Unterwegs in den Hallen von Kazum (Skocjanske Jame) – Reisetagebuch Slowenien Teil X

Nach dem Spaziergang und Dusche hat die Energie am Vortag nicht einmal mehr für ein Stündchen Lesen gereicht. So endet die warme Nacht also wieder ziemlich früh. Das macht aber nichts, weil das Meer ja nur 100 Meter entfernt liegt. Wir sind die ersten an diesem Tag, die in die spiegelglatte See steigen und einige Runden drehen. Danach duschen, eine perfektes Müsli mit grünem Tee und noch zwei Tassen Kaffee am Strand, wo sich langsam Leben einstellt.

Als wir um kurz nach 10 Uhr den teuren Platz verlassen, fühlt sich der Tag schon ordentlich vorangeschritten an. Wir tauchen heute in die Unterwelt der Skocjanske Jame ab, einem als Weltnaturerbe gekürten Karsthöhlensystem, das der Fluss Réka gegraben hat.

Es geht dabei bis zu 170 Meter in die Tiefe, durch riesige Felsendome und über diverse Galerien und Brücken, die bis zu 50 Meter über der in der tiefe tosenden Réka thronen.

Bis vor einigen Jahren konnte dieses zeitweise an Kazadum aus Herr der Ringe erinnernde Naturschauspiel noch auf eigene Faust erkundet werden. Weil dabei aber zu viel von den Tropfsteinen zerstört worden ist, geht das nun nur nach mit Führer, der in unserem Fall eine Führerin ist, die ihren Schutzbefohlenen viel Ärger androht, sollte sich jemand dem Fotografierverbot widersetzen. Die SLR muss also zunächst im Rucksack bleiben. Einige Fotos mit dem Smartphone gelingen dennoch ohne Prügel.

Gigantisch ist die Unterwelt hier, die zum Glück nicht verkitscht dargeboten wird. So gefällt es auch Karin. Tour 2 führt dann mehr durch eine wilde Schlucht und ist – mit Fotografiererlaubnis – alleine zu besichtigen.

Die beiden Dolinen, der tosende Fluss und der unterirdische See ist fast noch schöner als der Abstieg in die überwiegend düsteren Tiefen.

Und weil es so gut und kühl ist, gehen wir diese Tour noch einmal in die Gegenrichtung. Fast ohne Fotostopps. Das „Erlebnis“ des Schrägaufzugs wollen wir schließlich auch noch mitnehmen.

Das soll es an diesem Tag mit Aktivitäten gewesen sein. Angesichts der großen Hitze an der Erdoberfläche bleibt nicht viel Energie für mehr. So kommt der zehn Kilometer entfernte Campingplatz genau richtig. Die Mühle mit den vier Schaufelrädern, die auf der Werbung zu sehen ist, existiert zwar nur noch als traurige Ruine. Die mächtigen Rundbalken, die einst die Räder getragen haben, sind morsche Stümpfe. Nur ein neueres Rad dreht sich träge an einem kleinen Nebengebäde.

Eine Förderplakette der EU verkündet, dass sich der traurige Zustand vielleicht wieder verändern wird. Der Platz inklusive Hostel ist für 990 000 Euro zu haben. Leider reicht das Kleingeld dafür nicht. Wir bleiben als Gäste auf der großen Wiese am Fluss. Nicht die einzigen, aber viel ist hier nicht los. Egal, die Duschen sind heiß und sauber, auch wenn die Glasscheiben in den Fenstern fehlt.

Am nächsten Tag ist eine Wanderung geplant, die wir hier starten können. Das sollte passen.

2 Gedanken zu “Unterwegs in den Hallen von Kazum (Skocjanske Jame) – Reisetagebuch Slowenien Teil X

  1. Lieber Rainer,
    irgendwie toll, du holst einen nochmal zurück in die Sommerzeit 🙂
    Irgenwie schade, das man diese „Hallen von Kazum“ nicht allein und in Ruhe erkunden kann (ich kann so Führungen ja gar nicht leiden), aber irgendwie auch verständlich. Es scheinen sich halt nicht alle angemessen benehmen zu können. Und ist ja sehr schlimm, wenn diese Ort von Idioten zerstört werden.
    Liebe Grüße
    Helge

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Helge,
      das ist tatsächlich schade. Aber auch mit Führung sind die mächtigen Hallen ein Erlebnis. Störender finde ich das absolute Fotografierverbot. Da geht es nur darum, Cash zu machen. Ein Blitzverbot würde ja auch genügen.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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