Auf den Spuren von Fürst Pückler

„Wer mich ganz kennenlernen will,
muß meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz.“
Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871)

Als Landschaftsarchitekt, Weltreisender, Schriftsteller und Damenstifter von Fürst-Pückler-Eis ist der Aristokrat in die Geschichtsbücher eingegangen. Wer es genau wissen will, kann unter anderem auf Wikipedia nachlesen, wie es dazu kam, dass sein Körper, auf einer Mischung aus Ätznatron, Ätzkali und Ätzkalk gebettet, in einer großen Sandpyramide im See des Parks Branitz in Cottbus bestattet worden ist.

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Diese Pyramide hat mich dazu gebracht, bei meinem beruflichen Aufenthalt in der Lausitz fast ein Frühstück zu verpassen.

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Denn zumindest ein Lauf musste in dieser Woche sein. Also abwarten, bis das Morgenlicht hell genug ist. Und dann geht es auf in Richtung Park Branitz. Also jener Parklandschaft nach englischem Vorbild, den jener Fürst Pückler mit großem Aufwand erschaffen ließ.

Die knapp drei Kilometer dorthin hatte ich natürlich davor bereits am Smartphone studiert. Die Antwort auf meine Ankündigung im Hotel, ich würde nach dem Lauf noch ausgiebiger frühstücken, beunruhigte mich also nicht. „Hauptsache, Sie sind vor 9.30 Uhr wieder zurück.“

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Vorbei also am Spremberger Turm zur Spree und den Weg rechts in Richtung Park. Oder doch nach Branitz? Nun ja, irgendwann muss man in Cottbus immer mehrspurige Straßen kreuzen. Aber als meine Frage an eine offensichtlich angesichts meines Laufoutfits irritierten Frau, ob die Bäume auf der anderen Straßenseite zum Bramitzer Park gehören, mit einem knappen „Ja“ beantwortet werden, bin ich tatsächlich in dieser grünen Idylle angekommen.

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Es ist Herbst und die aufgehende Sonne spiegelt sich in einem der vielen Seen und Wassergräben, die sich durch den Park ziehen. Schöne Wege aus sandigem Grund, vorbei an alten Bäumen.

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Der einstige Wohnsitz des Fürst Pückler ist frisch renoviert. Das ist wie ein Eintauchen in eine Zeit, als herrschaftliche Familien ihr Leben von Dienern und Gärtnern in geordneten Bahnen halten ließen.

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Die Parkgärtner sind auch bereits fleißig, so dass ich nach der Erkundung diverser Wege und Strecken eine Ansprechpartnerin finde. Wo sind denn nun diese berühmten Pyramiden? „Nu, die sähen se gleisch do hinden …“ Der freundliche Hinweis führt mich in den Teil des Park, den ich zuvor ausgespart hatte. Und tatsächlich sind die beiden Landmarken zu sehen, der die auch nach Ägypten gereiste Fürst aus dem sandigen Aushub der Seen formen und mit Grassoden abdecken ließ.

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Auf die ungewöhnlichen Hügel darf heute niemand mehr. Das würde angesichts der vielen Touristen, die zu anderen Zeiten hier sind, zu große Schäden erzeugen.

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In der Pyramide im See ließ sich Fürst Pückler bestatten. In der kleineren auf dem Land liegt, so wird gemunkelt, sein Jagdhund. Sein edles Pferd ist an einer anderen Stelle im Park vergraben.

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Das Geräusch von Motorsägen kommt ausgerechnet aus der Richtung, die ich mir für den Weg in die Stadt ausgesucht habe. „Hier geht’s nischt dursch“, insistiert einer der dazugehörigen Arbeiter und zeigt mir den Weg in die entgegengesetzte Richtung. „Do runder und dann links den Pfod …“ Nun denn, dann könnte es mit dem Frühstück doch knapp werden.

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Aber tatsächlich finde ich den Weg, komme auch noch am Stadion der Freundschaft vorbei und finde auch wieder die Spree und den Weg zurück zum Hotel. Der Empfang dort ist um 9.15 Uhr herzlich. „Nu, wir wollden schon nach Ihnen suchen lossen“, sagt die freundliche Gastgeberin. Nach der Dusche bekomme ich dann tatsächlich noch ein Frühstück. Und es gelingt mir, nicht von Fürst Pückler Eis zu träumen.

