Steil und weit – Eifelmarathon

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Aller guten Dinge sind Drei. Dieser Spruch ist nicht gerade innovativ und neu. Ich kann ihn aber heute durchaus verwenden, denn drei lange Läufe innerhalb von fünf Wochen hatte ich bislang auch noch nicht bewältigt. Nach dem Mainz-Marathon von fünf Wochen und dem Ultralauf von Oldenburg zur Nordsee stand nun der Eifelmarathon auf dem Programm.

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Der Lauftreff in Mannschaftsstärke. Taxifahrer bin heute ich für Marion, Marcel, Jürgen und Christoph. Der Weg führte nach Waxweiler, einem Eifeldorf, das in den tief eingekerbten Tälern der Nordwesteifel erwacht, wenn einmal im Jahr diese sportliche Herausforderung ausgerufen wird.

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Sein Ruf: Sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Und das soll sich bewahrheiten.

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Drei Starter aus Trier-Olewig also für den Halbmarathon. Für Christoph und mich die Marathonstrecke. Verabredung mit Wolfgang und Jürgen vom Lauftreff Schweich. Und das Versprechen meines Lauftreffcoaches, die Sache ruhig anzugehen.

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Na gut, unter ruhig stelle ich mir seit zwei Wochen etwas Anderes vor, aber zu  schnell ist das Tempo auch nicht, als wir uns um 9 Uhr mit vielen gut gelaunten Sonntagssportlern auf den Weg machen. Einige bekannte Gesichter. Deren Inhaber wählen aber meist die halbe Distanz.

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Die beiden Schweicher Dampfplauderer lassen die ersten Kilometer wie im Flug vergehen. Zudem lohnt sich der Blick in die hügelige Landschaft. Auf jeden Anstieg folgt ein Gefälle. Der Untergrund mal Straße, mal wunderbare Naturwege.

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Meine Trailschuhe hätte ich bei diesem trockenen Wetter nicht unbedingt gebraucht. Aber weder Fuß noch Leiste werden sich bei dieser Tour nennenswert beklagen. Toi, toi, toi – die Sachen scheinen tatsächlich ausgeheilt zu sein.

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Nach etwa13 Kilometer kommen uns die Halbmarathonis entgegen. Sie waren mit dem Bus zur Burg Hamm gebracht worden und von dort in Richtung Waxweiler gestartet. Abklatschen mit Marcel, der am Ende eine wirklich gute Zeit laufen wird. Jede Menge Hallo und Grüße in den kommenden zehn Minuten.

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Die idyllische und sehr gut erhaltene Burg ist auch zweimal Verpflegungsstation für die Marathon- und Ultramaratonläufer. Es gibt zum zweiten Mal auch eine Strecke über 51 Kilometer. Das wäre heute allerdings nichts für mich, auch wenn es nur neun Kilometer mehr sind.

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Die Höhenmeter gehen in die Beine, das merke ich schon deutlich zur Halbzeit. Da helfen auch die Klänge der Dudelsackbläser im Burghof nicht.

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Reichlich Verpflegungsstellen mit netten Menschen, die Wasser, Malzbier, Tee, Cola und Obst und Rosinen reichen, machen eine Selbstverpflegung fast überflüssig. Die beiden Gels, die ich eingesteckt habe, nehme ich dennoch vorsorglich.

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Bei der Runde um den Biersdorfer Stausee merke ich, dass der dritte lange Lauf in fünf Wochen doch zur ordentlichen Herausforderung mutiert. Flach und bergig unterscheiden sich doch ziemlich …

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Ohne Kompressionsstrümpfe wären heute Krämpfe an Wade und Schienbein sicher nicht zu vermeiden gewesen. So schmerzen die Muskeln lediglich. Der rechte Oberschenkel droht 12 Kilometer vor dem Ziel auch mit Ungemach. Ein wenig Dehnen verhindert Schlimmeres.

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Wolfgang hat sich inzwischen davongemacht, Er will und wird unter vier Stunden laufen, hat das ziemlich locker drauf. So wird aus dem flotten Quartett ein zunehmend fußlahmes Trio, das sich die Anstiege hinauf kämpft und bei den Gefällstrecken zunehmend die Zähne zusammenbeißt.

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Allerdings sind einige Anstiege ab Kilometer 32 definitiv heute nicht zu laufen. Geheinlagen sind für mich etwas Neues. Schlimm ist diese Erfahrung aber nicht. Viel schlimmer sind zunehmend die schweren Beine. Hat mir jemand Bleisohlen an die Schuhe montiert?

