Auszeit in Scuol

Heute drei Kilometer als Test für das Knie. Soweit alles gut. Mal sehen, was meine gefaltete Knieschleimhaut dazu meint, die mir seit Wochen das Laufen verleidet hat. Entzündete Plika nennt sich das, was dem ansonsten im besten Zustand befindlichen Knie zusetzt. Das hat die MRT-Untersuchung vor knapp zwei Wochen ergeben. Ob damit das Skifahren möglich sei, war meine Frage an den Orthopäden meines Vertrauens. „Ausprobieren, nicht zu intensiv“, war die Antwort.

Das sind also die Vorzeichen zu einer Woche Auszeit in den Schweizer Bergen im schönen Sent bei Scuol im Unterengadin. Gemeinsam mit Karin, Schwester und Schwager, Nichte und Freund soll es nach dem Horrorfrost in der Woche zuvor eine schöne Zeit sein.

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Die Wohnung auf 2,5 Etagen und mit Südbalkon in einem der alten Häuser des paradiesischen Ortes auf 1400 Metern Höhe erweist sich als sehr gemütlich. Das Feuer im halboffenen Kamin brennt an jedem Abend.

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Schöner kann der Blick vom Balkon nicht sein.

Gute Stimmung, die von Tag zu Tag besser und ausgelassener wird. Als Selbstversorger bleibt auch bei einer  Woche im Hochpreisland Schweiz der Pleitegeier am Boden. Und Après-Ski geht dank Spotify und Bose-Mini-Box auch abseits der öffentlichen Bar.

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Grandioses Wetter am ersten Tag, bei dem mir mein Gedankenkino allerdings noch Grenzen in Sachen purer Spaß setzt. Zudem den inneren Blick stets aufs Knie gerichtet, das allerdings überraschend wenig auf die Belastung reagiert, die tatsächlich angesichts der Ausflüge ins Gelände neben den Pisten ziemlich rasch deutlich höher ist als beabsichtigt.

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Das kleine Skigebiet Motta Naluns – bestens präparierte Pisten und in der Höhe sehr guter Schnee – scheint auf den ersten Blick zwar etwas klein für eine Woche auf Ski. Aber diese Bedenken werden sich nicht bestätigen, erst recht nicht, weil am vierten Tag mächtiger Schneefall das Tal und die Berge in eine hübsch dicke Neuschneedecke verpackt. Ein Tag Pause mit einem ausgedehnten Winterspaziergang tut dem Muskelkater und den Gelenken gut.

 

Mein Schwager wollte eigentlich den zweiten Teil der Woche in einer kleinen Hütte auf über 2000 Metern verbringen, wo neun seiner Kumpel und Bekannten sich eingemietet haben. Zumindest die Nacht zum Donnerstag begibt es sich in das große Bettenlager.

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Noch schöner mit Neuschnee.

Strategisch günstig, denn er kann am Morgen als erster seine Spuren in gut 20 Zentimeter Neuschnee ziehen. Ein wenig Neid darf da erlaubt sein, auch wenn wir selbst recht früh zu ihm stoßen. Von Sent nach Scuol nehmen wir immer den Skibus zum Bahnhof mit Talstation. Das geht schnell und ist bequem.

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Dieser Tag ist tatsächlich ein Traum: Mehr als ein Hauch von Tiefschnee bei strahlendem Sonnenschein und leichten Minusgraden. Nur im Tal wird die weiße Pracht zu Sulz. Aber  auch das kann Spaß machen.

 

Es sind tatsächlich lange Abfahrten, wenn der Weg von ganz oben vom Clünas, dem Mot da Ri oder dem Salaniva bis nach Ftan, Scuol oder zehn Kilometer Traumpiste hinunter nach Sent führt. Überwiegend halten wir uns allerdings zwischen der zentral gelegenen Alpetta-Hütte (2100 Meter) und dem Champatsch (2783 Meter) auf und suchen nach noch möglichst unbefahrenen Abschnitten, in die wir unsere Schlängellinien zeichnen können.

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Das Knie hält auch das ohne Murren aus, das eher von den Oberschenkeln kommt, besonders am letzten Tag, als die Plusgrade ab Mittag zum Carving auf den Pisten zwingen. Dynamische Kurven zu ziehen, macht auch Spaß, ist aber eine höhere Belastung für die Beine als das Schwingen im weichen Schnee.

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Da am Heimreisetag Regen angesagt ist, fällt der Abschied nicht ganz so schwer. So bleiben Bilder  im Kopf, die hoffentlich noch lange abrufbar sind. Bis zum nächsten Skierlebnis wird schließlich wieder ein Jahr vergehen.

Nun klappt hoffentlich der Wiedereinstieg in den Laufsport. Dann werde ich auch wieder häufiger im Blog präsent sein.

18 Gedanken zu “Auszeit in Scuol

  1. Hach, so eine Auszeit! Das sieht schon so stimmungsvoll aus und hört sich noch viel besser aus deinen Erzählungen an. Es war bestimmt eine wunderbare Zeit. Schön, dass du auch trotz des Knies so viel machen konntest. Viel Freude auch mit dem Wiedereinstieg ins Laufen.

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    • Hallo Din,
      es war tatsächlich eine tolle Woche. Hätte nicht besser sein können, zumal das Knie so gut mitgespielt hat. Danke für Deine Wünsche. Ich hoffe, es geht nun wieder langsam auch mit dem Laufen bergauf.

      Viele Grüße aus dem Südwesten
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,

    ein Lebenszeichen! Und was für eines. Tolle Bilder von einer schönen Ski-Woche wie mir scheint. Aber es freut mich umso mehr, dass das Knie zu halten scheint und Du wieder laufen kannst. Ich drück die Daumen, wobei Deine Pacemaker Ambitionen wahrscheinlich nicht mehr aufrecht zu erhalten sind, oder?

