Es war einmal …

… ein kleiner Läufer, der hatte sich einen Brückentag gegönnt. Und weil der Tag sehr heiß werden sollte, war er mit seiner Liebsten früh aufgestanden und hatte sich nach einem kleinen Frühstück auf den Weg gemacht.

DSC07619Das Tiergartental war sein erstes Ziel. Und danach wollte er dort laufen, wo er vor einigen Wochen mit vielen Freunden unterwegs war auf einer großen Runde. So freute er sich über seinen Lieblingsbaum, der sich bereits in der Sonne wärmte.

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Die Beine waren leicht, auch wenn sie die etwas schwereren Trailschuhe tragen mussten, aber dafür konnte kein Untergrund den kleinen Läufer schrecken. Und auch keine Steigung.

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So ging es hinauf, dorthin, wo die Sicht besonders weit reicht und die Sonne noch heißer brennt.. Zum Beispiel auf den Petrisberg, wo er sich so gerne auf die Spur eines Drachen begab.

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Das war aber weit entfernt. Deshalb wunderte es ihn auch nicht, dass er Rehe nicht nur auf Schildern, sondern ganz nah und lebendig zu Gesicht bekam. Aber jedesmal, wenn eines von Ihnen den mittlerweile ordentlich schwitzenden Mann bemerkte, machte es sich mit so eleganten Sprüngen davon, dass dieser ihnen nur voller Bewunderung nachblicken konnte.

DSC07626Immer wieder spendete der Wald angenehmen Schatten auf dem Weg des Mannes hinauf auf die Höhe.

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Aber dennoch war es so warm, dass sogar die Bäume schwitzten.

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Worüber die Wiesenblumen am Wegesrand nur lachten, die farbenfroh ihre Blüten in die warme Luft streckten. Sie konnten nicht weglaufen. Der gut gelaunte Läufer freute sich also, dass er wie immer seine kleine Kamera eingesteckt hatte.

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Der Himmel war weit und das Gras stand hoch. Zeckenzeit, dachte sich der kleine Läufer und nahm sich vor, nach dem Ausflug genau zu schauen, ob sich eines der blutgierigen Biester an ihn geheftet hatte. Da ahnte er allerdings noch nicht, dass dieser Lauf noch länger dauern sollte als geplant.

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Der höchste Hochsitz im Land stand plötzlich vor ihm. Er war also auf dem richtigen Pfad, denn hier war er mit den Freunden vor einigen Wochen auf vorbeigekommen.

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Aber an diesem Tag konnte er nicht widerstehen. Er musst einfach hinaufklettern und nachsehen, ob die Aussicht aus dem roten Ungetüm noch beeindruckender war als von der Kuppe der Hügel, die er erklommen hatte.

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„Vermutlich taugt das nur für Jäger“, dachte er sich ein wenig enttäuscht, denn viel mehr als von unten war von oben auch nicht zu sehen.

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Aber die kleine Pause und ein Schluck aus der Wasserflasche taten ihm gut. So fand sein aufmerksamer Blick am Fuße des Hochstands wieder bunte Begleiter des Sommers.

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Wie liebte er doch diese Farben, die das Weiß der Frühlingsblüher abgelöst hatten.

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Mit einer solchen Pracht am Rand des Weges machten ihm die weiteren Steigungsstrecken nichts aus, die sich am Ende des langen Weges auf 540 Höhenmeter addieren sollten.

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Aber zunächst musste der Mann den richtigen Weg finden. Denn ihn beschlich das Gefühl, dass er – überwältigt von den schönen Weitblicken in das Trierer Land – den richtigen Abzweig verpasst hatte.

DSC07667Verwirrend war die Mischung aus gemähten Wiesen und Wegen, auf denen das Gras hoch stand.

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Uns so sollte es passieren, dass sich unser tapferer Läufer gleich zweimal in eine Sackgasse begab. Er glaubte schon bald, an einem Ort zu sein, zu dem er niemals wollte. So lief er immer wieder zurück blickte auf den Forst, zu dem er wollte, auf der anderen Seite des grünen Tals. Hätte er doch zwei Trinkfläschchen in den Gürtel stecken sollen?

DSC07674Endlich war er sicher, wieder auf dem richtigen Weg zu sein, der hinab führte in das Tal, das den sonderbaren Namen Goldkäulchen trug. Er würde es nach Hause schaffen, da war sich der schwarz gewandete Mann mit den organgefarbenen Sohlen sicher.

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Er ließ sich auch von tückischen Wegkreuzungen nicht mehr irritieren, nahm einen letzten Schluck aus der Pulle und wählte bald den schon so oft bewältigten Weg in den Stadtteil, der nach dem Gut Mariahof benannt war.