Vorletzte Verpflegungsstelle. „Jetzt wird’s nochmal schlimm“, verdeutlicht uns die nette Dame am Getränkestand. O.k. – Vielleicht besucht sie demnächst doch mal ein Motivationsseminar … Aber sie hat Recht – leider. Drei Kilometer, gefühlt zehn, geht es jetzt nochmal bergauf. Zu allem Übel auch noch auf der Straße. Wieder gehen wir an den steilsten Abschnitten, laufen konzentriert an den etwas flacheren.18-DSC07355

Noch ein Getränkestand – mit jungen Mädchen, die den reichlich erschöpft dreinblickenden Wanderläufern versichern, dass es gleich nur noch bergab nach Waxweiler geht. Jürgen und Christoph zünden plötzlich nochmal den Turbo. Ich bleibe dran, mehr schlecht als recht. Aber den Kilometer packe ich auch noch. Die Kunst der Selbstmotivation will gelernt sein.

Und dann hören wir tatsächlich den Sprecher am Ziel, noch einige Kurven hinunter ins Dorf. Wir fassen uns an den Händen und laufen gemeinsam und erleichtert im Tribünenschritt über die Ziellinie. Vier Stunden sind seit einigen Minuten vorüber. Zeit ist nebensächlich.19-DSC07361

Geschafft!!! – im doppelten Wortsinn. Abklatschen, umarmen, sich gemeinsam freuen. Glückwünsche von den Halbmarathonis entgegennehmen. Und dann einfach einige Minuten auf dem Boden sitzen und zwei alkoholfreie Bier des Hauptsponsors aus Bitburg nuckeln.

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Mit langen Läufen ist jetzt erst einmal Schluss. Sobald die Beine wieder leichter sind, werde ich die Dauertapering- und Langlaufphase beenden. Ich freue mich auf kurze Genusseinheiten. Spaß hat auch der Eifelmarathon dennoch gemacht. Eine schöne und gut organisierte Veranstaltung. Ich komme aber erst wieder, wenn ich ordentlich für Bergläufe trainiert habe.

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1-Strecke Eifelmarathon

Den offiziellen Bericht und viele weitere Fotos gibt hier

26 Gedanken zu “Steil und weit – Eifelmarathon

  1. Das hast Du prima hinbekommen. Drei so lange Läufe in 5 Wochen sind kein Pappenstiel. Da dürfen die Beine schwer sein. Besonders, wenn das Training nicht auf Bergläufe ausgerichtet war.
    Herzlichen Glückwunsch, lieber Rainer.
    Und nun viel Spaß bei den wieder folgenden kürzeren Einheiten. (Wie lang ist kurz eigentlich?)
    Liebe Grüße,
    Bianca

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    • Liebe Bianca,

      vielen Dank! Kurz beginnt bei mir bei 9 bis 10 Kilometer oder eine Stunde Laufen. Das war fünf Jahre lang an jedem zweiten Tag meine Morgendosis Laufen. Jetzt muss ich mal sehen, wie ich das mit dem neuen Arbeitsfeld hinbekommen. Aber zumindest einmal in der Woche will ich weiterhin am Morgen unterwegs sein.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Ich sage wie Bianca, drei solche Läufe in 5 Wochen – das ist mal nur das eine super Leistung!! und dann noch mit so einem hügeligen Marathon als letzte – da dürfen die Beine schone ein wenig schwer sein!! 😉

    Der Satz, der mir in diesen Bericht am allerbesten gefallen hat ist auf jeden Fall: „Toi, toi, toi – die Sachen scheinen tatsächlich ausgeheilt zu sein.“ Dazu kann ich nur sagen: Toi, toi, toi – ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es so ist und vor allem, dass es so bleibt, und zwar lange!!!

    So lange und stark kupierte Strecken dürfen auf jeden Fall Gehpausen enthalten!! Das habt ihr genau richtig gemacht 🙂
    Ich wünsche Dir einen schönen Start in die neue Woche!!

    Liebe Grüße Anna 😎

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    • Liebe Anna,

      vielen Dank! Die Beine fühlen sich heute schon wieder etwas besser an. Aber ich gönne ihnen noch ein wenig Erholung.
      Dass ich all diese langen Kanten ohne größere Problemzonenprobleme überstanden habe, macht mich auch froh. Ein tolles Gefühl! Toi-toi-toi! 🙂

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Hut ab!
    Ein straffes Programm ziehst du da durch…aber jetzt wirds mal Zeit zum regenerieren! 😉

    Glückwunsch zum Finish und gute Regeneration!

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

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  4. Schöne Fotos – schöner Bericht – und eine richtig tolle Leistung – herzlichen Glückwunsch!
    Über die Dame mit dem fehlenden Motivationsseminar musste ich jedoch schmunzeln 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

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    • Liebe Ariana,

      ich habe mir leider nicht deren Telefonnummer geben lassen, sonst hätte ich Dich gebeten, sie mal zu sprechen 😉 Sie hat es nicht böse gemeint. Ich musste da auch schmunzeln. Allerdings wusste ich wenig später, dass sie Recht hatte. :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Saubere Leistung, Rainer. Da kann ich nur herzlich gratulieren!
    Ein Freund von mir hat den Eifel Mara vor ein, zwei Jahren mal gemacht, und war hochzufrieden.
    Dir ist hoffentlich klar, dass Höhenmeter ein hohes Suchtpotential mitbringen?! 😉

    Liebe Grüße,
    Harald

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    • Lieber Harald,

      das mit der Höhenmetersucht kenne ich nur zu gut. Wären hier in der Nähe wirklich hohe Berge, dann hätte mich so mancher Gipfel und Höhenweg schon gesehen.

