Island – ein Reisetagebuch (Teil 12 und Ende)

Salatangar, Keflavik und zu teurer Lachs

Ich bin schon um kurz vor 6 Uhr wach. Vielleicht war das letzte Glas Rotwein doch das zu viel. Aber der Kopf ist klar und der Regen real. Die Wolken sind tiefergelegt. Es ist wirklich ungemütlich. Aber um 9 Uhr haben wir so ziemlich alles gepackt, auch die großen Koffer. Los geht es also an diesem letzten ganzen Urlaubstag auf der Insel in Richtung Flugplatz Kevlavik.

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Leider zerschlägt sich die Hoffnung, die Koffer bereits am Morgen einchecken zu können. Aber zumindest die Steuerrückerstattung für unseren textilen Großeinkauf können wir schon erledigen. Also: Koffer wieder ins Auto und erst einmal nach dem Hotel schauen, in dem wir die letzte kurze Nacht auf Island verbringen werden. Denn spätestens um 5:30 Uhr sollen wir am nächsten Morgen am Airport sein.

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Leider liegt das Airport-Hotel Kellir ganz und gar nicht an einer Stelle, die diesem Namen gerecht wird. Fünf Kilometer bis zum Check in. Da wird wohl doch ein Taxi notwendig sein. Aber bis dahin sind es ja noch etwa 16 Stunden. Was also tun an diesem sprühregentrüben Tag? Richtig. Die Sonne suchen, oder zumindest einen Ort, an dem es weniger nass ist.

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Von Selatanger hatte ich im Dumont-Reiseführer gelesen. Eine verwunschene und verlassene uralte Fischerei-Enklave, die nur über einen unbefestigten Weg erreichbar ist. So kommt der Vierradanrieb noch einmal zum Einsatz. Solche Bodenwellen und Schlaglöcher gab es nicht einmal im Pósmörk. Die letzten 300 Meter zu Fuß über sehr schwierig begehbaren grau-schwarzen Lavasand, der mit scharfkantigen Steinen durchsetzt ist. Einst muss hier die Lava ins Meer gelaufen sein, so erstarrt und bizarr wie die Felsen und Steine aussehen.

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Am stürmischen, aber trockenen Strand sind tatsächlich die Überreste von kleinen Hütten und Fischtrockentürmchen zu sehen. Massive Wände, aus vor 600 Jahren aufgeschichteten Lavabrocken. Luxusherbergen waren diese eisfreien Iglus sicher nicht. Viel halbzeraspeltes Treibholz liegt herum. Ein böser Geist soll einst die Menschen von hier vertrieben haben. „Jesus ist Not here!“, hat irgendjemand aus Steinen in den Sand gelegt. Man könnte es fast glauben …

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Nach diesem Ausflug in die steinige Wildnis und einem frisch gekochten Tee fahren wir erneut in Richtung Kevlavik, tanken in Grindavik und nehmen die schöne Küstenstraße. Beeindruckend ist der kleine Abstecher zu einem Geothermalkraftwerk. Welche dampfend-heiße Energie hier in der Erde schlummert, ist wieder beeindruckend.

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Unsere Vorräte haben wir ziemlich genau aufgebraucht. Die verbliebenen sechs Eier landen in Spiegelform bei unserem letzten Rastplatz in einem verlassenen Hafen in der Pfanne. Dann zum Hotel, Zimmer beziehen und den Leihwagen zurückbringen. Das ist natürlich meine Sache. 2700 Kilometer sind wir gefahren. Das hat meistens Spaß gemacht. Und die von Beginn an gesprungene Scheibe hat zum Glück alle Torturen überstanden.

Mit dem erhofften Transfer vom Abgabepunkt am Flughafen zurück zum Hotel nach Kevlavik wird es allerdings nichts. Und so absolviere ich doch noch den einzigen Lauf auf Island: in Jeans, Wollpulli und winddichter Jacke. Dass nach fünf Kilometern alles ziemlich schweißnass ist, kann nicht überraschen. Aber so ein Hotel hat zum Glück eine schöne heiße Dusche …

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Am Abend noch ein Spaziergang an der wenig belebten Strandpromenade des Ortes. Nicht einmal der für die Touristen engagierte Riesentroll in der Höhle am Hafen hat noch Lust, sich zu zeigen. Er grunzt und pfurzt nur hinter der vier Meter hohen Holztür …

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Nun einige Stündchen Schlaf. Trotz unglaublich vieler toller Eindrücke und Erlebnisse haben wir beide am Ende dieses Tages das Gefühl, dass wir vorerst genug von Island gesehen haben. Jetzt noch eine sonnige und warme Terrassenwoche in Trier – dagegen ist definitiv nichts einzuwenden.

