Verlängerung mit Smarna Gora und etwas Frust – Reisetagebuch Slowenien XIV

Ein Samstag. Noch eine Woche liegt vor uns, bevor wir wieder in Trier sein wollen. Da wir das Gefühl haben, Ljubljana ausreichend zu kennen, fahren wir heute weiter. Der Bleder See wird das Ziel sein. …

Denkste! Wir bleiben erst einmal bis Montag hier. Der Starter des WoMos macht keinen Zucker mehr. Auch der bemühte Pannenhelfer des slowakischen ADAC kann nicht helfen. Werkstatt ist angesagt. Die ist zwar nur zwei Kilometer entfernt. Ohne Abschleppen oder zumindest Anschleppen kommen wir aber nicht dorthin. So nutzen wir den gebrauchten Tag zum Wäsche machen, Lesen, Hörbuch konsumieren und genervt sein. Was auch an dem Dauerstampf liegt, der an diesem Tag akustisch aus dem Freibad herüber dröhnt. Wer näher rangeht, erkennt sogar unterschiedliche fünf bis zehn Obertöne, es müssen also mehrere Stücke sein – Lieder ist nicht der richtige Ausdruck für den Akustikmüll -, aber das reicht leider bis zu unserem Stellplatz nur zu einem Dumm-dumm-dumm in was weiß ich welchem Beat.

Mit den Rädern fahren wir zum nahen Supermarkt und versuchen, das Frustkaufen zu vermeiden. Das klappt auch weitgehend, so dass Karin zum Abendessen Kottletts mit Bratkartoffeln und Salat zaubert. Lecker, allerdings schwer zu verdauen. Aber dass die Nacht nicht so gut wird, wie die davor, liegt vermutlich nicht nur daran. Dass ich bei einer abendlichen Radtour von einer Meute – zum Glück nicht zu großer – Hunde verfolgt werde, ist eine andere Sache …

Neuer Tag, neues Glück. Dank des Hunde-Rad-Erlebnisses weiß ich, dass wir heute die Straße zu dem Berg nehmen, der angeblich der klassische Ausflugsberg der Ljubljaner ist. Genauer gesagt ist es ein Doppelberg, nämlich der Grmada (676m) und der Smarna Gora (669m), auf dem eine wehrhafte Kirche steht, die der Mutter Maria gewidmet ist. Wir legen also die acht Kilometer zum Start der Wanderung mit den Rädern zurück. Kein Problem, heute sind keine LKW auf den Straßen unterwegs. Dann folgen wir wieder der Anleitung unseres Rother Wanderführers, der zunächst einen „sehr steilen Anstieg mit leichtem Klettern über Felsen“ ankündigt …

Ob wir doch den falschen Einstieg genommen haben, weiß ich nicht. Das leichte Klettern entpuppt sich jedenfalls als ausgewachsener Klettersteig. Alles mit Tritten und Drahtseilen gesichert. Das macht Spaß, ist aber nur etwas für Schwindelfreie. Sind wir. Karin auch. Dass es Schweiß treibend ist, kann auch nicht verneint werden. Aber die große Sigg-Flasche mit Wasser muss ja auch nur für die halbe Tour reichen. Denn oben wartet ein bezaubernder Biergarten. Betrinken wird sich hier allerdings niemand, denn auch der Weg auf dem moderaten Pfad erfordert Aufmerksamkeit und etwas Kondition.

Wir sind über den Grmada-Grad gegangen, ein sehr schöner und meist schattiger Weg, auf dem uns nur wenige Menschen begegnet sind. Das ändert sich ab der kleinen Almwiese, als wir für den zweiten Aufstieg den Hauptweg nehmen müssen. Viel Betrieb. Läufer, die sich die 450 Höhenmeter auf fünf Kilometer Distanz antun, Familien, Senioren (eher wenige) und eine Gruppe junger Männer, die vor Kraft fast zu platzen scheinen. Poppei mal sechs.

Die Aussicht oben ist toll, auf der einen Seite die Steiner Alpen, zunehmend in sich auftürmende Wolken gehüllt, auf der anderen die Ebene von Ljubljana. Die Sicht ist nach den Hitzetagen nicht sehr klar. Aber auch so ist der Blick beeindruckend.

Wir haben Wasser, Kaffee, zwei Bounty und Karins Müsli dabei. Kaufen müssen wir also nichts. Und als das lange Geläut der zweitgrößten Bronzeglocke Sloweniens und der vielen kleinen Schwestern überstanden ist, ohne taub zu werden, ist die Ruhe im Schatten der großen Linde eine sehr schöne Sache.

Im Tal sind wir unglaublich flott. Nur 20 Minuten. Aber das liegt auch daran, dass wir die steilen Passagen im leichten Laufschritt bewältigen. Vorbei geht es auch an einer kleinen Kapelle, in die Spaziergänger kleine Kreuze legen. Aberglaube? Ich hoffe, das gibt nicht wieder so einen tierischen Muskelkater wie nach der Tour auf den Slivnica.

Auf der Rückfahrt mit dem Rad machen wir noch einen Abstecher zu der beeindruckenden Wildwasser-Anlage von Tacen und kühlen uns in der Sava ab. Eisig. Zu kalt, um zu schwimmen. Aber die Strömung wäre dafür eh zu stark.

Dieser Stein wird als Talisman mitgenommen. Ein perfekter Urlaub … bis hier.

Das denkt sich auch die Großfamilie, die ihren halben Hausstand mit ans Ufer geschleppt hat, um gebührend den Sonntag zu feiern. Was zum Teufel machen die mit den zwei Kohlköpfen? Das werden wir nie erfahren, denn uns zieht es wieder auf den Campingplatz, wo im Schwimmbad wieder eine Party läuft. Aber heute ist die Musik wenigstens abwechslungsreiche und kein Stampf dabei.

2 Gedanken zu “Verlängerung mit Smarna Gora und etwas Frust – Reisetagebuch Slowenien XIV

  1. Lieber Rainer,
    wow, was macht ihr denn für Sachen? Kaputtes WoMo und von Hunden gejagt ? 😯
    Aber der Klettersteig sieht toll aus. Ich mag sowas. Das hat noch so was abenteuerliches wenn man mal nicht auf sicheren Wegen dahinstapft, sondern richtig was arbeiten muss 🙂
    Es sind wieder tolle Bilder. Eine wunderschöne Gegend.
    Und die Sonne wieder!
    Liebe Grüße
    Helge

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