      Die wenigen wirklichen Gebirgsläufe, die mir vergönnt waren, gehörten zu den schönsten Läufen überhaupt.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  6. Super! Herzlichen Glückwunsch!
    So ehrliche Helfer und dann noch keine muckende Leiste und einen Fuß der hält… klingt nach einem sehr schönen – aber ordentlich anstrengenden- Lauf. Erhol Dich gut!

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    • Danke Claudi,

      ordentlich anstrengend ist der richtige Begriff dafür. Mein Bedarf an Marathon + x-Läufen ist jedenfalls für die nächsten Wochen gestillt. Mal sehen, was der Herbst bringen wird. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  7. Liest sich grenzwertig, lieber Rainer … aber so lange nur die Muskulatur etwas rumnörgelte, aber Leiste und Fuß Ruhe halten, ist ja noch alles im grünen Bereich! Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreich gemeisterten dritten Marathon (plus x) in so kurzer Zeit … 🙂
    Was das mit den kurzen Genusseinheiten angeht: Sicher, dass du das durchhältst? Ich sage nur „Hospizlauf“ … 😉

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • Liebe Anne,

      ich kann der Einstufung „grenzwertig“ nicht wirklich widersprechen. Jetzt werde ich bis zum Stadtlauf sicher regenerieren und dort genussvoll mitlaufen.

      Hospizlauf … Der hat ja zum Glück keine Berge. Und was ich dort mache, weiß ich noch nicht wirklich. Mal sehen, ist ja erst am 12. Juli … Schon? :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  8. Lieber Rainer,

    herzlichen Glückwunsch zum zeitlich zweitlängsten Lauf Deiner Laufkarriere. Nun kannst Du nach Langsam auch noch Geheinlagen. Dein Erfahrungsschatz steigt in diesem Jahr erheblich 😉

    Wer hätte gedacht, dass nach Deinen Verletzungsproblemen dieses Jahr zu Deinem Laufjahr wird. Dabei ist es noch nicht mal zur Hälfte rum.

    Geniesse diesen neuerlichen Erfolg, erhole Dich gut und lasse es nun wirklich etwas sutscher angehen 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      dass sich dieses Jahr so entwickelt hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Ist schon ein wenig verrückt. Aber das richtige Maß von Belastung und Erholung ist wohl tatsächlich der Schlüssel. Und ich habe aufgehört, mit Schuhen herumzuexperimentieren. Ich glaube, das ist der wahre Schlüssel zum beschwerdefreien Laufen. Ich werde nun mal kein Vorderfußläufer und brauche einen gestützten Schuh. So what?

      Und auf steilen Abschnitten zu gehen, das ist auch nicht schlimm. Gestern hat das sogar ausgesprochen gut getan. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  9. Hallo Rainer,
    herzliche Glückwünsche zu Deiner Leistung. So viele km in den letzten Wochen, und nach flach nun auch noch hügelig… Und Spaß scheint auch gemacht zu haben, ach, was will man mehr?!
    Gute Erholung!
    Elke

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  10. Respekt für dein Programm.
    Da darf der Körper ruhig hier und da mal zwicken 🙂
    Aber! Du hast Recht. Erholung nicht vergessen.
    Man(n) und auch Frau werden ja nicht jünger.
    Merke ich ja auch gerade 🙂
    Liebe Grüße
    Karina

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  11. Lieber Rainer,
    wow! Ich gratuliere dir zu dem super Ergebnis!
    Der Lauf muss ja wirklich sehr anstrengend sein, wenn sogar du mal Gehpausen einlegst! 😉
    Es ist wie immer ein so lebendiger Bericht, dass ich das Gefühl habe, auch ein bißchen dabeigewesen zu sein! 😀

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    • Liebe Doris,

      was soll ich sagen? Das war tatsächlich eine konditionelle Herausforderung. Aber heute fühlt es sich schon wieder ganz gut an. Muskelkater in den Oberschenkeln. Das zeigt, dass ich in den vergangenen Wochen für so einen Lauf einfach zu wenig am Berg unterwegs war. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  12. Nachdem ich jetzt wochenlang schlecht draubzw verletz war, hoffe ich das die Langlaufphase bei mir jetzt wieder los geht. Tut sie auch nach und nach 🙂 Toller Lauf, schon viel mehr mein Ding als dein letzter Langer, da abwechslungsreicher.

    LG

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    • Hallo Daniel,

      ich habe schon gesehen, dass Du wieder auf der Piste bist. Der Eifelmarathon ist tatsächlich zu empfehlen. Ganz schön anspruchsvoll, abr für Dich sollte das in Normalform kein Problem sein. Noch ein paar Kilometer weniger Asphalt, dann wäre der wirklich perfekt.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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