Island – Ein Reisetagebuch (Teil 7)

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Jökulsa, der Hufabdruck Odins und der mächtige Detifoss

Der Wetterbericht ist so eine Sache, in Island sowieso. Und so ist heute nicht mehr viel mit Sonne. Aber die soll zumindest am Mittag kommen. Da wir aber eh immer alles im Auto dabei haben, was wir an Klamotten und Verpflegung brauchen, kann uns kein Wetterumschwung schrecken, zumindest bislang.

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Zwei schöne Wanderungen habe ich im Rother Wanderführer entdeckt, die sich prima kombinieren lassen. Aber bevor wir uns in Richtung noch höherer Norden aufmachen, steht erst einmal ein Stopp on Husavik an. Karin will Wale sehen. Also buchen wir für den nächsten Tag Ticktes zur Whale & Puffin-Tour. Um 9 Uhr legt das Boot morgen ab. Also werden wir den Wecker stellen müssen, um rechtzeitig die 20 Kilometer vom Campingplatz zu schaffen. Warm anziehen sollen wir uns, regendichte Überbekleidung wird gestellt.

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Papageientauch sehen wir auch heute schon an den Klippen von Skjálfandi. Allerdings nisten die offenbar in der unteren Etage und überlassen das Oberstübchen den Möwen. Deshalb beobachten wir das flink flatternde Wappentier Islands nur sehr aus der Höhe, wie es über das heute nicht ganz blaue Meer düst. Denn der Himmel ist tatsächlich bedeckt, was aus knalligen Farben eine in Pastelltöne umgefärbte Landschaft macht.


Wir fahren also um die kleine Tjörneshalbinsel und steuern auf den Hufabdruck von Odins Götterpferd zu, das sich hier angeblich gen Götterreich abgestoßen hat. Meine Herren! Hat der Gaul ein Chaos angestellt!

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Um das beurteilen zu können, müssen wir erst mal über Schotterstrecken – mit dem Hilux macht das ziemlich Spaß – in den Jökulsá-Canyon. Der rote Berg – Raudholar – ist unser Ziel. Es folgt eine zweistündige Wanderung durch eine Felschaos aus gekippten  und gequirlten Lavaschloten. Eine traumhaft unwirkliche Gegend.

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Und als Krönung wartet eben der farbenprächtigste Vulkan Islands, der auch bei dichten Wolken am Himmel prächtig anzusehen ist. 200 Meter Seramis auf einem Riesenhaufen …

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Nur etwas mehr als 20 Kilometer entfernt donnert der Dettifoss. Ein mächtiger Wasserfall mit 44 Metern Fallhöhe, der mit seiner Gischt unausweichlich jeden Touristen auf die Probe stellt.

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Wie wasserdicht ist der Anorak? Wie wäre es mit einer regendichten Überhose gewesen? Und wie schützt man Kameralinsen vor Sprühregen von allen Seiten?

Unsere Hosen sind danach schnell wieder getrocknet.

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Den Selfoss haben wir davor aus einiger Entfernung bewundert. Er erinnert an den Godafoss ohne Sonne. Weil es schon ziemlich spät ist – wir haben nach der ersten Wanderung erstmal Bratkartoffeln mit Eiern und Speck gebrutzelt – verzichten wir auf den Fußmarsch zum Hafragilsfoss und machen uns auf den 90 Kilometer weiten Weg zurück bzw. weiter auf unserer Tagesrundfahrt zu dem Hot-Pool-Campingplatz vom Vortag.

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Die Sonne blitzt leider nur schüchtern und ganz kurz zwischen den Wolken hindurch. Die Lavafelder macht das nicht ganz so spektakulär. Der brodelnde Berg kurz vor dem Myvatn mit seinen Sulfataren und und brodelnden Schwefelsäuretöpfen, dem Namafjall Hverir, zeigt bei bedecktem Himmel seine grellen Farben umso besser.

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Wenn diese Sulfatare nur nicht so stinken würden! Es zischt und dampft und brodelt und blubbert überall. Der Dampf ist so sauer, dass er sogar Stein zersetzt und kochende Schlammtöpfe daraus macht.

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Schöne Fotomotive allemal. Was wird das für eine Arbeit, all die Bilder und Videoclips zu sortieren und auszusortieren … !!!!

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Landschaft und fast unerschrockene Schafe auf dem Heimweg, der uns wieder am Myvatn vorbeiführt.

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5 Grad zeigt das Thermometer am Campingplatz. Wie himmlisch ist da ein heißer Pool mit 40 Grad Wassertemperatur unter freiem Himmel. Ein wenig unruhig werden wir erst, als zwei Isländer mit jeweils einer Dose Bier zusteigen. Der Durst ist plötzlich groß. Abgeben wollen sie nichts. Aber dennoch entwickelt sich ein nettes Gespräch, bei dem Island natürlich das Hauptthema ist. Teuer und schön und nach Meinung der beiden am Bau tätigen Einheimischen von Touristen zunehmend überlaufen. An Weihnachten, so erzählt der eine, seien in Rejkavik um 22 Uhr jede Menge Japaner mit Fotoapparaten an der großen Kirche herumgesprungen. „Das gab es vor zehn Jahren noch nicht.“

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Zwei Millionen Touristen bei gut 300 000 Einwohnern.  Da geht doch noch was … Fünf Millionen Touris sei die Prognose, sagt Biertrinker 1. Na dann wird es auf den Straßen nicht mehr so einsam wie jetzt.

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Die Piste zum Dettifoss war übrigens eine geile Sache. Aber sicher nicht für jene, die sich trotz Verbotsschild für zweiradangetriebene Autos, mit ihren Mietautos  auf diese Buckelpiste gewagt haben. Den einzigen Schaden, den wir hatten, war ein wenig übergeschwappte Milch im Kühlschrank. Aber wichtiger ist, dass es die Dose des Belohnungsdrinks nicht zerrissen hat. Das ist einem anderen Offroader passiert, wie ich einige Tage später erfahren werde.

Morgen also Wale anschauen. Ich bin gespannt …

4 Gedanken zu “Island – Ein Reisetagebuch (Teil 7)

  1. Lieber Rainer,
    an all den Orten waren wir auch und ich kann Deine Begeisterung nachempfinden und muss den beiden Isländern leider beipflichten: zu viele Touristen, allerdings gehörten wir zur selben Gattung :mrgreen:

    Bin gespannt aufs Whale-Watching 🙂

    Salut und vielen Dank für die vielen Bilder und damit aufkeimenden Erinnerungen

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  2. Lieber Rainer,
    also wenn so ein Pferdchen bis ins Götterreich gelangen will, darf es sich schon kräftig abstoßen! 😉

    Ach deine Berichte bringen mich ins grübeln. Einerseits ist es einfach so schön in Island, dass ich gerne wieder hinfahren würde, andererseits schreckt mich aber die Touristenschwemme ab. Tja… mal sehen, wie es mir bei den weiteren Post so geht! 😀

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    • Liebe Doris,
      noch ist auf Island viel Platz. Und das Land lebt ja auch vom Tourismus. Mein schlechtes Gewissen hält sich deshalb n Grenzen. Wir haben jedenfalls sehr viel Ruhe und Einsamkeit gefunden bei unserer Rundfahrt. Zur Hauptsaison den Golden Circle sollte man sich allerdings schenken. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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