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12 Gedanken zu “Auf den Spuren von Fürst Pückler

  1. Lieber Rainer,
    interessanter Geschichtsunterricht, den Du da verfasst hast und dann auch noch gespickt mit tollen und informativen Bildern. Aber dass Du deshalb fast das Frühstück verpasst hast und einen Suchtrupp benötigt hast, ehrt Dich doppelt…was für Gefahren Du in Kauf nimmst, um Deine Leser zu informieren :mrgreen:

    Salut

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  2. Lieber Rainer,

    das gestalterische Werken des Herrn Pückler hatte ich mir im letzten Jahr schon im Park des Schloß Babelsberg angesehen. Der Junge hats schon drauf gehabt. Seine besondere Art seinen Körper der Erdbestattung zu entziehen war mir aber bis dato unbekannt 🙂

    Laufend Neues zu erkunden ist doch immer wieder mit das Schönste was für beim Laufen erleben können.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      solche gelaufenen Stadterkundungen sind tatsächlich eine schöne Sache. Ist zwar nicth ganz einfach, sich zurecht zu finden. Aber wenn solche Kleinode zu entdecken sind, ist das die Mühe wert.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer, Danke fürs Mitnehmen, schöne Bilder – und vor allem auch schön, mal in ganz anderer Umgebung die Beine wackeln zu lassen, dabei auch noch Geschichte aufzufrischen !

    Noch ein Wort zur Saarschleife, natürlich meinte ich nicht den Turm, sondern die Stelle direkt über der Saarschleife ! 😉

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  4. Lieber Rainer,
    was du laufend so alles erkundest! Ich hätte wohl vor lauter schauen aufs Laufen vergessen oder umgekehrt! (Ich sag’s immer wieder – multitasking ist nichts für mich 😉 ).
    Schon faszinierend, was der gute Hermann so alles geschaffen hat! 🙂

    Und: Gibt es wirklich noch Menschen, die sich durch Laufoutfit irritieren lassen? 😆

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    • Liebe Doris,

      ich habe ja auch viele Stopps gemacht. Ist in so einem Fall auch kein Problem. 😉

      Viele Läufer habe ich in Cottbus tatsächlich nicht gesehen. Im Hotel haben die sich soagr gewundert. Park Branitz? Der ist doch fast drei Kilometer weg! So weit laufen Sie!?

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Lieber Rainer,
    neben all den schon beschriebenen Vorzügen in fremden Revieren laufend etwas zu erkundigen, finde ich die Weite in diesen Regionen auch immer faszinierend. Große Parkanlagen, die so großzügig angelegt wurden. Damals den Aristokraten vorbehalten, heute meist allen zum Bestaunen offen. 😳
    Danke für die tollen Eindrücke und den Geschichtsunterricht! 🙂
    LG Manfred

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    • Lieber Manfred,
      das war tatsächlich damals eine verquere Welt, als sich nur der Adel etwas leistne konnte, dann aber wirklich viel …

      Wenn so etwas für die Allgemeinheit erhalten bleibt wie der Park Branitz ist das aber trotz allem sehr schön und interessant.

      Gern geschehen.

      Rainer 😎

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  6. Hallo, Rainer, danke für die schönen Fotos und die Eindrücke, die du aus meiner Heimatstadt mit nach Hause genommen hast. Der Park Branitz ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch/Lauf wert. Also dann bis zum nächsten Mal in Cottbus.
    PS Es gibt übrigens noch andere schöne Parks – mitten in der Stadt.

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    • Liebe Silvia,

      schön, dass Du Dich auf meinem Blog meldest. 🙂

      Leider war auch wegen einer leichtne Erkältung nur ein lauf in Cottbus möglich. Beim nächsten Mal werde ich die Stadt dann weiter erkunden. Ich kenne mich ja auch dank Deiner Hilfe inzwischen einigermaßen aus.

      Viele Grüße
      Rainer 😎

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