Berlin, Begegnungen und besondere Momente

Freundschaften sind eine tolle Sache. Um sie zu pflegen, lohnt es sich auch, zumindest ab und zu weite Entfernungen zu überwinden. Da Weinbergschnecke Anne entschieden hat, ihren Lebensmittelpunkt in die Hauptstadt Deutschlands zu verlegen, war nun also der versprochene Besuch in Berlin angesagt.

Da sich bei zwei kürzeren Testläufen das Knie wieder friedlicher gezeigt hatte, kommen nicht nur die Laufschuhe von Karin in den Koffer, dessen Transport mit dem Billigflieger teurer ist als die früh gebuchten Personentransfers. Luxemburg als Flughafen ist schon eine praktische Sache. Gerade mal 45 Minuten von Trier entfernt und sehr stressfrei im Vergleich zum Beispiel zu Berlin-Tegel. Dort wartet nach einer Stunde Flug Anne, die uns nach herzlichem Empfang eine praktische Schnelleinführung in das grandiose Nahverkehrsangebot der Stadt gewährt.

In Zehlendorf, ihrem neuen Bauhaus-Domizil, ist nicht viel von Großstadttrubel zu merken. Der Grunewald mit seinen Seen liegt nur einen halben Kilometer entfernt. Aber bevor wir dieses grandiose Laufrevier testen, geht es erst einmal zum Samtagsmarkt auf den Nollendorfplatz. Bei tollstem Frühlingswetter ist das ein genussvolles Erlebnis. Alles frisch, alle gut gelaunt, Musik in der Luft und Leckereien in Hülle und Fülle. Dass mir eine Wahlberlinerin aus meiner fränkischen Heimat eine selbstgenähte Kappe verkauft, sei nur am Rande erwähnt.

Weiter geht es nach Berlin Mitte. Die Entfernungen sind schon erstaunlich. 40 Minuten mit der U-Bahn von Zehlendorf. Und dann das geballte Touristen-Kurzprogramm: Denkmal für die ermordeten Juden, Brandenburger Tor, Straße unter den Linden, eine Bootsfahrt um die Museumsinsel und der Aufstieg auf den Berliner Dom mit tollen Ausblicken lassen die Beine schwer werden.

Fotos von all diesen und den noch folgenden Dingen habe ich natürlich in Massen. Hier gibt’s nur eine kleine Auswahl, die dennoch üppig ist.

Ein kleines Bloggertreffen ist der Höhepunkt am Sonntag. Volker, der uns zwei Tage später in seinem Appartement in Neu-Köln noch einmal empfangen wird, kommt zum gemeinsamen Lauf und anschließendem Brunch. Wie immer ist das ein kurzweiliges und kommunikationsfreudiges Erlebnis.

Anne laboriert leider noch an den Folgen einer schweren Erkältung. Der trockene Husten bessert sich immerhin in den vier Tagen unserer Anwesenheit. An Laufen ist allerdings noch nicht zu denken. So zeigt sie uns also den Weg zur Krummen Lanke und schickt uns auf die Runde, die Volker und mich zum Schlachtensee und auf einen Abstecher sogar zum Wannsee führt. Karin begleitet uns ein Stück und wählt dann eine kürzere Variante.

Tja, die Krumme Lanke, legendär und schon in den 20er Jahren musikalisch geadelt. Der Song von Fredy Sieg ist für mich ein echter Ohrwurm, seit er von dem Chansonnier und Liedermacher Klaus Hoffmann reaktiviert worden ist.

Weil das Wetter so sensationell ist und unsere Gastgeberin noch nicht viel Natur genossen hat, machen wir uns – nachdem Volker sich wieder verabschiedet hat – noch einmal auf den Weg und genießen einige schöne Stunden beim Spazieren und in der idyllischen Fischerhütte am Schlachtensee. Das ist ein sehr empfehlenswerter und nicht zu kleiner Biergarten.

Für kulturelle Erlebnisse am Abend fehlt uns die Energie. Aber die Besuche beim Vietnamesen und den Italienern machen in diesen Tagen auch Spaß und helfen, die Energiespeicher wieder aufzufüllen.

