Würzburg – zu schade …

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Auch wenn mir nach wie vor nicht wirklich die große Motivation packt, wieder regelmäßig in der Bloggerwelt aktiv zu sein. Die Langzeitverletzung fordert leider ihren Tribut. Die Tage in meiner alten Heimatstadt waren einfach zu erlebnisreich und schön, um nicht in einigen Fotos dokumentiert zu werden.

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Ich will nicht zu viel schreiben, empfehle aber sehr „111 Orte in und um Würzburg, die man gesehen haben muss“, einem etwas anderen Tourismusführer. In dem stehen nicht nur selbst für Einheimische interessante Dinge, die sie bislang nicht wussten. Das Büchlein enthält auch Tipps für das Umland, wie zum Beispiel dem Einsiedel im Gramschatzer Wald, wo ich schon als Kind häufig über riesige hohle Baumstämme geklettert bin.

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Die sind zwar nicht mehr vorhanden. Dafür hat sich das Gasthaus im wunderbar grünen Wald zu einem echten Erlebniszentrum entwickelt, mit einem Lehrpfad für alle Sinne, Kletterpark, einem Naturerlebnishaus und natürlich viel Wald.

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Bier und Radler im Steinkrug gibt es in dem Biergarten natürlich auch. Auch wenn Thüngener Bier bei den Einheimischen in Rimpar doch eher für Stirnrunzeln sorgt.

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In Würzburg, das uns nach längerer Zeit auch mal wieder Nachts verzaubert hat, wird allerdings überwiegend Würzburger Hofbräu ausgeschenkt.

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Nich vom Faun am Steinbäck-Brunnen. Aber zum Beispiel in den Biergärten am Mainkai, die immer wieder ein Erlebnis sind, besonders die lange Promenade mit der Kaimauer, die an schönen Tagen die beliebteste Sitzbank in der Stadt ist.

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Manche wagen sich sogar in den Main, aber das sorgt bei den Zuschauern doch eher für Kopfschütteln.

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Der schönste Platz jenseits des alten Mainkrans, um einen Schoppen Wein zu trinken, ist allerdings die alte Mainbrücke, die sich damit rühmt, die älteste Steinbrücke weit und breit, vielleicht sogar in Deutschland zu sein. Das mag ich allerdings nicht so recht glauben.

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Wer in einer Stadt mit 56 Kirchen ist, muss natürlich auch einige davon nicht nur von außen sehen.

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Der Würzburger Dom in Verlängerung der ehrwürdigen Brücke, die vor einigen Jahren für den Autoverkehr gesperrt wurde, ist wie die gesamte Innenstadt am 16. März 1945 bei einem katastrophalen Bombenangriff weitgehend zerstört worden und präsentiert sich nach dem Wiederaufbau eher schlicht.

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Im in Weiß gehaltenen Innern erinnern aber der Altarraum und die Grabplatten und Figuren der Würzburger Bischöfe an die alte Pracht. Würzburg gilt schließlich als ein Juwel der Barockzeit.

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Bildhauer, Ratsherr und Bürgermeister Tilman Riemenschneider gilt als der größte Figurschnitzer seiner Zeit. Die beiden dunklen Bildnisse im Vordergrund stammen aus seiner Hand. Besonders beachtenswert ist dabei, dass er den 100-jährigen Mützenträger im Vordergrund tatsächlich wahrheitsgemäß und nicht idealisiert dargestellt hat. Das erzählen zumindest die Domführer, die nichts dagegen haben, wenn man sich mal für ein paar Minuten der Führung anschließt.

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Ein Besuch bei den Frankenaposteln nebenan in Neumünster muss auch sein. Kilian, Kolonat und Totnan – Missionare aus dem schönen Irland – wurden erschlagen und unter dem einst an diesem Ort stehenden Pferdestall verscharrt, weil sie ihrem Gastgeber nahe gelegt haben, sich von der eigenen Schwägerin zu trennen. Dieser hat das gar nicht gefallen und die Liebesspielverderber meucheln lassen.

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Jetzt werden ihre heiligen Knochen – die Schädel liegen im Dom – einmal im Jahr durch die Stadt getragen. Dann ist Kiliani, als Volksfest auf der Talavera, dem größten Parkplatz der Stadt, der an die Mainwiesen grenzt, wo einmal im Jahr das Afrikafestival tobt.

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Auch das steht natürlich auf dem Programm dieses langen Wochenendes. Milliuuunen Leut‘ würden die Trier sagen und damit ausnahmsweise auch fast recht behalten. Denn es braucht tatsächlich Immunität gegen Platzangst, um sich in diesem Getümmel zwischen Zelt, Bühne, Basar- und Essständen wohl zu fühlen.

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Damit es aber nicht zu bunt wird, noch einige Fotos von barocker Kultur.

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Zum Beispiel die Marinekapelle und das Faltenhaus Marienkapelle und das Falkenhaus auf dem Oberen Markt. Die Stände davor gehören übrigens zum Würzburger Weindorf, das zum Genuss von Silvaner, Ortega und Müller-Thurgau einlädt.

