Deulux, Niesel und die Lust am Laufen

Wer als Laufkolumnist am Donnerstag einen Text veröffentlicht, der seit Teilnahme beim Deulux-Lauf am Wochenende ankündigt, hat keine Wahl. Da mag die Wettervorhersage so übel sein, wie sie will. Die öffentliche Schmach eines Kneifens wäre zu groß.

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So schaffen es also auch das Trommeln des Regens auf dem Dachfenster und das Plätschern auf der Terrasse nicht, mich von dem Ausflug nach Langsur abzuhalten. Zudem muss mein Junior den Werbebogen meines Arbeitgebers aufstellen und hüten. Aber das hat zumindest den Vorteil, dass ich relativ spät an die luxemburgische Grenze fahren muss, denn er organisiert mir vorab die Startnummer.

Ich fahre alleine, weil die Kumpels vom Lauftreff kneifen, krank sind, oder andere Gründe nennen. Aber zumindest Dominik – so schnell wie er bin ich nicht – und Bernd –  er kommt mit der ganzen Familie und läuft langsamer als ich – sind am Start.

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So komme ich auch dank des Staus an der Baustellenampel zwischen Zehen und Igel erst 15 Minuten in Langsur an. Parkplätze gibt es zu dieser Zeit nur noch Hunderte Meter entfernt. Aber keine Stress, der Verlagssprinter ist eine prima Umkleide, die mir hilft, eine Minute vor dem Start am Ende der Meute anzukommen. Ein wenig schlängele ich mich noch nach vorne, bevor es los geht. Aber das ist alles ok. Schließlich bin ich bei weitem noch nicht schnell genug, um eine Bestzeit anzugreifen. So kann ich es also genießen, von hinten zu starten und einigermaßen entspannt einen Teil des Feldes aufzurollen.

Der Wettergott, oder was auch immer dafür zuständig ist, dreht pünktlich zum Startschuss den Regenhahn soweit ab, dass es nur noch tröpfelt. Die Regenjacke hätte also gar nicht sein müssen, hält aber kuschelig warm.

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Viele Bekannte gilt es zu grüßen. Der Lauftreff Schweich ist wieder mit eine großen Abordnung in Rot dabei. Aber weder Bernd noch Dominik ist irgendwo zu sehen.

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Ist nicht schlimm, denn immer wieder schließe ich mich für ein Schwätzchen für einige Zeit einem Mitläufer oder einer Läuferin an. Ich laufe gerade so schnell, dass eine Unterhaltung aus mehr als Drei-Wort-Sätzen bestehen kann.

Nach dem Wendepunkt auf deutscher Seite kommt mir Bernd entgegen. Ich sehe ihn, er mich nicht. Das wird unsere einzige Begegnung heute bleiben.

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Habe ich schon gesagt, dass ich 10er Läufe eher nicht mag? Meine Vorliebe für längere Distanzen nimmt mit der Abnahme meiner Grundgeschwindigkeit zu. Eine Zeit unter 40 Minuten wäre jedenfalls derzeit nicht möglich.

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Musik gibt es an der Strecke. Zuschauer auch. Allerdings hat vielen von ihnen das nasse Wetter offenbar aufs Gemüt geschlagen.  Freudige Anfeuerungsrufe kommen jedenfalls vor allem von den Kindern, die sich wie bei allen Läufen abklatschen lassen und daraus ein Wettspiel mit ihren Freunden machen.

Dann ist auch schon die lange Gerade bis zur Grenzbrücke Wasserbillig zu Ende. Die letzten zwei Kilometer geht es auf der Luxemburger Seite der Sauer stromaufwärts. Ein wenig ziehe ich das Tempo jetzt an, um zu einigen Bekannten aufzuschließen.

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Dann über die Brücke nach Langsur und noch 400 Meter flott durch den Ort. Nach 44.41 Minuten ist für mich der Lauf zu Ende. Beim warmen Tee vor der kleinen Halle treffe ich Dominik, der schon seit fünf Minuten im Ziel ist. Wir verabreden uns für das obligatorische Glas Sekt in der Mehrzweckhalle. Aber zunächst … Nein, es gibt kein Erlebnisduschen wie in früheren Jahren. Die dunklen Duschzelte sind durch einen modernen mobilen Duschtruck ersetzt worden. Eng geht es dort angesichts der Menge verschwitzter Menschen zwar immer noch zu. Aber an der Temperatur des Wassers ist nichts auszusetzen.

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In der Halle ist wieder viel los. Noch mehr Bekannte und Freunde. Wie in jedem Jahr eine schöne Atmosphäre zum Ausklang der Straßenlaufsaison.  Läufer sind eine verschworene Gemeinschaft. Jede Begegnung macht Spaß. So verwandelt sich die Lustlosigkeit vor dem Start in beste Laune während des Laufs und danach. Ein guter Tag!

