Neuseeland: Rotorua District – Ein Reisetagebuch in Zeiten von Corona (Teil 6)

In Neuseeland dürfen nun die gestrandeten Touristen aus Deutschland ausreisen. Zum Abschied und zur Selbsterbauung stellen die Einheimischen Teddybären in die Fenster. Uns ist das alles zum Glück erspart geblieben. Denn wir sind kurz vor dem Shut Down der Inseln noch planmäßig heimgeflogen. Hier also Teil 6 meines Reistagebuchs. Es fasst zwei Tage im Rotorua District zusammen, wo die Erde kocht.

SO GEHT ES WEITER

Nach der zweiten Nacht im Nationalpark von Coromandel fahren wir ein ordentliches Stück weiter. Bei der dezenten Morgenwäsche im Fluss verabschiede ich mich noch von den Aalen. Dann geht es in Thames erst noch einmal zum Einkaufen, bevor wir die 200 Kilometer nach Rotorua in Angriff nehmen. 

Die Strecke zieht sich – auch angesichts vieler Straßenbaustellen in die Länge. Dass dort statt Ampeln freundlich winkende Menschen den Verkehr regeln, ist eine Besonderheit von Neuseeland.

Zum Mittagsmüsli unterbrechen wir die Route bei Tauranga, wo ein endloser weißer Sandstrand fast menschenleer in der heißen Sonne ein faszinierendes Bild bietet.  Die Landstraße Richtung Rotorua ist leider gesperrt, weshalb wir ein Stück mautpflichtiger Autobahn nehmen müssen. Bezahlt werden muss online. Das müssen wir nachholen, wenn wir Netz haben. 

An unserem Zielort ist der Blue Lake ausgeschrieben, weshalb wir nicht in den Ort fahren, sondern an dem idyllischen Kratersee erst einmal eine Runde spazieren und unsere vom Vortag strapazierten Muskeln und Gelenke durchbewegen. Der Top 10-Campingplatz liegt direkt am See. Wir entschließen uns, dort einzuchecken und die Duschen zu genießen. Dank der Member-Card bekommen wir auch noch 30 Minuten im Spa-Pool als Zugabe. Ein wirklicher Genuss. 

Den Tipp, im Wald zu den Glühwürmchen-Felsen zu gehen – natürlich bei Dunkelheit – befolgen wir … Ein Erlebnis, all diese Punkte. Fast so wie der Blick in den von Sternen funkelnden Nachthimmel. Ein Wahnsinn! … Von dem es wegen der Lichtverhältnisse keine Fotos gibt.   

AM NÄCHSTEN TAG

ist der Himmel um 7 Uhr noch bedeckt. Das stört aber beim Laufen nicht. Karin schafft es doch nicht aus den Federn. So mache ich mich nach ein paar Schluck Wasser alleine auf den Weg um das Gewässer, auf dem Enten und ein früher Kajak-Fahrer für die einzigen Wellenbewegungen sorgen.

Der Weg ist wunderbar. Dennoch sind die Beine etwas schwer und das Knie murrt noch von den extremen Anstrengungen vom Abstieg bei der Wanderung zu den Pinnacles über den Billy Goat Track, wo einst eine von Dampfmaschinen gebremste Standseilbahn mächtige Stämme von der Höhe ins Tal transportierte. 

Wie zu Hause, sind auch hier am frühen Morgen bereits einige Gassigeher unterwegs. Ich entscheide mich dafür, es bei den gut sechs Kilometern der einen Runde zu belassen und lieber noch ein paar Schwimmzüge im See zu machen. Wunderbar kühl und entspannend.

Auf dem Campingplatz hat Karin inzwischen klar Schiff gemacht. Nach einem leckeren Müsli starten wir in Richtung Rotorua. Dort organisieren wir uns im großen Tourist-Office einen Stadtplan und parken dann in der Nähe des ersten gemischten Freibads der Welt, dem Blue Bath. Bei Nacht wäre das erst vor kurzem sanierte historische Bad sicher eine Attraktion. Ebenso die nahen Thermenanlagen, die angeblich zu den zehn schönsten der Welt gehören.

Für heißes Wasser ist es allerdings um die Mittagszeit viel zu heiß. Wir schlendern durch den Park, in dem der Bowling Club für Betrieb sorgt. Wer hier spielt, gewandet sich in den Farben seines Teams. Wer nicht zum Club gehört, darf nur zusehen.

Dieses Stück Land ist den Engländern einst von den Maori mit der Auflage geschenkt wurde, dass die Natur erhalten wird.

Die Kolonialisten machten aus dem sumpfigen und von brodelnden Schlammlöchern durchzogenen Gelände aber nach und nach einen weitläufigen Park mit einem grandiosen Badehaus, das heute das Museum beherbergt, welches aber nicht zu besichtigen ist, weil das ganze Gebäude seit einigen Jahren erdbebensicher gemacht wird. 