Denn Kraft wird auch am nächsten Tag gebraucht, an dem Potsdam auf der Agenda steht. Der Park von Schloss Sanssouci ist groß und strotzt vor historischen Gebäuden, die entweder elegant beeindruckend, protzig, lustig oder einfach dringend sanierungsbedürftig sind.

Bevor wir das aber mit 20 000 Schritten erkunden, geht es über die Insel des ehemaligen Bundesgartenschaugeländes zur Kirche St. Nikolai und auch hier hinauf auf die Balustrade, um einen Blick auf die Innenstadt und den Landtag zu werfen.

Der erste Eindruck, dass die City von Potsdam neben der neu aufgebauten alten Stadtmitte nicht viel zu bieten hat außer den Kontrast zwischen alter DDR-Architektur und neuen Bauten, erweist sich wenig später als falsch. Denn nicht nur das Holländische Viertel mit seinen roten Ziegelsteingebäuden ist hübsch. Die Fußgängerzone bietet tatsächlich reichlich Atmosphäre und ein interessantes Angebot an Geschäften.

Einer der Friedrichs war vermutlich auch in Paris. darauf lässt zumindest der Brandenburger Tor in der Potsdamer Variante schließen, ein kleiner Bruder des Arc de Triumphe. Und dann sind wir auch schon im Park von Sanssouci.

Die schöne, aber leider stark renovierungsbedürftige Friedenskirche mit den Sarkophagen des kunstsinnigen Friedrich Wilhelm IV. und seiner begabten Gattin steht am Eingang zur Stadt. Als König war er zwar wenig kriegerisch. Als er 1849 die vom ersten deutschen Nationalparlament dargebotene Kaiserkrone ablehnte, hat er allerdings die Weichen der Geschichte nachhaltig neu gestellt, auch auf die folgenden sehr kriegerischen Zeiten. Hätte er angenommen, würden wir heute vielleicht in einer parlamentarische Monarchie leben, ähnlich wie die Menschen in England, Schweden oder den Niederlanden.

Die Friedrichs, Friedrich Wilhelms und Wilhelms des 17. und 18. Jahrhunderts auseinanderzuhalten und und historisch richtig einzuordnen, ist wirklich schwierig. Denn kurioser Weise haben nur die auf die Namen Friedrich und Wilhelm getauften Nachfahren der Hohenzollern Dynastie das Kindesalter überlebt. Dass der „Alte Fritz“, also Friedrich Wilhelm II. der „Kartoffelkönig“ im Jahr 1745 ein kleines Schloss im Rokokostil erbauen ließ, das vom IV. Friedrich Wilhelm dann erweitert und in dem weitläufigen Park durch das erschreckend protzige Neue Palais und kleinere Bauten ergänzt wurde, kann ich mir aber merken.

Besonders hübsch sind das Drachenhaus – einst Wohnhaus eines erfolglosen Winzers – und das Chinesische Teehaus mit den vergoldeten Figurengruppen. Der kleine Biergarten am Drachenhaus ist wirklich eine Empfehlung. Eine Potsdamer Stange aus der Braumanufaktur sei an dieser Stelle empfohlen.

Der Park mit seinen Gebäuden ist UNESCO-Weltkulturerbe. Am 2. Juni führt auch der Schlösserlauf, ein Halbmarathon, durch das für Läufer durchaus anspruchsvolle Gelände. Das wäre mal ein Projekt in den kommenden Jahren …

Dann ist auch die zweite Hälfte der Ausstellung im Museum für Deutsche Geschichte angesagt. Wegen des Temperatursturzes fahren wir am letzten Tag unseres Berlinaufenthalts noch einmal nach Mitte und tauchen im ehemaligen Waffenarsenal in die Vergangenheit ein. Unglaublich, wie dicht die wichtigen Ereignisse seit dem Jahr 500 n.Chr. dort erzählt werden. Dank Audio-Guide lassen sich die Schwerpunkte auf dem Rundgang leichter setzen. Ich kann mich in der Geschichte verlieren, deshalb schaffe ich in fünf Stunden nur die Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, unterbrochen von einer gemeinsamen Pause im Museumsrestaurant.

