Auf der Pirsch

Heute Ruhetag. Leseware gibt es trotzdem. Denn Donnerstag ist Laufkolumnentag in der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund. Hier mein neues Werk:

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Foto: dpa

 

Auf der Pirsch

Läufer haben manchmal Erscheinungen. In den Weinbergen und im Wald bei Konz soll ein weißer Damhirsch gesichtet worden sein. Eine Fantasie im Zustand des „runners high“, dieses rauschähnlichen Gefühls, das sich manchmal bei außergewöhnlichen Belastungen einstellt?
Der Traum von der Sichtung des legendären weißen Hirschen wird sich in der Realität wohl kaum erfüllen. Bei ihm handelt es sich um ein aus einem Privatgatter ausgebüxtes Tier, das nun für besonderes Aufsehen sorgt, wo immer es gesichtet wird. Das weiße Fell ist bei dieser Tierart wohl gar nicht so selten. Deshalb, und weil Damwild in den Konzer Wäldern nicht erwünscht ist, ist der weiße Hirsch theoretisch zum Abschuss freigegeben. Das bringt wiederum die Läufer ins Spiel. Nicht etwa, weil sie mit scharfer Munition durch den Forst joggen.
Es geht vielmehr um ein Gespräch, von dem ein Lauffreund mir berichtet hat. Der hat sich mit einem Förster und Jäger unterhalten, der sich bitterlich beklagte, dass es kaum noch Tages- und Nachtzeiten gebe, in denen er keine Läufer in seinem Revier antreffe. Eine Jagd sei dann kaum möglich, weil im Dämmerlicht die Verwechslungsgefahr zwischen Wild und Waldläufer einfach zu groß sei.
Nie war helle Laufbekleidung also wichtiger als am Abend oder frühen Morgen im Wald. Helle und grelle Farben empfehle ich allen Läufern und Spaziergängern, die im Raum Konz unterwegs sind. Denn wer will schon als weißer Hirsch enden.

16 Gedanken zu “Auf der Pirsch

  1. Lieber Rainer,

    „Kolumnen können Leben retten!“ 😆 So wie der TV den Hype um das Stück Damwild befeuert hat, werden in den Wäldern um Konz in den nächsten Wochen „Milljunen“ laufender und spazierender Tierschützer die Wälder unsicher machen, um das Tier vor den ach so bösen Jägern zu schützen.

    Wäre gar nicht mehr nötig gewesen: Angesichts der handfesten Drohungen, die der Facebook-Mob formuliert hat, würden der Revierpächter und etwaige Gastjäger/innen eh den Abzugsfinger nicht mehr krumm machen. Die müssen jetzt Angst haben, dass einzelne kriminelle Idioten die Hochsitze ansägen.

    Für mich ist das Thema echt ein (kleiner) Aufreger. Ich würde von den militanten (und sonstigen) Jagdgegnern gern mal hören, wie sich der Wildbestand in einer Region, in der es kein größeres Raubwild (Wölfe & Co.) mehr gibt, auf natürliche Weise regulieren soll – ich hab jedenfalls keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, wie die Jagdgegner reagieren, wenn Wildtiere nicht possierlich über die Wiesen tollen, sondern Gärten kahlfressen oder umwühlen (wer schon mal eine Rotte Wildschweine auf seinem Grundstück hatte, weiß, was ich meine). Ein Hinweis noch an diejenigen, die wünschen, dass der Hirsch friedlich leben und irgendwann an Altersschwäche sterben möge: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er irgendwann nicht mehr fressen kann, weil sein Gebiss abgenutzt ist. Verhungern ist bekanntlich kein schöner Tod – auch für ein Wildtier nicht! Gleiches gilt übrigens für das „Durch-ein-Raubtier-gehetzt-und-gefressen-Werden“. 🙄

    Nur ums klarzustellen: Ich bin nicht dafür, dem weißen Hirsch gezielt nachzustellen und ihn zu schießen. Ich verstehe nur nicht, warum er schützenswerter sein soll als andere Wildtiere. Und ich sehe nicht, wie wir in unserer überzivilisierten Welt, in der wir die natürlichen Ökosysteme zerstört haben, ohne Jagd auskommen können. Aber gut, ich bin lernfähig – vielleicht gibt’s ja überzeugende Argumente.

    Und bis dahin laufe ich einfach, statt im Internet oder der Zeitung zu lesen – dann muss ich mich wenigstens nicht aufregen! 😆

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • Liebe Anne,

      da habe ich Dich aber kalt erwischt. Wow. So einen langen Kommentar gab es in diesem Blog noch nicht.