Bei einer kleinen Wegabschweifung werden wir prompt von einer freundlichen, aber bestimmten Parkwächterin darauf hingewiesen, dass sie den Verlust von Touristen in kochenden Schlammlöchern nicht schätze. Manche Fotografen hätten sich schon die Beine verbrüht, weil sie auf vermeintlich sicherem Grund den Boden unter den Füßen verloren haben. 

Es stinkt nach Schwefel und verfaulten Eiern. Es blubbert und zischt. Bei kühlem Wetter ist das sicher ein diabolisches Schauspiel. Lehrreiche Tafeln beschreiben, wo Tümpel mit Lachgas frühe Badegäste beglückte und wo in den 50er Jahren eine Badeanstalt geschlossen und dem Erdboden gleich gemacht wurde, weil betäubende Gase zu Todesfällen geführt haben …

Das alles zu sehen, ich sicher interessant. In diesem Fall muss ich allerdings zugeben, dass die brodelnden Schwefelquellen auf Island, die uns vor drei Jahren fasziniert hatten, beeindruckender sind.

Nach einer Stärkung im Arts House – Whiteflat Coffee, Mango-Smoothie und ein veganes Snickers – sind wir gestärkt für die Weiterfahrt zum „Schicksalsberg“. Bevor wir aber das beeindruckende Panorama auf die schönere Seite von Mordor werfen können, müssen wir etliche Baustellen bewältigen und den Stellplatz im nirgendwo finden.

„Campers welcome. Follow the red Pylones“ … ist auf einem kleinen Hinweis am Zauntor zu lesen … bis zum abenteuerlichen Plumpsklo und der Wiese, auf denen einige Gleichgesinnte am nächsten Tag den Tongariro-Crossing angehen wollen. Abfahrt zum Startpunkt ist um 6.15 Uhr.

FORTSETZUNG FOLGT

6 Gedanken zu “Neuseeland: Rotorua District – Ein Reisetagebuch in Zeiten von Corona (Teil 6)

  1. Lieber Rainer,
    herrliche Strände, idyllische Seen, eine schöne Stadt und ein wunderschönes Abschlussbild – ein Beitrag zum wegträumen 🤗 Das tut sehr gut in diesen Zeiten, wenn man kaum noch vor der Haustüre gehen darf 🙄
    Ich kann mich aber gut vorstellen, dass die Schwefelquellen auf Island etwas beeindruckender waren, denn die sind ja wirklich speziell.
    Ist das euer Camper auf dem letzten Bild?
    Liebe Grüße Anna

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Anna,
      ja, wir waren mit einem Kleinbus von Autobarn Traveler unterwegs. Das ist für Neuseeland vermutlich eine der besten und auch günstigsten Möglichkeiten zu reisen, sofern man nich Backpacker ist.
      Etwas entfernt von Rotorua gibt es noch deutlich beeindruckendere Schwefelquellen. Aber da sind wir nicht hin, weil wir ja schon auf Island waren. Lieber wieder in die Natur zum Wandern .

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

      Gefällt 1 Person

  2. Lieber Rainer,
    das letzte Bild ist echt wunderschön.
    Mir gefällt auch das tolle Haus in dem Park (ich nehme an, das ist das Badehaus welches das Museum beherbergt? ). Das sieht echt toll aus.
    Naja, und dann das Bild in dem Kaffee …. eigentlich ja nicht wirklich aufregend, aber in dieser Zeit, wo wir alle so weit weg sind von einem Nachmittag in irgendeinem Kaffee, einfach was bestellen und rumsitzen … herrlich! Ich würde ja sogern mal wieder nach Trier in ein Kaffee … 😆
    Naja, irgendwann wieder.
    Schön, das ihr das noch genießen konntet und noch rechtzeitg wieder weggekommen seid. Das hätte ja auch ganz anders enden können.
    Ich wünsche euch schonmal ein frohes Osterfest und bleibt gesund
    Liebe Grüße
    Helge

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Helge,
      die Abendstimmung mit Blick auf Mordor 😉 war wirklich toll. Und das Kunstzentrum mit dem Flat White, dem Smoothie, das aussieht wie ein volles Senfglas und dem vegangen Snickers war auch nicht zu verachten. Das alte englische Badehaus, übrigens angeblich eines der am häufigsten fotografierten Gebäude in Neuseeland, ist tatsächlich der schmucke Bau, der seit Jahren erdbebensicher gemacht wird. Zu dem Thema folgen noch mehr Infos, wenn wir in christchurch Station machen. Aber bis dahin gibt es noch viele andere Landschaften und Dinge zu entdecken. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer,

    wieder viele, tolle Eindrücke von einem bestimmt tollen Tag dort in Neuseeland.

    … und gleich morgens einen schönen Lauf hingelegt. Manchmal kann man dabei nicht nur die „Gegend“ genießen, sondern,auch das eine und andere entdecken!

    Aber warum veganes Snickers?

    Wolltet ihr das mal probieren, gab es nichts anderes, oder habt ihr es nur so genannt? – Die Assoziation zum Senfglas „hat was“! 😆

    LG Manfred

    Gefällt 1 Person

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