region ein Start infrage kommt. Da mein Saisonhöhepunkt bereits für den 28. Mai geplant ist, muss besonders das Frühjahr gut durchdacht sein. Schließlich erfordert ein Marathon sorgfältige Vorbereitung; auch dann, wenn die 42,195 Kilometer durch die angeblich schönste Stadt Schwedens führen.


Spätestens in den acht Wochen vor dem Start in Stockholm werde ich in jeder Woche etwa 60 Kilometer unter die Beine nehmen. Drei bis vier kürzere Läufe unter der Woche und jeweils eine lange Strecke am Wochenende sind dann Pflicht. Ganz nebenbei lassen sich da einige tolle Landschaftsläufe genießen. Erste Herausforderung ist der Bendersbachtal-Lauf in Föhren am 19. März. 25 Kilometer in gemäßigtem Tempo bei netten Gesprächen sind ein Auftakt nach Maß für die langen Strecken. Dieses Attribut gebührt normalerweise dem Schweicher Erlebnislauf, der in diesem Jahr „erst“ am 2. April stattfindet. Und wenn nicht wieder ein Sturm die Wälder zerhaut, passt der Kammerwald-Volkslauf am 30. April an der deutsch-luxemburgischen Grenze bei Geichlingen auch in den Trainingsplan.


Höhepunkt der Vorbereitung könnte der Teba-Lauf auf dem Hochwald-Ruwer-Radweg am 14. Mai sein, wobei ich mit meinen Trainingspartnern die Strecke doppelt und ein wenig mehr unter die Füße nehmen muss, wenn wir die drei Stunden plus X unterwegs sein wollen, die dann Pflicht sind.

Aber ganz egal, wie lang die Strecke ist, Hauptsache, es macht Spaß!
Ich hoffe, wir sehen uns!

6. Januar 2010:

Softshell – eine heiße Sache

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle heute auf den Dreikönigslauf in Bitburg eingehen. Da der aber wegen zu viel Eis ausfällt, kommt ein anderes Thema zur Sprache, das ebenfalls mit tiefen Temperaturen zu tun hat: die richtige Wahl der Kleidung im Winter. Softshell ist dabei das neue Zauberwort: Leicht, dünn, wasserdicht, wärmedämmend. Ob diese Versprechungen des Verkäufers eingelöst werden? „Da musst du nur ein Laufshirt tragen, darüber die Softshell-Jacke, das genügt.“

Also ausprobiert: Fühlt sich zunächst zwar an wie ein etwas zu weit geratener Taucheranzug. Irgendwie Gummi halt. Aber was soll’s, zumindest die Baumwollmütze ist flauschig. Und dass Naturfasern nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind, haben inzwischen nahezu alle Ausdauersportler erkannt.

Raus in die Kälte… na gut, auf den ersten paar hundert Meter ist es zwar nicht kalt, aber doch ein wenig erfrischender als ich mir das wünsche. Toll sind natürlich die in die Ärmel eingearbeiteten Stulpen mit Daumzug. Da verrutscht nichts. … Nach einem Kilometer ist von Kälte nichts mehr zu spüren. Mutig ziehe ich am Reißverschluss, damit auch am Hals die Wärme etwas besser nach außen kann.

Neun flotte Kilometer durch die Weinberge, mal hoch, mal runter, mal geradeaus. Da bekommt die Muskulatur was zu tun und bedankt sich mit Wärme – und Schweiß. Und jetzt weiß ich auch, welches Attribut den Softshell-Klamotten abgesprochen werden muss: atmungsaktiv. Wenn es darum geht, die Feuchtigkeit nach draußen zu leiten, verhält sich mein neues Kleidungsstück ziemlich passiv.

Die großzügigen Lüftungsschlitze am Rücken bieten einige Abhilfe. Aber die Arme sind nach dem Lauf so nass, als wäre ich die letzten zwei Kilometer gekrault. Und mein Shirt hat den Feuchtigkeitsgehalt wie nach einem Sommerlauf durch den subtropischen Urwald.

Fazit: Softshell ist ein sinnvolles und insgesamt angenehm zu tragendes Material. Wer aber nicht die Chance hat, nach dem Sport die Kleidung zu wechseln, sollte lieber verzichten und sich weiterhin nach Zwiebelprinzip kleiden. Und etwas gehört unbedingt zur Grundausstattung einer Softshelljacke: Ein Kleiderbügel, um sie über der Heizung zum Trocknen aufzuhängen.