      Aber ist es nicht schön, wenn Du Dich so aufregen kannst? Als Journalist freue ich mich darüber. Denn gerade wenn Themen aufregen, sind sie gut. Seriös müssen sie dabei natürlich noch bleiben. Aber wenn es um weiße Schalentiere geht, trifft das ganz offenbar unglaublich viele Menschen. Ist eben doch etwas mystisches, so en weißer Hirsch. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Ja, da muss man in der Tat aufpassen, aber im Moment wird glaube ich sowieso nichts bejagt.
    Bin froh, bisher von Jäger/Läufer-Begenungen verschont geblieben zu sein.
    Muss ich nicht unbedingt haben! 😉

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      • Verlass dich nicht auf die Schonzeit, lieber Rainer! Wildschweine dürfen (von Bachen mit Frischlingen abgesehen) das ganze Jahr über geschossen werden … wäre tragisch, wenn man dich mit einem Überläuferkeiler verwechseln würde! 😉 Verlass dich lieber darauf, dass die Jäger mit ihrer Waffe verantwortungsbewusst umgehen und erst den Finger krumm machen, wenn sie ihr Ziel sicher identifiziert haben. 😎

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  3. Aber wenn so ein heller Hirsch herumrennt – ist es dann nicht besser, in dunkler Kleidung herumzurennen, statt in heller? Wegen der Verwechslungsgefahr? 🙂
    Oder dann Neonfarben – die wurden bisher zum Glück noch nicht gezüchtet 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

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  4. Ich hatte bislang zweimal das Vergnügen mit bei meiner Lauferei Jägern zu begegnen. Ich sehe die Jagd so pragmatisch wie Anne.

    Allerdings wirbt die Jägerschaft auch nicht gerade um ihr Ansehen, wenn sie einem mürrisch und muffelig begegnen.

    Ich weiß nicht wann und wo die jagen und wenn ich denen beim Laufen in die Quere kommen, kann man mir das auch freundlich mitteilen.

    Liebe Grüße
    Volker

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  5. Lieber Rainer,

    ich bin kein Jagdgegner und sehe es ähnlich wie Anne. Es ist doch egal ob weiß, graubraun oder von mir aus auch gelb…wenn der Bestand reduziert werden muss, weil es keine natürlichen Feinde mehr gibt und die Tiere sonst letztendlich verhungern würden wegen eines Überbestandes.
    Was das Abgeben eines Schusses angeht, ist es nicht die Sache des Läufers sich kenntlich zu machen, sondern der hoffentlich nicht kurzsichtige Jäger hat sich zu vergewissern, dass er nur dann schießt, wenn er sich sicher ist, dass es kein Mensch ist, so steht es in den vom Wortlaut etwas abweichenden Jagdgesetzen. Also ist es egal, was für Kleidung der Mensch im Wald trägt, die Verantwortung hat der Mensch/Jäger am Abzug….ganz ehrlich, ich versteh die Diskussion nicht wirklich.

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,

      die Verantwortung liegt beim Jäger. Aber das nutzt mir natürlich weniger, wenn ich dennoch versehentlich eine Kugel abbekomme. Aber so dramatisch ist es ja vermutlich nicht. Für so eine Glosse muss ich halt etwas überzeichnen.

      Der Hype um das weiße Damwild kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Aber das liegt eben an der überlieferten Mystik von weißen Hirschen. Die feiert in letzter Zeit auch in vielen Fantasy-Filmen eine Wiederkehr. Nicht nur bei Harry Potter 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  6. Lieber Rainer,

    wenn wir im Dunkeln unterwegs sind, ist es aus vielen Gründen ratsam gut gekennzeichnet unterwegs zu sein – reflektierende Warnweste, Reflektorbände und Stirnlampe sind immer empfehlenswert (je nach dem wo man unterwegs ist natürlich)! Egal ob es darum geht vom Autofahrer, Skidoofahrer, Rodler oder Jäger gesehen zu werden… sicher ist sicher!

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende! 🙂

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna,

      so ist es. Aber ich bin froh, dass die Tage schon wieder länger werden und auch ein Morgenlauf nicht mehr in der Finsternis beginnt. Warnweste und Stirnlampe waren in diesem Winter bei mir so oft im Einsatz wie nie zuvor. Eine wirkliche Liebesbeziehung wird das nicht 😉

      Dir auch ein tolles Wochenende. Ich beneide Dich ja schon wieder um den Schnee und die Berge

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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