Geplant war der Museumsbesuch gemeinsam mit Volker, aber der hat das Ziel missverstanden und steht am Eingang eines anderen Wissenschaftstempels. So treffen wir uns also erst am späten Nachmittag in Neu-Köln zu einem kurzweiligen Stündchen bei Kaffee und Kuchen.

Die spontane Idee, am frühen Abend noch die Chance für eine Himmelfahrt im Berliner Fernsehturm zu nutzen, erweist sich als richtig. Denn nach ungewöhnlich kurzer Wartezeit rauschen wir in einem der beiden Aufzüge innerhalb von 45 Sekunden auf eine Höhe von 203 Metern, um gemeinsam mit vielen anderen Besuchern aus bester Position den Sonnenuntergang über Berlin zu erleben.

Alleine davon gibt es in den sozialen Netzen nun vermutlich Tausende Fotos. Der Rundgang entlang der Panoramascheiben der schon zu DDR-Zeiten berühmten Turmkugel hoch über dem Alexanderplatz ist ein wirkliches Erlebnis und ermöglicht tolle Tiefblicke auf die unterschiedlichen Auffassungen von Stadtentwicklung im geteilten Deutschland.

Vor 40 Jahren war ich schon einmal hier. Damals wurde auf Menschen, die in den Westen wollten, noch geschossen …

Die Erinnerung an dieses düstere Kapitel der deutschen Geschichte ist bei einem Aufenthalt in Berlin wichtig. Kaum zu fassen, dass meine beiden erwachsenen Söhne die Teilung Deutschlands nur noch aus Erzählungen kennen …

Puh, das ist ein langer Blogeintrag. Danke Anne, dass Du all das ermöglicht hast. Freundschaften sind eine tolle Sache.

10 Gedanken zu “Berlin, Begegnungen und besondere Momente

  1. Lieber Rainer,
    wow! Wie lange wart ihr denn in Berlin? Das klingt für mich nach einem mindestens 10 bis 14-tägigen Aufenthalt! Toll, was ihr alles unternommen, besichtigt und angeschaut habt! 🙂 Noch toller, dass Anne als „Impulsgeberin“ da mitgespielt hat und beteiligt war. Und dann noch ein Bloggerlauf mit Volker! Da war ja wirklich alles dabei, was sich das Touristen-, das Läufer- und das Bloggerherz nur wünschen kann. 😀
    Danke für diesen tollen und sehr informtiven Beitrag! 😀

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    • Liebe Doris,

      in vier Tagen lassen sich viele Dinge erledigen. 😉 Wir waren wirklich ständig unterwegs und beschäftigt. Es hat viel Spaß gemacht, auch wenn es zeitweise ziemlich anstrengend war. Im Nachhinein hätten wir Anne vielleicht doch zu der einen oder anderen Auszeit überreden sollen. Dann wäre ihr Husten möglicherweise schneller abgeklungen …

      Schön war es natürlich, auch Volker zu treffen. Von Berlin haben wir nun eine wirkliche Idee. Spannend.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,
    oh, wie meine Mutter diese alten Lieder mochte. Wenn es möglich war und Muttern in Stimmung, dann dudelte ein solches Lied ausm Radio, oder es wurde ne Platte uffjelegt! 😉
    Danke für den Bericht, der schöne Erinnerungen weckt und durch die Bilder toll veranschaulicht wird! Und um Krumme Lanke und Schlachtensee kann man auch PBs laufen, da sie angeblich abgemessen sind: 2,5 km und 5,5 km!
    Ähnlich wie Doris dachte ich auch, dass das Programm locker für eine deutlich längere Zeit gereicht hätte!
    Ich hoffe, dass ihr von der Tour noch länger zehren könnt!
    LG Manfred

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    • Lieber Manfred,

      wir hatten ja nur vier Tage, da musste eben etwas mehr Programm sein. Bei dem tollen Wetter in der Wohnung zu sitzen, wäre sicher die schlechtere Alternative gewesen.

