Neuseeland: Das Ende – Reisetagebuch in Zeiten von Corona (Teil 25)

Heute ist der 25. Dezember 2020. Ein passendes Datum, um den 25. und letzten Teil meines Reisetagebuchs fertig zu machen. Es ist ein besonderes Weihnachtsfest, das nach einem positiven Ausblick in das kommende Jahr verlangt. Kein krimineller Spinner mehr an der Spitze der USA, keine Corona-Panik angesichts der zunehmenden Impfquote der Bevölkerung, etwas mehr von der alten Normalität. Das sind Dinge, auf die wir hoffen.

Frohe Weihnachten wünscht Familie Neubert mit Kater Felix!

Das familiäre Weihnachtsfest mit den Jungs lassen wir uns so oder so nicht vermiesen. Nun denn:

SO GEHT’S WEITER:

Der Tag der Heimreise ist gekommen. Nach einer einigermaßen gut durchschlafenen Nacht, die lediglich am Morgen durch den versehentlichen Anruf meine Mutter gestört wurde, packen wir in aller Ruhe die Taschen, duschen, frühstücken und werden dann pünktlich von dem online georderten Airport-Taxi abgeholt. Von Flugstreichung oder Einreiseverbot für EU-Bürger ist zum Glück keine Zeile mehr zu lesen. Auch nicht bei Spiegel-Online.

Während in Auckland vor allem an den Schaltern der Australischen Airlines enorm viel Andrang herrscht, ist bei Newseeland-Air nicht viel los. Die erste Etappe nach Sidney im nur zu einem Drittel belegten Flieger ist entsprechend angenehm. Der Service ist top und die Stewardessen freundlich – wie es Neuseeländer eben sind. 

Auf Wiedersehen Neuseeland!

Die Airport in Sydney ist dagegen so menschenleer, dass ein gelangweilter Zollbeamter mich nach Sprengstoff untersucht. Vermutlich, weil ich Wanderstiefel mit dicken Sohlen trage. Und dann beginnt der längste Flug … 14 Stunden in einer fast vollen Boing 744. Jan müsste inzwischen in Deutschland angekommen sein. 

Sydney

Uff, auch dieser Abschnitt der Rückreise ist geschafft. An Schlaf war leider nicht viel zu denken. Aber irgendwie ist die Zeit dennoch vergangen mit Filmen, Hörspiel und dem Aussortieren von Bildern auf dem IPhone. Abi Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten erreichen wir bei Nacht. Hier scheint es sogar etwas geregnet zu haben, wie wir bei der Fahrt mit dem Bus zu unserem Dreamliner feststellen. Davor lange Wege durch diesen riesigen Flughafen. Am Check Inn für die Weiterreise gibt es wie bei der Hinreise lange Schlangen. So vergehen die 2,5 Stunden bis zum Weiterflug schnell. Jenseits der Transitzone ist aber auch in Arabien wenig los. 

Nun also noch sieben Stunden bis Frankfurt. Der Flieger ist ziemlich voll. Überwiegend Deutsche reisen nach Hause. Dramatisch sind die Szenen am Check Inn, wenn nicht EU-Bürgern die Weiterreise verweigert wird.  Ein Drama, nein, mehrere Dramen, denn auch gemeinsam Reisende sind betroffen. 

Im Flugzeug sind mehr Menschen mit Mundschutz zu sehen. Das lange Sitzen macht langsam mürbe und bringt gemeinsam mit dem nicht mehr zu ertragenden Essen aus der Flugzeugkantine meinen Darm ziemlich durcheinander. Aber vermutlich verlangt der Körper zumindest nach ein paar regelmäßigen Schritten zur Toilette. Ich kann die Flugkost tatsächlich nicht mehr riechen, geschweige denn essen.

Mit zumindest zweimal einer Stunde im schlafähnlichen Zustand geht auch dieser  letzte Abschnitt unserer langen Heimreise vorüber. Keine Probleme bei der Einreise. Aber uns fällt sehr auf, wie unpersönlich und unfreundlich es hier im Vergleich zu Neuseeland zugeht. Die Deutschen könnten sich wirklich eine dicke Scheibe von der positiven Einstellung dort abschneiden. 

Die größte Verzögerung gibt es an der Gepäckausgabe, wo es 90 Minuten dauert, bis auch das letzte Gepäckstück aus Übersee über das Förderband kommt. Es ist meine Reisetasche …

Was dann beginnt, darf sich durchaus als Kulturschock bezeichnen lassen. Damit sind nicht unbedingt die fast menschenleere Flughafenhalle und der ebenfalls vereinsamte Intercity-Bahnhof am Flughafen alleine gemeint. Willkommen im unfreundlichen Deutschland! Wer längere Zeit in Neuseeland war, wird dieses Vorurteil viele Gäste in diesem Land verstehen. Denn nach der herzlichen Offenheit der Menschen in Neuseeland ist es ein Schock, in die oft genervten und abweisenden Gesichter hier zu blicken. Der Umgang am Service-Schalter der Bahn ist nicht unfreundlich, aber meilenweit von der Aufmerksamkeit entfernt, mit der einem auf der anderen Seite der Erde begegnet wird. 

