Drei heilige Könige

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Städtereisen sind in Deutschland sehr beliebt. Nun schließe ich mich zwar nicht jedem Trend an. Ein wenig City-Hopping kann aber durchaus kurzweilig sein. Deshalb war es naheliegend, von Aachen in Richtung Köln weiterzufahren und die an diesem Tag vermutlich einzige staufreie Einflugschneise zu nutzen, um in das Herz der Domstadt zu gelangen.

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Unser Hotel am Heumarkt war zwar knapp doppelt so teuer wie das in der Nacht davor. Dafür sollten aber auch ein großes Frühstück und Schwimmbad warten. Das Frühstück war tatsächlich umfassend und delikat. Die nasse Körperertüchtigung blieb uns allerdings verwehrt, da – natürlich – das Bad just in den Tagen renoviert werden muss, in denen zwei Wahltrierer sich auf die Suche nach Großstadtkultur begeben haben.

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Langeweile kommt in einer Stadt wie Köln natürlich dennoch nicht auf. Denn auch wenn bei weitem nicht so viele historische oder wiederaufgebaute Gebäude wie in Aachen die Blicke auf sich ziehen.

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Es gibt Dom, Dom, Dom – und so viel Geschichte, dass selbst unser abendlicher Nachtwächter auf seiner Tour durch die kölschselige Altstadt nicht alle Kapitel ansprechen kann.

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Jedes der vielen alten Brautäser alleine wäre sicher eine solche Geschichte wert. Der Gedanke, dass sich viele von ihnen in den vergangenen paar Hundert Jahren kaum verändert haben, ist inspirierend.

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Mit Kölsch-Glas darf man sich die mittelalterlichen Zecher allerdings nicht vorstellen. Denn das in meiner fränkisch-bayerischen Heimat noch bewährte Bierseidel mit Deckel war bis ins 20. Jahrhundert auch in Köln das Trinkgefäß der Wahl.

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Eine große Geschichte und viel Macht hatte in der Neuzeit das Bürgertum. Wie in Trier gab es da reichlich Konkurrenz zum Klerus, der mit einer der größten Bischofskirchen Europas fürwahr ein Juwel der gotischen Baukunst besaß.

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Der Dom ist tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit ein gewaltiges Ereignis. Das war er auch schon, als nach dem Baubeginn 1248 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lediglich das in die Höhe strebende Chorgebäude unglaubliche Baukunst bezeugte. Der eine angefangene Turm war nicht fertig geworden. Nur einige Meter über den Fundamenten des größten Teils der heutigen Kathedrale war damals eine flache Abdeckung als provisorisches Dach gelegt.

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Kompetent geleitete Führungen sind wirklich ein Gewinn bei der Besichtigung  eines solchen Bauwerks. So weiß ich nun, dass der Mitte des 19. Jahrhunderts in knapp 40 Jahren fertiggestellte Sakralbau nichts anderes ist als ein Schrein um den Schrein.

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Heilige Knochen gefällig? Im Kölner Dom sind es die fast kompletten Skelette der Heiligen drei Könige, die – in einem prächtigen vergoldeten Schrein aufbewahrt – seit Jahrhunderten   Pilgerströme an den Rhein ziehen. Am 6. Januar wird bis heute eine Tür dieses kostbaren Reliquiars geöffnet und der Blick auf die drei Schädel der Reisenden aus dem Morgenland freigegeben.

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Im Mittelalter soll das wöchentlich passiert sein, was für die Menschen, die ihren Heiligen nahe sein wollten, besonders anziehend gewesen sein muss. Wer am Wochenende den Dom besucht und sich über die berühmte Platte davor schlängelt, wird kaum bestreiten, dass bis heute zumindest die Anziehungskraft gotischer Baukunst nicht gelitten hast.

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Natürlich kommen beim Anblick der Menschenmassen und der Polizeipräsenz vor dem Hauptbahnhof und auf der Platte Gedanken, wie es wohl in der vergangenen Silvesternacht hier war.

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An einem lauen Sommerabend ist aber von Aggression, Alkoholexzessen und Anmache nichts zu spüren. Musik ist in der Stadt. Alleine die teilweise erstklassigen  Musiker, die hier alleine und in der Gruppe um die Euros der Passanten wetteifern, sind eine Reise wert.

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Und zur Belohnung für die viele Lauferei, auch durch unendlich scheinende Fußgängerzonen und Einkaufstempel – besonders angetan war ich von einem riesigen Outdoor-Kaufhaus mit eigenem Pool und Tauchbecken – gibt es natürlich das ein oder andere Kölsch.

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In den Brauereien reicht für die unmittelbare Bereitstellung des schnell gezapften Gerstensaftes das kurze Heben der Hand.

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Beim Gedanken daran überkommt mich der Durst. Eine gute Chance, um aus diesem Bericht auszusteigen mit dem Vorsatz, Köln nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Auch die Kunstmuseen dort sind lohnenswerte Ziele, nicht nur für einen Tag.

5 Gedanken zu “Drei heilige Könige

  1. Lieber Rainer,
    wow, da habt ihr ja wirklich fleißig Touristenmeilen gesammelt! Aber wenn sich die Besuchsmöglichkeit in so „greifbarer“ Nähe befindet, muss man ja fast zugreifen! 🙂

    Der Dom ist wirklich sehr beeindruckend und dass die Stadt genügend sehenswerte Plätze und Eindrücke bietet, glaub ich dir auf’s Wort. Am besten gefällt mir der Einkaufstempel mit Swimmingpool. Da hättet ihr doch gleich dort eine Übernachtung buchen können, oder? 😉
    Der Durst scheint übrigens ansteckend zu sein… ich habe zwar kein Kölsch (mehr) im Haus, aber etwas vergleichbares wird sich finden lassen! Prost!! 😀

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    • Liebe Doris,

      wir nutzen in diesem Jahr überwiegend die Attraktionen in unserer Nähe. Ist eine andere Art von Urlaub. Das bringt viele Eindrücke und zeigt, wie attraktiv der deutsche Westen ist. Kein Wunder, dass der Tourismus in unserer Region eine der wichtigen Einnahmequellen ist.

      Ein fehlender Pool ist nicht so schlimm. Dafür haben wir ja das Nordbad in Trier. 😉

      Prost und liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,
    es sieht mir auf Deinem Blog ganz nach Urlaub aus. Erst Aachen, jetzt Köln – wo geht die Reise weiter?
    Ich wünsche Euch auf jeden Fall noch viel Spaß und Dir weiterhin gute Besserung.
    Liebe Grüße
    Bianca

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  3. Liebe Rainer,

    was wäre Köln ohne den Dom, sicher so berühmt und beliebt wie Herne oder Wanne-Eickel 😉

    Danke für den Bilderbogen und Deine Erläuterungen dazu.

    Liebe Grüße
    Volker

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