      An persönliche Bestzeiten verschwende ich heute keinen Gedanken. Die vielen Kilometer zu Fuß und Berlin haben meinem Knie nicht unbedingt gut getan. Ich muss das erst mal wieder zur Ruhe kommen lassen. Das Lied von der Krummen Lanke geht mir aber immer noch durch den Kopf 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer,

    fast alles was Du hier zeigst habe ich auch schon sehen dürfen und trotzdem oder gerade deswegen schmachte ich dahin bei dem Anblick Deiner Bilder. Ich bin verliebt in diese Stadt und das Umland.

    Der Blick vom Fernsehturm ist gigantisch, da muß ich auch noch unbedingt rauf.

    Unsere Zusammentreffen waren klasse, egal ob laufend, frühstückend oder kaffeesierend bei mir in Neukölln (man achte auf die Schreibweise, sorry, ich weiß Schlauschnacker mag keiner 😉 )

    Großes Dankeschön daher auch für den freundlichen Begriff des Missverstehens 😉

    Ich freue mich auf ein Wiedersehen!
    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      mit dem Fernsehturm haben wir Dir also nun etwas voraus 😉 Das lohnt sich wirklich. Da oben mal im rotierenden Restaurant zu sitzen, wäre sicher eine schöne Sache. Du kannst das ja angesichts Deiner regelmäßigen Besuche in Neukölln gut planen.

      Die Stadt ist tatsächlich faszinierend und die Menschen sehr offen. Das ist uns besonders positiv aufgefallen.

      Spätestens im November sehen wir uns wieder, aber davor liegt noch ein wunderbarer Sommer 🙂 Es bleibt also noch einige Zeit für die Vorfreude 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Lieber Rainer,

    es waren wirklich wunderschöne Tage, die wir – auch dank des tollen Wetters – perfekt auskosten konnten. Vielen Dank noch einmal für euren Besuch und die vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse. Wir haben wirklich eine Menge untergebracht in den vier Tagen. Aber es ist noch mehr als genug übrig für weitere Besuche. Nicht nur das Untergeschoss des Deutschen Historischen Museums. Und gemeinsam laufen müssen wir natürlich auch. Nicht nur um die Krumme Lanke – den Ohrwurm werde ich übrigens gerade nicht los! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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    • Liebe Anne,

      die Krumme Lanke lässt mich auch nicht los 😉 Es war wirklich schön bei Dir. Ich hoffe, wir müssen uns keine Vorwürfe machen, dass Du dich wegen uns übernommen hast. Für den Husten wünschen wir Dir jedenfalls dringend gute Besserung!

      Wir kommen gerne wieder. Dann lassen wir uns genug Energie für ein kulturelles Abendprogramm 😉 Und gemeinsam gelaufen wird dann auch. Das Grunewaldschloss habe ich schließlich noch nicht gesehen ..

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Lieber Rainer,
    ich habe das Gefühl, du berichtest von 4 Wochen Urlaub 😆
    Wirklich irre, was ihr in 4 Tagen alles gemacht und gesehen und erlebt habt.
    Du hast tolle Bilder gemacht, die ermöglichen an manchen Stellen einen ganz neuen Blick auf die Stadt. Ich kenne den Berliner Fernsehturm z.B. von fast allen Seiten, aber nicht von oben. ich war da noch nie oben 🙂
    Vielleicht sollte ich das mal machen.
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      die Fahrt hinauf lohnt sich wirklich. Eine bessere Übersicht auf die einst geteilte Stadt bekommst Du an keiner anderen Stelle. Wie Anne uns in ihrem Blog zeigt, gibt es in Berlin wirklich viel wunderbare Dinge zu entdecken. Alleine unser Programm an den vier Tagen war schon voller schöner Eindrücke. Aber zumindest ist für weitere Aufenthalte noch genug übrig. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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