Tolle Natur und traurig stimmende Erinnerungen – Reisetagebuch Slowenien IV

Schön, wunderschön ist das Soca-Tal. Allerdings ist den Slowenen eine gewisse Geschäftstüchtigkeit nicht abzusprechen. Der Campingplatz ist mit 56 Euro für zwei Nächte jedenfalls nicht umsonst. Und auch beim Blick darauf, wo überall Eintrittspreise verlangt werden, kommt der Gedanke an klimpernde Kassen auf.

Aber wie wir im Supermarkt von Kobarid feststellen, sind wohl auch die Lebenshaltungskosten hoch, mindestens so wie in Deutschland. 

Das ändert aber nichts an der grandiosen Natur. Weil der Tag nach sonnigem Start mit Bewölkung aufwartet, kommt der Besuch im Museum von Kobarid gelegen, das 1993 zum europäischen Museum des Jahres  gekürt worden ist.

Damals tobte im Nachbarland Kroatien noch der Krieg gegen Serbien. Slowenien lebte in der Furcht, auch ihr noch so junges Land könnte wieder von Gewalt und Tod überzogen werden. Wozu das führt, zeigt das Museum auf beeindruckende und grausame Weise.

Denn hier, auf den Höhen und in den Tälern der Soca-Region starben im Ersten Weltkrieg bis zu 1 Millionen Menschen bei erbarmungslosen Kämpfen in den Bergen.An der Isonzo-Front wurden um 1916 nicht weniger als 12 Schlachten geschlagen. Überall erinnern Gedenktafeln, Friedhöfe und alte Bunkeranlagen auch im Tal an die Massaker, deren Hauptschauplatz das Hochgebirge um den Berg Krn war. Viel Soldaten sind dort erfroren, zu Tode gestürzt oder von Lawinen verschüttet worden. 

Ein von Mussolini später errichtetes Grabmonument für 10 000 italienische Soldaten gibt einen Hinweis darauf, dass der Erste nicht der letzte Weltkrieg sein sollte …

Wir erwandern – auch um den Kopf ein wenig frei zu bekommen – den Geschichtsweg durch wunderbar friedlichen Buchenwald hinauf zu den Ausgrabungen Tonocov Grad, der Befestigung aus dem 5. Jahrhundert, wieder hinunter zur blauen Soca und weiter zu den zwei spektakulären Koziak-Wasserfällen. Den zweiten finden wir erst im zweiten Anlauf, zahlen dann aber trotzdem vier Euro Eintritt … die sich lohnen. 

Auf dem Rückweg wartet erneut die große Hängebrücke. Von hier lassen sich prima die Wildwasserkanuten beobachten, die in dem eiskalten Wasser offensichtlich ihren Spaß haben.

Nach dem oben besagten Einkauf fahren wir weiter in Richtung Idrija. Unser WoMo-Führer beschreibt allerdings einen kleinen, kostenlosen Stellplatz am Soca-See bei Most na Soci, der tatsächlich so idyllisch liegt, dass wir uns entscheiden, den Abend und die Nacht hier zu verbringen.

Das Blau der gestauten Soca, die hier mit dem Idrijca zusammenkommt, ist fast unwirklich. Und wenn nicht der Lärm der vereinzelt vorbeifahrenden Autos wäre, könnte es tatsächlich nicht besser sein.

Bewegte Bilder eines bewegenden Tages

7 Gedanken zu “Tolle Natur und traurig stimmende Erinnerungen – Reisetagebuch Slowenien IV

  1. Lieber Rainer,

    wieder grandiose Naturbilder und auch schöne Fotos von euch beiden. Slowenien scheint wirklich ein traumhaftes Land, auch wenn manche Kosten das Reisebudget in alptraumhafte Höhen schnellen lassen. 😉

    Das traurige historische Kapitel ist unsereinem wirklich unbekannt, wenn er sich nicht gerade intensiv für Geschichte interessiert. Im Schulunterricht wird nach meiner Erinnerung nur die (Weltkriegs-)Geschichte Mitteleuropas thematisiert, bezogen auf den 2. Weltkrieg noch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki. Wie schlimmt die Weltkriege auch anderenorts, zum Beispiel auf dem Balkan, getobt und welche Spuren sie dort hinterlassen haben, erfährt man dort nicht. Zumindest kann ich mich nicht erinnern. Da wäre ein solches Museum die perfekte Gelegenheit, eigene Bildungslücken zu füllen.

    Liebe Grüße
    Anne

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    • Liebe Anne,

      beim Ersten Weltkrieg denken wir immer an Verdun. Dass in den Bergen von Slowenien ein ähnlich blutiger Stellungskrieg unfassbar viele Menschenleben gekostet hat, ist mir auch erste in diesem Sommer bewusst geworden.

      Nachdenkliche Grüße
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,
    grandiose Bilder. Bei den Bildern von diesem blauen See könnte ich glatt Koffer packen 🙂
    Wirklich wunderschön.
    Ich kann gut verstehen, das ihr nach so einem Museumsbesuch erst mal raus in die Natur müsst um den Kopf wieder frei zu bekommen.
    Menschen können ganz schön grausam sein. Seltsame Spezies.
    Liebe Grüße
    Helge

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Helge,

      dieses Blau ist tatsächlich fast unwirklich. Aber da sind tatsächlich keine Filter im Spiel.

      Zu was Menschen fähig sind, ist immer wieder erschreckend. Das zeigt dieses Museum sehr eindrucksvoll.

      Liebe Grüße
      Rainer

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  3. Lieber Rainer,
    das war wohl wirklich ein bewegter Tag. Aber wieder haste schöne Bilder mitgebracht … und unterwegs war auch harte Kost dabei, die ihr bewegt verdauen konntet. – Diesen Gegensatz haben wir so manches Mal auch in Berlin „provoziert“. Allerdings ist dort die Natur nicht so schön!
    LG Manfred

    Gefällt 1 Person

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