Traumpfad Soca-Quelle-Trail – Reisetagebuch Slowenien III

Wer früh Schlafen geht, ist früh wach. Ein einfache Weisheit, die sich immer wieder im Urlaub bestätigt. Um 6 Uhr beginnt also der Tag. Mit etwas Mühe bleibt das Bett im Alkoven noch bis 7 Uhr belegt, aber dann muss ich raus.

Da das mit dem Laufen in diesem Sommer nicht klappt, bleibt ein kleiner Spaziergang, die Morgenwäsche und das Kochen von Kaffee und Tee, bis Karin sich aus den Bettdecke und Wolldecke herausschält. Der „fliegende“ Händler gibt noch vier Mega-Brötchen und Bananen her. Bis zur Abfahrt des Busses zur Soska-Quelle bliebt noch eine gemütliche Stunde.

Kurz vor 10 Uhr besteigen wir den Kleinbus und belegen die letzten Plätze. Der Fahrer ist Multitasker und telefoniert, kassiert und fährt gleichzeitig … Wir kommen dennoch heil bei der Abzweigung zur Izvir Soska an, wo die meisten Busgäste den Weg zur Quelle nehmen, die wir aber schon am Tag davor gesehen haben.

So statten wir zunächst dem Kugy-Denkmal einen Besuch ab, wo der Dichter und renommierte Hobby-Botaniker in Bronze gegossen zu seinem Lieblingsberg Jalovec hinaufssieht, den wir in ganzer Pracht am Tag davor schon von der anderen Seite bewundern durften. 

Steil geht es zur Soca hinunter und dann auf dem schönen, aber anspruchsvollen Trail über Hängebrücken, Treppen, Wurzelwege und Wiesen gut vier Stunden bis zu unserem Campingplatz.

Landschaftlich ist das ein Traum, der Fluss, türkisfarben und eiskalt, mal direkt neben dem Pfad, mal 100 Meter unterhalb, mal eng und reißend, mal breit und lustig rauschend. Immer wieder informieren Tafeln über die Geschichte des Tales, wo vom Mittelalter bis zur Neuzeit Eisen verhüttet wurde, dann die große Armut und Landflucht einsetzte, bevor nun der Tourismus wieder Wohlstand bringt.

Viele Ruinen zeugen von der Entsiedelung der grünen Landschaft, die einst von einem riesigen Gletscher zu einem U-förmigen Tal mit steil aufragenden Bergen geformt worden ist.

Nach einer heißen Dusche wandern wir noch einen guten Kilometer nach Soca, wo sich das Lebensmittelgeschäft als etwas größere Ausgabe des fahrenden Händlers vom Morgen herausstellt. Hinter der Kirche zeugt ein alter Soldatenfriedhof von der Zeit des Ersten Weltkriegs, als hier die Front verlief und ihren Blutzoll forderte. Tausende russische Kriegsgefangene wurden hier zum Bau der Vrisic-Passes verdonnert. Viele überlebten das nicht.

Wir lassen uns dennoch – mehr als 100 Jahre später – die gegrillte Forelle bei Andrej schmecken, der gar nicht mehr Andrej ist, wie uns die freundliche Bedienung erzählt.

Etwas zu fein angerichtet für die Region, aber dennoch lecker. Und auf dem Rückweg gibt´s dann auch noch den leckeren Schafskäse vom Nachbarcampingplatz. So gestärkt, kann das nächste Abenteuer kommen.

Wer bewegte Eindrücke vom Sofa-Trail sehen will, findet sie hier:

4 Gedanken zu “Traumpfad Soca-Quelle-Trail – Reisetagebuch Slowenien III

  1. Lieber Rainer,
    ich liebe diese türkise Farbe zwischen den Felsen. Die Soca ist wirklich eine Augenweide. 🙂
    Die Wanderwege scheinen dort aber wirklich sehr anspruchsvoll zu sein. Schöne Eindrücke von eurem Urlaub! 😀

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Doris,
      die Landschaft und das Farbenspiel sind toll. Die Wege sind aber nicht zu anspruchsvoll. Sehr gut zu gehen. Lediglich die Hängebrücken bedürfen bei Menschen mit Höhenangst etwas Überwindung. 😉
      Von diesem Uralub träume ich noch ab und zu …

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Geradezu unwirklich schön, lieber Rainer! Und so wunderbar menschenleer. Ungestörter Naturgenuss eben. Das der kulinarische Genuss auch nicht zu kurz kam, rundet die tollen Erlebnisse ab. Slowenien ist wirklich eine Reise wert!

    Liebe Grüße
    Anne

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Anne,
      ich wünsche mich wieder dorthin. Hier in Trier gibt es tatsächlich Begegnungen, Telefonate und Mails, auf die ich gerne verzichten kann … Keine Sorge, so schlimm wie es sich liest, ist es dann doch nicht. Mir war nur gerade so 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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