30. Dezember 2010:

Otto, Elke und ich

Wie war Euer Laufjahr? Es wird Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Denn nur ein Tag bleibt bis zum ultimativ letzten Start 2010. Der Silvesterlauf in Trier lockt und wird auch in diesem Jahr die Massen bewegen. Zwar geht – Micah Kogo, Carsten Schlangen und Sabrina Mockenhaupt mögen mir verzeihen – kein Superstar wie im vergangenen Jahr auf die Strecke, als der vom Rücktritt zurückgetretene Haile Gebrselassie die traditionell an der Strecke skandierenden Massen allein durch seine Anwesenheit hyperventilieren ließ. Im „Lauf der Asse“ wird es dennoch höllisch schnell werden, angesichts der Läuferelite, die auf dem eckigen Rundkurs in der Trierer City das Pflaster rockt.
Otto oder Elke Normalläufer wie ich werden zwar traditionell auch alles geben für die acht Kilometer, dafür aber wie immer mindestens zehn Minuten länger brauchen. Und nachdem wir wieder atmen können, ohne Gefahr zu laufen, dass uns die Reste des Frühstücks aus dem Gesicht fallen, werden wir trotz des endorphinbeschwingten Hochgefühls vielleicht kurz darüber nachdenken, wie Menschen in der Lage sein können, mehrere Tausend Meter jeweils in drei Minuten zu bewältigen … Naja, vielleicht in meinem nächsten Leben … Läufer wie ich werden dennoch mit einem Lächeln ins Ziel laufen – sofern dafür die Luft bleibt. Vielleicht mit keiner persönlichen Bestzeit, aber in jedem Fall mit dem Gefühl, einmal mehr mit Hunderten Freunden und Gleichgesinnten das Ziel erreicht zu haben. Und so soll es auch im neuen Jahr sein. Nicht nur an Silvester.
In diesem Sinne wünsche ich für 2011 einen richtig guten Lauf!

23. Dezember 2010

Geschichten vom Laufen

Kein wirklich tolles Laufwetter in diesen Tagen. Und selbst wer sich von Regen und Schnee nicht von seinen Frischluft-Touren abhalten lässt, zieht sich bei diesem Matsch lieber in eine kuschelig-warme Ecke seines Heimes zurück. Zeit also für ein gutes Buch. Aber so ein echter Kilometerfresser kommt auch im Lesesessel nicht ganz ohne seinen Sport aus. Muss er auch nicht, denn die Auswahl an Literatur über eine der schönsten Nebensachen der Welt ist groß. Hier also meine kleine Hitliste für all jene, die sich dabei nicht nur mit trockener Trainingslehre, Ernährungswissenschaft und Ausrüstungstipps beschäftigen wollen (für die gibt’s den Klassiker „Perfektes Lauftaining“ von Herbert Steffny und Ulrich Pramann; Verlag südwest):

Rang 4: „Auf die Füße, fertig, los!“ von Raimund Teismann (ontour-Verlag). In dem Büchlein beschreibt der Autor die Idee, mehrere Tagestouren zu langen Joggingtouren zu kombinieren. Eine davon führt von Brühl nach Trier. Der bezeichnende Titel dieses Kapitels: „Kurz und heftig“.

Auf Platz 3: „Marathon. Ein Laufbuch in 42,195 Kapiteln“ bietet viel Kurzweil und Wissenswertes, Geschichte und Geschichtchen über die größte Herausforderung für alle Hobbyläufer. Die Autoren Harald Krämer, Klaus Zobel und Werner Irro haben viel gesammelt, etliches verworfen, aber nach eigenem Befinden niemals den Spaß am Kombinieren interessanter, witziger und lehrreicher Texte verloren. Und das ist dem auch in kurzen Etappen zu genießenden Buch anzumerken.

Silbermedaille für „Lauf, du Sau!“. Der Klassiker von Marc Bischoff (Agon Sportverlag) ist für alle die richtige Lektüre, die ihre eigenen sportlichen Niederlagen und Höhepunkte auf äußerst unterhaltsame Art vor Augen geführt bekommen wollen. Denn irgendwie kommt einem sehr vieles, was hier beschrieben wird, sehr bekannt vor. Seine Internet-Kolumne laufdusau.blog.de hat Bischoff inzwischen geschlossen. Die besten Beiträge sind aber auf den 170 Seiten dieses Büchleins nachzulesen.