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Um 3:30 Uhr reißt uns das Weckersignal aus den Träumen. Der Tag der Heimreise ist da. Und dazu passend scheint die Sonne über dem Meer am Horizont. Also raus aus dem ungewohnt weichen Bett, einen Schluck Wasser trinken und dann alles einräumen, was eh nicht schon in Taschen und Koffern verstaut ist. Im Hotelfoyer und auf den Straßen sind schon reichlich Leute unterwegs. Schließlich ist Wochenende und dazu auch noch Islands Nationalfeiertag: 17. Juni.

Dem gut gelaunten Taxifahrer, der uns um 4 Uhr freundlich begrüßt und auf den fünf Kilometern zum Flugplatz reichlich verbale Einblicke in sein Leben gewährt. Ein Sohn, vier Töchter, eine (!) Frau. Asgeir Sigurvindsson, der Fußballspieler, der vor etlichen Jahren beim VfB Stuttgart spielte, ist sein Freund. Und die 190 PS seines Skoda Oktavia liebt er sowieso, auch wenn er einen so starken Motor auf Islandsstraßen gar nicht bracht, aber den Vierradantrieb …

3000 Kronen kostet der moderierte Kurztransfer bis vor die Eingangstore von Keflavik-Airport. Island ist teuer. Das gilt auch für Taxifahrten.

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Dass just in diesem Augenblick die Nachricht auf dem Smartphone aufblinkt, dass unser Flug eine halbe Stunde später geht, kann uns nicht schocken. So checken wir an der mäßig vollen Halle ein, zahlen an dem auch zu dieser Stunde geöffneten Bankschalter das Knöllchen aus Reykjavik und gönnen uns dann in aller Ruhe einen schön starken Kaffee. Der Lachs, den wir ursprünglich im zollfreien Bereich kaufen wollten, ist uns dann doch zu teuer. In Deutschland würde der eh nicht so gut schmecken wie auf Island …

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Bis der Flieger – es ist ein sehr geräumiger A330 – abhebt, vergeht noch einmal eine halbe Stunde mehr als vorhergesagt, aber auch das ist nicht schlimm. Und da der große Airbus schneller ist als er ursprünglich vorgesehene A310 landen wir nur kurz nach der ursprünglich geplanten Ankunftszeit in Frankfurt. Jan erwartet uns. Herzliches Wiedersehen, gemeinsamer Weg zum Auto im Parkhaus, das am Aiport Frankfurt so groß ist wie viele Städtchen in Island, die dort nicht zu den kleinsten Gemeinden zählen.

Wir kommen um 16 Uhr zuhause an – zwei Stunden sind uns durch die Zeitverschiebung verloren gegangen – und finden nach dem günstigen Einkauf einiger wichtigen Lebensmittel ein leidlich aufgeräumtes Heim vor. Ausräumen, aufräumen … Dann gebackene Hähnchenflügel mit Salat, frischem Brot und einem guten Rotwein. Wir sind wieder Zuhause!

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Wer nachlesen und sehen will, wie schön eine Rundreise in Island sein kann, findet dazu in meinem Blog elf weitere Berichte mit Fotos und Videos. Einfach unter dem Stichwort „Island“ suchen.

4 Gedanken zu “Island – ein Reisetagebuch (Teil 12 und Ende)

  1. Lieber Rainer,

    danke für’s Teilhaben-Lassen! Noch einige lohnende Eindrücke am letzten Tag – und für’s persönliche Lauf-Logbuch ein Eintrag unter „Läufe in aller Welt: Island“. Ganz ohne ein Läufchen abzureisen hätte sich irgendwie für einen Läufer nicht geziemt, finde ich. 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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