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Grauen Burgunder gibt’s wohl auch, wie der zum Kerzenständer umfunktionierte Bocksbeutel beweist. Das Wappen darauf gehört übrigens zu Fürstbischof Julius Echter, nach dem auch ein Weizenbier und natürlich das Spital benannt ist, das er auf einem ehemaligen jüdischen Friedhof errichten ließ. Der Wohltäter seiner Glaubensbrüder hatte wenig Nachsicht für Protestanten und Andersgläubige. Die Hexenverbrennung nahm unter seiner Herrschaft an Fahrt auf.

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Aber davon erzählen heute die Nachtwächter, die Touristen und Einheimische vom Vierröhrenbrunnen aus durch die Stadt führen, mit eine Schmunzeln, na ja, vielleicht nicht wirklich. Aber mit erhobenem Zeigefinger.

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Zum Beispiel vor dem Riemenschneiderhaus (rechts hinten) und dem Gebäude, in dem einst Balthasar Neumann lebte, der als Barocker Baumeister manches wunderbare Gebäude schuf.

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Aber davon gibt es dann vielleicht beim nächsten Mal Fotos. Denn meine alte Liebe zu dieser Stadt ist wieder erwacht, Dazu benötige ich nicht einmal ein Liebesschloss, wie sie massenhaft an den alten Metallringen und Ösen der alten Mainbrücke hängen, an denen früher mal die Pferde festgebunden wurden.

P.S.: Ein Tipp noch, der auch zu den 111 Orten gehört, die man besucht haben sollte: Knüpfings Geknickte, wer die beste Bratwurst des Frankenlandes probieren will, muss sich auf dem unteren Markt anstellen, immer.

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Aber danach strahlt die Familie – garantiert!

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Und geschrieben habe ich nun auch wieder viel mehr als ursprünglich geplant …

14 Gedanken zu “Würzburg – zu schade …

  1. Lieber Rainer,
    da bist Du mal wieder in Deinem Element als versierter Fremdenführer und das nicht nur in Trier, wie man lesen kann 🙂
    Vielen Dank für Deine Wasserstandsmeldung, ich hoffe weiterhin auf eine stetige Besserung und baldigen Laufstart bei Dir.

    Salut

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  2. Da erzählt der liebe Rainer so viel von Würzburg und was fällt mir auf?:

    Karin hat die Haare länger, sieht gut aus 🙂

    Ich hoffe Deine Gesundung schreitet voran!

    Liebe Grüße
    Volker

    P.S.: Warum braucht es bei Dir denn jetzt wieder so eine Code-Eingabe um den Kommentar absenden zu können?

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    • Lieber Volker,

      ich gebe Dein Kompliment weiter. Das mit der Gesundung gestaltet sich leider zäher als erhofft. Aber irgendwann wird es schon wieder laufen.

      Die Code-Eingabe habe ich wieder aktiviert, nachdem die Spams einfach Überhand genommen haben.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer, es wäre wirklich zu schade gewesen, wenn die tollen Fotos und der wie immer äußerst kenntnisreiche Text auf der Festplatte deines Rechners und in deinem Kopf geblieben wären! Vielen Dank dafür! Angesichts deiner Schilderungen und Bilder versteh ich deine Liebe zur „alten Heimat“ nur zu gut. Und solche lebendigen Auszeiten müssen wir uns gerade in schwierigen Zeiten immer mal gönnen – auch wenn die Rückkehr in den Alltag danach schwer fällt.

    Liebe Grüße,
    Anne

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  4. Lieber Rainer,
    es ist immer schön, von dir zu lesen, deine Fotos zu sehen und so über deine Ausflüge zu erfahren. Egal, ob täglich oder nur sporadisch! 🙂
    Würzburg ist jedenfalls sicher einen Ausflug wert – deine Eindrücke machen Lust auf mehr. Mir ist es jedenfalls sicher nicht zu bunt geworden! 😉
    Weiterhin alles Gute für die Heilung deiner Knochen – die Daumen bleiben gedrückt.

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    • Liebe Doris,

      vielen Dank! Würzburg ist wirklich schön – und trotz des großen Verkehrsproblems tut sich in meiner alten Heimatstadt in Sachen Entwicklung mehr als in meiner neuen Heimat.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Weiter schnelle und gute Besserung Rainer..
    Es freut mich von dir zu lesen, aber noch mehr freut es mich, wenn du so tolle Bilder postest und dann auch Laufklamotten anhast. 😉

    Ich drücke dir die Daumen!

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

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  6. Lieber Rainer,

    danke für den Post. Ich schwelge in Erinnerungen an 1,5 schöne Tage in Würzburg Anfang des Jahres. Viele der Orte erkenne ich wieder und Deine Beschreibungen wie immer sehr informativ.

    Solltest Du (und das vermute ich doch) Lauffrust haben, man sieht ihn Dir/Euch nicht an.

    Gruß und schönes Wochenende.
    Anja

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