    Bleib gesund

    Salut

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    • Lieber Christian,
      danke Dir! Es war tatsächlich eine tolle Woche. Jetzt langsam wieder ans Laufen gewöhnen. Den Hannover-Marathon habe ich schon lange abgehakt. An so eine Distanz denke ich in den nächsten Wochen und Monaten sicher nicht.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer,
    was für herrliche Bilder! Wie toll, dass euch das Wetter so hold war, die arktische Kälte auf die Woche vor und den Regen auf die nach eurem Urlaub zu setzen. 😀
    Besonders freut mich zu lesen, dass Schifahren für dein Knie kein Problem war. Dann wird es das Laufen wohl als Erholung erkennen und auch gut aufnehmen – so hoffe ich! Die Daumen sind jedenfalls gedrückt, dass der Wiedereinstieg gut und schmerzfrei verläuft und das nicht nur, um wieder öfter ein Lebenszeichen von dir zu lesen. 😉 🙂

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    • Liebe Doris,
      mit dem Wetter hatten wir tatsächlich viel Glück. Besser kann es Anfang März gar nicht sein.

      Ich bin gespannt und hoffe, dass mein Knie Deiner Meinung ist. Ich werde vorsichtig bleiben und kann hoffentlich ohne Schmerzen langsam steigern. Dann bin ich auch wieder häufiger präsent. Denn der Austausch mit Dir und den anderen vom Laufbloggerstammtisch hat mir doch gefehlt.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Lieber Rainer,

    auch ich freue mich von Dir zu lesen und Deine schöne Zeit in der Schweiz mit zuerleben. Prima auch, dass Dein Knie grundsätzlich topfit ist. Ich drücke die Daumen, dass sie die Plika-Geschichte ohne OP in den Griff bekommen läßt.

    Mehr auf anderem Kanal 🙂

    LG Volker

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  5. Lieber Rainer,

    inzwischen konnte ich ja auch live von dir und Karin hören, wie gut euch die Woche getan hat und wie erfreulich sich dein Fahrwerk stabilisiert hast. Erst die Ski-, jetzt wieder die Laufpiste. Es muss nicht gleich der (Halb-)Marathon sein … die mehrfache Umrundung des Teletubbi-Lands ist doch schon mal ein guter Start zurück ins Läuferleben. Toitoitoi weiterhin, ich freu mich schon auf die erste gemeinsame Runde in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit!

    Liebe Grüße
    Anne

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  6. Hi, Rainer, konnte es gar nicht glauben, als ich las, dass du mit deinem Bein Ski fahren warst, scheinbar hat es ihm gut getan, dann auf zu neuen “ Werken “ , viel Glück ! Wie schön, wenn es dann wieder läuft, ich weiß, wovon ich spreche ! 😎

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    • Liebe Margitta,
      Skifahren und Laufen sind bei manchen Verletzungen Dinge die unabhängig voneinander möglich oder unmöglich sind. Da Meniskus, Bänder und Knorpel in Ordnung sind, was das mit dem Skifahren kein größeres Problem. Jetzt hoffe ich, dass es auch wieder auf dre Laufpiste funktioniert.

      Ich werde berichten.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  7. Lieber Rainer,
    ich hatte Deine Bilder ja schon im Fb gesehen und bewundert! Eine herrliche Skiwoche mit allem was dazu gehört und dazu noch viel Sonne 🌞 Schön, dass das Knie mitgemacht hat!

    Du kannst wieder anfangen zu laufen – das freut mich sehr!! Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Dein wiedereinstieg gelingt – langsam und vorsichtig und dass Dein Knie auch das wieder mitmacht!! Toitoitoi!!

    Liebe Grüße Anna 🍀

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    • Liebe Anna,
      ja, ich durfte endlich einmal wieder in den Bergen durchatmen. Für mich etwas Besonderes, das habe ich wieder gemerkt. Und wenn die äußeren Umstände dann auch noch so gut passen, könnte es kaum besser sein. 🙂

      Jetzt langsam wieder ins Laufne kommen. Langsam und vorsichtig, damit da auch nichts schief geht.

      Danke fürs Daumen drücken.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  8. Ja, das sind ja tolle Bilder, lieber Rainer!
    Ich hoffe, dass ihr euch wirklich gut erholt habt und die Erholung sehr, sehr lange anhält!

    Ich hätte auch genau das Problem, dass ich immer viel zu sehr in mein Knie hinein hören würde. Genau deshalb bin ich nach meiner Knie-OP noch nicht wieder Ski gefahren. Ob ich es nochmal versuche?

    „Komm wieder gut ins Laufen“!
    LG Manfred

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    • Hallo Manfred,
      mal sehen, wie lange die Erholung anhält. Ich muss mir einfach immer wieder die Fotos ansehen und träumen … 😉

      Skifahren ist einfach ein toller Sport. Probieren würde ich es, in jedem Fall.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  9. Lieber Rainer,
    unglaublich schöne Bilder. Diese Berge dort in der Schweiz verlieren auch im Winter nichts von Ihrer Schönheit, wobei ich ja kein Schneemensch bin.
    Die Woche hat dir gut getan, für den Kopf war es wichtig und jetzt kannste vielleicht ganz langsam wieder mit dem Laufen beginnen, die Daumen sind jedenfalls gedrückt 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,
      ja, das war ein Traum und kommt mir schon wenige Tage danach wieder wie ein Traum vor. Heute war ich vier Kilometer laufend unterwegs. Ohne Komplikationen. Es sieht also gar nicht so schlecht aus. Am Freitag dann wieder einen Kilometer mehr. 🙂

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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