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Von dort führt noch heute ein Weg hinunter in das Tiergartental, wo es so schön ist, dass sich nur wenige der Versuchung verschließen können, einige zusätzliche Meilen durch den Wald zu laufen. So erging es auch unserem Mann, der nun die Schwere in den Beinen spürte. Denn zu essen hatte er nichts mitgenommen.

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Die Vorfreude auf eine gute Speise trieb ihn also an … über die Brücke und immer weiter.

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Auch das kleine Biest konnte ihm keine Angst mehr machen, war es doch das letzte Hindernis, dass sich ihm in den Weg stellt. „Das wäre doch gelacht!“, dachte sich der kleine Läufer. Er schaffte auch diese Hürde in der Hitze, die inzwischen so mächtig geworden war, dass alle Menschen und Tiere in den Schatten flüchteten.

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Und als er nach 22 Kilometern in seinem Heim ankam – die Sonne stand schon fast am höchsten Punkt an diesem heißen Tag – und auf seine Füße blickte, musste er schmunzeln, denn er hatte einen Teil der Strecke mitgebracht – aber keine Zecken.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann läuft er morgen wieder. Der Drache ruft!

 

12 Gedanken zu “Es war einmal …

  1. Es war einmal eine Läuferin, die liest an einem schönen Juni-Tag, wie es einem zufriedenen Läufer an einem Brückentag in einem anderen, sehr warmen Bundesland ergeht, kommt in den wahren Genuss – Dank der wunderschönen sommerlichen Beweisfoto – wieder einmal sein nicht unbekanntes allzeit lächelndes Antlitz aus nächster Nähe zu bewundern, erhält schlussendlich ebenfalls eine unvergesslichen Eindruck seiner haarigen Gebeine – ein Märchentraum ! 😎

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    • Und der kleine Mann freute sich über die schönen Worte der weisen Frau aus dem Nordosten, mit der er einst einen weiten Weg gemeinsam bewältigt hatte.

      Sie würde ihr Gebrechen überwinden, dass sie derzeit daran hinderte, der Lust des Laufens zu frönen. Und dann, da war er sich ganz sicher, würden sie erneut auf die Strecke gehen und neuen Zielen entgegen streben. 😎

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  2. Ein wunderschönes Märchen, lieber Rainer! Mit wunderschönen Bildern aus unserem wunderschönen Laufrevier … nur dass der kleine Läufer bei über 30 Grad auch jetzt noch läuft, wenn er nicht gestorben ist, halte ich für ein Gerücht. Der ruht sich bestimmt mit seiner Liebsten im Schatten auf der selbstgebauten Terrasse aus, während andere Menschen am angenehm schattigen Schreibtisch werkeln. 😉

    Liebe Grüße,
    Anne (ob des letzten Fotos sehr erleichtert, dass es noch kein Geruchs-WWW gibt! 😉 )

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    • So intensiv haben meine Füße gar nicht gerochen 😉

      Der Läufer sitzt tatsächlich auf der Terrasse und genießt den Schatten mit seiner Liebsten. Er hat auch Mitleid mit allen, die bei Rock am Ring gebraten werden.

      In Deinem Büro ist es hoffentlich erträglich! Du hast es bald geschafft. Vielleicht sehen wir uns heute Abend beim Hoffest im Weingut Deutschherrenhof?

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

      P.S.: Die Verhacker im Text habe ich inzwischen hoffentlich alle korrigiert …

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  3. Lieber Rainer,
    was für eine schöne Geschichte! 🙂

    Der tapfere, kleine Läufer erinnert mich an jemanden, den ich kenne… und auch die Gegend, in der er herumlief kommt mir so bekannt vor… aber, verflixt, ich komm‘ nicht drauf! 😉

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  4. Hallo kleiner Mann aus dem Süden, es grüßt der große Mann aus dem Norden, der heute auch in der Hitze des Tages unterwegs war, versorgt mit ausreichend erfrischenden Nass, dafür erst am Ende des Arbeitstages, weil es hier im Norden nichts zu überbrücken gab.

    Herrlich diese Sommerblumenpracht, ein Traum! 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

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  5. Eine herrliche Geschichte,

    als ob man mitlaufen würde!! und sehr schöne Bilder dazu – das Bild mit den Margeriten ist auf jeden Fall ein Favorit!! 🙂
    Neue Wege zu entdecken ist immer schön – blöd nur wenn man sich allzu sehr verläuft… zum Glück ist alles noch gut gegangen bei Dir!! 🙂

    Endlich Sommer!! auch bei uns in den Bergen!! 😎

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna,

      die Geschichte kam mir ganz spontan in den Sinn. Wenn ich schon wieder so viele Bilder mitgebracht habe …

      Zum Glück hatte ich Zeit, da waren die beiden Sackgassen kein wirkliches Problem 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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