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16 Gedanken zu “Deulux, Niesel und die Lust am Laufen

  1. Lieber Rainer,
    wie hast du vor kurzem noch geschrieben? Jeder Lauf macht Spaß, spätestens danach! 😀
    Schön, dass du quasi gezwungen warst, mit zu laufen. Sonst wäre dir die schöne Atmosphäre danach und uns ein toller Bericht vom Lauf entgangen! 😉
    Gratuliere!

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  2. Lieber Rainer, auch ohne die Gemeinschaft des Lauftreffs – sozusagen als einsamer Wolf – hat der Lauf Dir offensichtlich Spaß gemacht, auch wenn es eine Sprintdistanz war 😉
    Gratuliere zum Finish und natürlich auch zur doch sehr schnellen Zeit, für mich auf jeden Fall. Der Vorteil der kurzen Distanz ist bei solchen Bedingungen definitiv, dass man nicht frieren muss :mrgreen:

    Salut und einen schönen Sonntag

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    • Liebe Christian,
      das stimmt. Kalt ist einem dabei nicht. Ganz im Gegenteil.
      Und Tempo ist eh eine relative Sache. Mir genügt das, zumal ich nicht wirklich viel schneller sein kann. 😉

      Habe heute gearbeitet, das wäre ich lieber kurz und schnell gelaufen. Noch lieber natürlich lang und langsamer.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer, 10 Kilometer sind schon ein harter Brocken, ein guter Grund, warum ich mich davon schon sehr lange gelöst habe. Du hattest – wie immer – großen Spaß, das Wetter stört UNS doch nicht ! – und jetzt im Nachhinein bestimmt ein richtig gutes Gefühl, auch wenn du ohne deine gewohnten Spezies unterwegs sein musstest ! 😎

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    • Liebe Margitta,
      ja, die 10er sind schon eine Plackerei, wenn man die auf Kante läuft. Irgendwann mache ich das auch mal wieder. Aber dann muss ich mich vorher schon auf Tempo geplagt haben.

      Lieber etwas länger und mit Dauerbelastung. Du hast Dich da sicher richtig entschieden.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Lieber Rainer,
    schön, dass sich der Regen dieses Wochenende ausgesucht hat. Das lässt hoffen, dass ich am nächsten Wochenende nicht wieder waagerechten Regen ins Gesicht bekomme 🙂 🙂 :-). Ich bin auch nass geworden, war aber so gewollt 🙂 beim Mastersschwimmwettkampf ;-). Und jetzt freue ich mich auf den nächsten Sonntag. Und schnelle 10er mag ich nicht mehr, lieber lang und langsamer.
    Liebe Grüße
    Karina

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    • Liebe Karina,
      ich habe an Dich gedacht, besonders auf den letzten beiden Jahren 😉
      Das hat auch Spaß gemacht vergangenes Jahr.

      Ich freue mich schon auf das kommende Wochenende. Die Wettervorhersage ist wirklich brauchbare:)

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Lieber Rainer,
    auch wenn das Wetter hätte besser sein können, den Bildern nach sieht es wie ein sehr schöner, entspannter und lustiger Lauf aus – und dann lese ich von Deiner Zielzeit 😯 Sollte ich 10 km in 44 Minuten laufen würde ich nicht so schön lachen können… ich würde wahrscheinlich gar nicht lachen 🙄
    Spaß beiseite, es ist wirklich schön zu lesen, dass es wieder läuft bei Dir – keine Schmerzen mehr und Spaß am Laufen – so soll es weitergehen!! 🙂
    Liebe Grüße Anna

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  6. Lieber Rainer, es mag Überwindung gekostet haben, sich auf den Weg zu machen, aber dann hat ja doch noch alles gepasst. Schöne Begegnungen, flottes, aber nicht gehetztes Läufchen, ein Sekt hinterher … alles gut. Länger, gemütlicher – und schmutziger 😉 geht es dann am kommenden Sonntag zur Sache. Das dürfte eher nach deinem Geschmack sein. 😎

    Liebe Grüße
    Anne

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  7. Lieber Rainer,
    ich laufe heute auch lieber lang und länger, obwohl ich diese Distanz über 10 km mit über 80 Teilnahmen nicht gerade selten gelaufen bin. – Dir zum Trost: seit meinem schweren Fahrradunfall (2011) bin ich nicht mehr unter 40 Min. geblieben. Aber Tempo ist nicht alles! 😆
    Spaß hattet ihr; zum Glück also, dass du raus bist! – Schöner Saisonausklang! 🙂
    LG Manfred

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  8. Lieber Rainer,

    wettertechnisch war der Lauf sicher eine nicht nur mental gute Vorbereitung auf den kommenden Sonntag 😉

    Das selbst Deinen bescheidenen 44:41 für mich eine Fabelzeit sind, brauche ich ja eigentlich nicht mehr extra zu erwähnen. Vielleicht werde ich nach meinem kürzlichen, erfolgreichen Intervalltraining mal die Sub 50 in Angriff nehmen.

    Das Treffen von Bekannten und Freunden rückt für mich am kommenden Wochenende übrigens auch in den Mittelpunkt 😉

    Liebe Grüße
    Volker

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