Island – Godafoss, Myvatn und der stürmische Vindbergjafjall

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Reisetagebuch (Teil/Tag 6)

Viel Auto fahren, viel sehen, viel staunen. Und zum krönenden Abschluss ein Bad kurz vor 22 Uhr im Pool bei Sonne im ziemlich äußersten Norden Islands. Liest sich prima, war es auch!


Nach der Nacht in Skagaströnd, einem hübschen und gepflegten Campingplatz, auf dem das Wasser allerdings nach Schwefel riecht und die warme Dusche 500 Kronen kostet, machen wir uns auf in Richtung Godafoss und Myvatn. Da beides noch etwa 250 Kilometer + X entfernt liegt, heißt das also zunächst einige Stunden im Auto durch gigantische und und manchmal auch weniger spannende Landschaft. über Straßen, die wunderbar zu fahren sind, wo man es nicht erwartet, und Schotterpisten, wo eigentlich Asphalt sein sollte.

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Das Wetter ist super, die Farben sind phänomenal. Grün, Blau, Ockertöne und Grau bis Schwarz sind die dominierenden Grundfarben. Löwenzahnkolonien malen konstrastvoll ihr Gelb in die Farbpalette von Nord-Island. In Saudakrokur im Hafen ist ein Fest, aber wir machen nur kurz einen Fotostopp, als die Hafenwehr ihre Runden mit dem Schlauchboot zwischen den Fishtrawlern dreht.

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Akureyri, die zweitgrößte Stadt Islands, ist von der Ferne betrachtet schöner als bei der Durchfahrt.

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Aber die Mittagspause auf der Felsenklippe mit Blick über das Fjord auf die Stadt hat schon etwas. Besonders, wenn schnell das Hubdach ausgefahren ist und die Bratkartoffeln in der Pfanne bruzeln … Noch einen frisch gebrühten Kaffee … und weiter geht’s.

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Direkt an der Straße 1 liegt der Godafoss, einer der wasserreichsten Fälle der Insel. Eine Touristenattraktion ohne Zweifel, was auch an der für Nord-Island großen Menschenmenge  zu erkennen ist, die – alle mit Fotoapparaten ausgerüstet – bei der Flussufer bevölkern, um das wirklich beste Bild der mächtigen Kaskade mit nach Hause zu nehmen.

Karin sagt, ich passe wunderbar zu diesen Horden. Dabei habe ich doch nur … Na ja, von oben, von unten, von der anderen Seite. Mit Kamera, IPhone und dann wieder umgekehrt. Einige brauchbare Fotos sind zum Glück dabei herausgekommen …

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Der Myvatn ist ein See, der bei deutschen Touristen angeblich besonders beliebt ist. Ok, ich kann’s verstehen. Dieser See mit seinen zahllosen Vulkankratern im und um den See, den bizarren Lavalandschaften auf der einen Seite und die mäandernden Fluss- und Seenplatten im Norden. Das ist schon ein Ereignis.

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Rothers Wanderführer hat ja schöne Touren. Aber manchmal ist die Beschreibung zum Startpunkt der Tour etwas ungenau. So suchen wir den Einstieg zum Aufstieg auf den Vindbergjafjall – schon wieder so ein Vulkan – doch einige Zeit, bis ich überhaupt keinen Orientierungssinn mehr habe und Karin bestimmend eingreifen muss.

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Vielleicht liegt mein Versagen aber ja an der Schwefelinhalation bei den heißen Quellen, die wir auf unserer Suche entdecken. Irre, welche Farben dieser künstliche kleine See einem ins Auge haut. Ein greller als grelles Türkis, wenn es so etwas gibt. Und es zischt und brodelt. Auf den Warnschildern steht schließlich auch etwas von 100 Grad.

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Um die Ecke ist auch die „Blaue Lagune“ des Myvatn. Die ist zumindest von außen attraktiver als das Original. Bei schlechtem Wetter wäre das eine Alternative für einen erholsamen Tag. Aber wir suchen ja den Einstieg zum Aufstieg und finden ihn dann tatsächlich noch, 15 Kilometer entfernt von dem Punkt, an dem wir ihn vermutet hatten.