Fanfare für Platz eins der persönlich beliebtesten Laufbücher: „Born to Run – Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt“ (Verlag Blessing). Die Tarahumara laufen allen Problemen davon. Was der ehemalige Kriegsreporter Christopher McDougall auf der Suche nach diesem Urvolk und dem legendären Aussteiger erlebt, der sich Caballo Blanco (weißes Pferd) nennt, ist eine extrem kurzweilige Mischung aus Roman und Sachbuch. Und das Beste bei diesem nasskalten Matschwetter: Der Weg führt Autor und Leser in die Copper-Canyons in Mexiko. Dort soll es auch in diesen Tagen schön warm sein …

16. Dezember 2010

Spuren im Schnee

Der Dezember ist ein Monat für die Harten. Wer jetzt noch regelmäßig die Laufschuhe schnürt, darf sich einem exklusiven Club von Hard-Core-Hobbysportlern zugehörig fühlen. Und wer gar in den Morgenstunden unterwegs ist, wenn sich gerade das Dunkel der Nacht in Blautönen verflüchtigt, der freut sich der besonderen Aufmerksamkeit all jener, die dick eingemummt über Gehsteige stapfen oder fröstelnd vor die Tür spitzen, um die Zeitung in die warme Stube zu holen.
So war es auch vor einigen Tagen. Der für das Moseltal ungewöhnlich starke Schneefall hatte am Vorabend für ein ordentliches Chaos auf den Straßen gesorgt. Für mich brachte er pure Vorfreude auf den Lauf am nächsten Morgen …
Und tatsächlich haben auf meiner Hausrunde No.1 nur ein paar Hasen und Rehe ihre Spuren in 15 Zentimeter Neuschnee hinterlassen. Die ganze Welt ein Wintertraum. Äste und Zweige in weiß-flauschige Hüllen gepackt. Was macht es da, dass die eisige Last sie teilweise bis zum Boden beugten, was dem begeisterten Tiefschneestapfer einen reichlich skurrilen Slalom-bück-dich-Dauerlauf abverlangt.
Der letzte Anstieg vor dem Schlussabschnitt durch bewohntes Gebiet. Wieder ein verschneiter Zweig im Weg. Autsch! Das waren Dornen. Doch der Pickser ist schnell vergessen. Und wieder ist es wie so häufig in diesen frostigen Tagen: Den euphorisierten Läufer begleiten an diesem Morgen sogar noch mehr dieser Blicke, die zwischen Mitleid und Anerkennung wanken – und manchmal auch klar die Überzeugung ausdrücken, dass der da in den Laufklamotten wohl nicht so ganz bei Trost sein kann. „Schaut nur alle!“, denke ich und eile der heißen Dusche entgegen … Aber warum grinst mir da Frankensteins Bruder aus dem Spiegel entgegen? Zwei tiefe rote Kratzer unter dem linken Jochbein, flächig blutverkrustete Wange. Der Nahkampf mit dem Dornbusch hat deutliche Spuren hinterlassen. O.K. War wohl doch nicht mein Laufstil, der so für Aufsehen gesorgt hat …

P.S.: „Was ist dir denn passiert? Hast du eine neue Katze?“ Auf diese in den folgenden Tagen häufig gestellten Fragen muss ich unseren Stubentiger immer wieder in Schutz nehmen. Sie hat ein Alibi!

9. Dezember 2010:

Der Krise davonlaufen

„Du bist doch auch einer dieser Läufer, der im Internet bloggt?!“ Wenn ich in unserer der Region an den Start gehe, erlebe ich vor, während und nach dem Lauf solche Anreden immer häufiger. „Na klar, ich bin Midlifecrisis“, erwidere ich dann stets mit einem freundlichen Lächeln, was wiederum meist für eine gewisse Erheiterung sorgt. „Midlifecrisis? Danach siehst du aber gar nicht aus…“

Na gut, stimmt ja irgendwie, freut sich dann mein inneres Ich, während die Erläuterung schon über die Lippen sprudelt: Das war damals, mit 39, als ich die erste Seite meines Internet-Tagebuches bedichtet habe. Damals, als ich begonnen habe, regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren. In Erwartung der neuen Lebensdekade erschien mir das Wort mit „M“ und „sis“ der richtige Titel zu sein.

Nomen est omen? Nein, ich war schneller, bin der Krise in der Mitte des Lebens bislang einfach davongelaufen. Wie man das macht? Davon erzählt mein Blog und ab sofort auch regelmäßig donnerstags diese Laufkolumne. Und von Dingen, die an der Mosel, in Eifel und Hunsrück immer mehr Menschen bewegt – was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Wir sehen uns!

2 Gedanken zu “Kolumnen: Auf dem Laufenden

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