Dort bedanken sich die Menschen in der Regel sogar beim Busfahrer, wenn sie aussteigen, was von diesen mit einem Gruß quittiert wird. Hier in Deutschland begibt sich derjenige in die Gefahr einer Einweisung, wenn er sich beim Busfahrer fürs Mitnehmen bedankt. Das ist nur ein Beispiel, das aber ebenso exemplarisch die Unterschiede beschreibt wie eine Situation im Outdoor-Sportgeschäft, wo die Kaufentscheidung mit Glückwünschen und einem begeisterten „great“ kommentiert wird. 

Zudem sind in den zahlreichen erstklassigen öffentliche Toiletten auch ohne Corona Hygieneregeln so selbstverständlich, dass niemand auf die Idee kommen würde, diese Einrichtungen zu verdrecken oder gar zu beschädigen. Desinfektionsspender „an jeder Ecke“ sind selbstverständlich. Auf dem Frankfurter Airport-Bahnhof gibt es auf den Toiletten nicht einmal Seife …

In einigen Tagen werden wir uns wieder eingelebt haben. Aber zunächst fahren wir im fast leeren IC und dem Regionalexpresse über Koblenz nach Trier und genießen beim Blick aus den Fenstern die Blüten und das frische Grün des beginnenden Frühlings an Rhein und Mosel. Am Trierer Hauptbahnhof warten unsere Jungs bereits mit strahlenden Gesichtern auf uns. Unser Großer ist sogar einen Tag früher als wir angekommen. Er berichtet von dramatischen Szenen vor allem auf dem Flughafen in London. Es gibt viel zu erzählen, und es ist Zeit – willkommen in der Corona-Krise – sich an den Ausnahmezustand in der Heimat zu gewöhnen. 

Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen und die Aufgabe, tausende Fotos und Videoclips zu sortieren und zu verarbeiten. So erleben wir die unzähligen Eindrücke noch einmal. Neusseeland – Du bist ein Traum!

ENDE

5 Gedanken zu “Neuseeland: Das Ende – Reisetagebuch in Zeiten von Corona (Teil 25)

  1. Lieber Rainer,
    sehr cool, ich fühle mich jetzt, als wäre ich auch in Neuseeland gewesen. Danke dafür.
    Eine tolle Reise und dann der Kulturschock wenn man ins „freundliche“ Deutschland zurückkommt.
    Unglaublich welche Verbissenheit und Unfreundlichkeit wir Deutsche an den Tag legen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber wie oft gehe ich in einen laden oder Restaurant und habe das Gefühl ich müsste mich entschuldigen, das ich jetzt störe … Liegt es daran, das wir Deutschen zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind? Keine Ahnung.
    Ihr hattet eine wirklich tolle Reise und habt einen sehr schönen Teil dieser Erde gesehen. Und sicherlich sind irgendwann auch wieder solche Reisen möglich. Bis dahin hoffen wir gesund zu bleiben und auf ein etwas normaleres 2021.
    Liebe Grüße
    Helge

    Gefällt 1 Person

  2. Lieber Rainer,
    vielen lieben Dank für dein Reisetagebuch. Wenn es nicht so weit weg wäre…
    Interessant fand ich jetzt am Ende auch deine Eindrücke des menschlichen Miteinanders. Das gleiche berichtet mir Julia regelmäßig aus Korea. Diese Höflichkeit, der Respekt voreinander, vor allem auch in der Schule. Ach ja, was die Schule betrifft: Dort putzen alle Schüler!!! jeden Tag nach dem Unterricht die Schule und zwar komplett, also auch die Toiletten. Das sollten sie hier mal versuchen. Das würde ich gerne erleben.
    So nochmals lieben Dank fürs Mitnehmen und dir und der Family ein wundervolles neues Jahr.
    Liebe Grüße
    Karina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Karina,

      so ist es. Deutschland wird ganz offensichtlich zu einem viel zu großen Teil von Stinkstiefeln bewohnt. Aber ich werde weiterhin auch auf meinen Laufrunden freundlich grüßen …

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer,
    da lohnt sich eine derart lange Reise mit allen Unannehmlichkeiten wie es scheint 🤗 Ein wunderschönes Land mit freundlichen Bewohnern. Ja, da können wir hier in Europa bestimmt etwas lernen… Auch ich sage vielen Dank fürs mitnehmen, es war eine sehr schöne Reise!!
    Liebe Grüße Anna

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