Vom Parkplatz bei einem einsamen Bauernhof geht es auf zunächst wunderbar weichem Weg – Laufen wäre hier keine schlechte Sache – an Minikratern vorbei zum Fuß des Berges mit dem Namen, der irgendwie auf Wind hinweist. Der schiebt uns dann zwar den steilen Weg hinauf. Aber auf dem Gipfel müssen wir wirklich beide Beine auf dem Boden haben, um nicht verweht zu werden.

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Egal. Der Blick auf den Mückensee, der heute ohne Mücken ist, ist gewaltig. Man kann förmlich in einem inneren Zeitraffer nachvollziehen, wie aus brodelndem Gestein diese traumhaft schöne Landschaft entstanden ist.

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Knapp zwei Stunden, in denen auch reichlich die für Island typische Vegetation zu bewundern ist, dann machen wir uns auf zum Campingplatz in Heidarbär. Die 40 Kilometer dorthin führen durch eine unwirklich urtümliche Landschaft. Ich war zwar noch nicht auf dem Mond.

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Aber so ähnlich wird es da wohl aussehen: Schwarzer Lavasand, oder ist es Asche? Darüber gestreut – wie Schokoraspeln – jede Menge Lavabrocken. Und zartes Grün dazwischengesprenkelt. Hier kann die Schöpfungsgeschichte noch nicht alt sein.

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Auf dem gut gefüllten und geführten Campingplatz kurz vor Husavik lassen wir uns erst einmal leckeren craved Lachs mit den letzten Resten von Brot aus der Heimat schmecken. Und dann …

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Die Dampfzeichen in der mit Gewächshäusern garnierten Landschaft haben es schon angekündigt: Hier gibt es einen Hotpool! Das kostet zwar 600 Kronen pro Nase und Besuch, ist das aber in jedem Fall auch wert. Kurz vor 22 Uhr bei Sonnenschein, den schneebedeckten Fjordberg im Blick, in 40 Grad warmem Wasser zu aalen … Island, Du bist der Hammer. Auch wenn Deine Sonne kurz vor 24 Uhr schon wieder nicht untergehen will.

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Und da im Pool zwei Franzosen von ihrer Whalewatchingtour geschwärmt haben, müssen wir vielleicht doch noch einen Tag länger in der Gegend bleiben …

(Fortsetzung folgt)

14 Gedanken zu “Island – Godafoss, Myvatn und der stürmische Vindbergjafjall

  1. Lieber Rainer,
    der Norden war unsere Lieblingsregion, wir haben ja eine Woche 15 km ausserhalb von Akureyri in einem einsamen Ferienhaus gewohnt. Von dort hat sich der Norden sehr gut erkunden lassen.
    Bin aufs Whale-watching gespannt 😀

    Salut

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  2. Lieber Rainer, what a wonderful world – wow ! Wunderschöne Impressionen ! Nein, ich sage es nicht, dass ich auch in Akureyri und an fast allen schönen Stellen dieser Insel auch schon war – einfach nur traumhaft – exakt MEINE WELT

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  3. Lieber Rainer,
    tja, das ist auch eine Möglichkeit sich sportlich zu betätigen. Wenn es zum Startpunkt einer Wanderung schon mal 15km ist, entsteht schnell mal ein Marathonmarsch! 😉
    Wunderschöne Bilder mal wieder! 🙂 Seufz! 😀

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    • Liebe Doris,

      keine Sorge, den Startpunkt haben wir mit dem Auto gesucht. Auch wenn in Island die Sonne im Sommer nicht untergeht. So viel Zeit und Energie hätten wir an diesem Tag nicht mehr gehabt. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Herrlich, lieber Rainer, statische wie auch bewegte Bilder! Nach der Lektüre und dem Genuss der Langfassung im Film neulich) hab ich Fernweh! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

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