30 Freunde in Bekond

DSC04328Abfahrt in Trier bei Sonnenschein. Am vereinbarten Punkt gabele ich Anne auf. Wir freuen uns auf einen schönen Freundschaftslauf in Bekond. Ganz einfach wird die Strecke dort nicht, zumal sie zum Teil identisch ist mit der des Zitronenkrämerlaufs. Aber da es sich um keinen Wettkampf handelt, sollten die Höhenmeter einigermaßen entspannt machbar sein.

DSC04326Auf der Autobahn ist spätestens ab dem Kreuz Trier Schluss mit Sonnenschein. Eine graue Wolkenwand nimmt ausgerechnet dort ihren Platz ein, wo wir 20 Minuten später starten wollen. Dann muss auch noch der Scheibenwischer aktiviert werden … Ist zum Glück nur ein Schauer. Am Sportplatz in Bekond hält der Himmel jedenfalls wieder dicht. Kalt ist es dennoch. Bis sich alle 30 Teilnehmer für diesen Lauf eingefunden haben, improvisieren wir also zwischen jedem Hallo ein individuelles Aufwärmprogramm.

DSC04327Kaspar Porz, der dankenswerterweise den Lauf wieder organisiert hat, erklärt das Wichtigste zur Strecke, die wegen Baumfällarbeiten kurzfristig geändert werden musste  und deshalb noch ein wenig anspruchsvoller geworden sei. Er bedauert auch, dass der zweite Guide, der sich vor allem um die langsameren Läuferinnen und Läufer kümmern sollte, kurzfristig ausgefallen ist. Und dass man deshalb zumindest bis Kilometer neun gemeinsam laufen werde.

DSC04332Los geht es also, zunächst eine längere leicht Steigung hinauf. Das Tempo ist gemächlich, so kommt es mir jedenfalls vor. Ich laufe einige Meter hinter Anne, die mit Christiane schnell eine Partnerin gefunden hat, plaudere mit Marion und Wolfram. Freue mich darüber, wieder beschwerdefrei mit Freunden laufen zu können.

DSC04334Es funktionieren sogar wieder die Zwischenspurts, um dem Läuferfeld einige Meter zu enteilen um eben jene Schar fotografisch festzuhalten.

DSC04338Ich fädele wieder bei Anne ein, die mir erzählt, dass der Anstieg für sie in diesem Tempo doch ziemlich flott gewesen sei. Aber zum Glück geht es jetzt bergab.

DSC04345Trotz des inzwischen betrübten Wetters öffnen sich wunderbare Blicke auf das Moseltal. Nach vier Kilometern – wie angekündigt – eine Getränkepause.

DSC04349Gut gewählt, weil genau diese Stelle möglicherweise für die energetische Zukunft der Region sehr wichtig sein wird. Im Kautenbachtal wird sich nämlich just hier, wo sich zwei Weinbergswege treffen, die Staumauer für den unteren der beiden Seen befinden, die als Wasserkraftwerk Strom für bis zu 500 000 Menschen erzeugen sollen. Bis es aber soweit ist, werden mindestens noch sieben Jahre vergehen. Und ob dieses Megainvestition überhaupt realisiert wird, steht auch noch in den Sternen.

DSC04354Ebenso in den Sternen zu finden ist vielleicht die Antwort auf die Frage, warum niemand von den Teilnehmern die hier abzweigenden kürzeren Strecken laufen will. Alle machen sich auf den Weg hinunter in Richtung Minheim auf die lange Distanz. Hätten sie geahnt, welche Kracheranstiege dort bis hinauf zum Zitronenkrämerkreuz warten, wäre die Geschlossenheit der Gruppe sicher aufgebrochen.

DSC04356Am Berg ist es allerdings auch so nicht mehr wirklich weit her damit. Nicht jeder hat nun noch die Luft für ein Späßchen. Die Gruppe zieht sich weit auseinander.

DSC04358Oben wird zwar gewartet, bis auch die Letzten da sind. Allerdings reduziert sich die Pause für diese auf eine Minute, während die Schnellsten schon fünf Minuten gegen die Rückkehr der Kälte kämpfen. Anne kommt mit Christiane den Berg herauf. Kalt ist ihnen auch nicht mehr.

DSC04363Der nächste Halt für alle folgt zwei Kilometer später, mitten im Wald, bei einem Steilen Weg hinunter zu einer äußerst rutschigen Holzbrücke.

DSC04378Warum liegt da auf einem Baumstumpf ein Inhalator? Auf diese Frage haben enige Läufer zwar ironische Antworten. Der wirkliche Grund dafür wird uns aber für immer verborgen bleiben.

DSC04374Wie ich eine halbe Stunde später von Anne erfahren werde, muss hier der Punkt gewesen sein, an dem das Band der 30 Freundschaftsläufer gesprengt wurde. Denn spätestens nach dem nächsten Anstieg, der auf den höchsten Punkt der Tour führt, sind die Schnellen nicht mehr zu halten.

DSC04381Ein Grund dafür sind sicher auch die roten Pfeile, die die letzten sechs Kilometer prima markieren. sie zeigen den Streckenverlauf eines Mountainbike-Rennens, dessen Ziel genau dort lag, wo wir hinwollen: am Sportplatz in Bekond.

DSC04382Ich nutze die Gelegenheit, um mich etwas länger mit Miri zu unterhalten, die ich bislang nur vom Sehen bei anderen Läufen kannte. Eine sehr angenehme Begleitung. Und dann geht es hinunter über eine wellige Piste, die ich niemals mit dem Rad fahren würde. Es hat zu regnen begonnen. Aber im Wald stört das nicht.

DSC04384Irgendwie ergibt es sich, die letzten Kilometer wieder mit Marion und Wolfram zu laufen und auf kurzen An- und Abstiegen, Kehren und Kuppen Spaß zu haben.

DSC04385Wir kommen aus dem Wald, als gerade auch Anne auf dem Weg am Rand herunter trabt. Nicht sehr gut gelaunt, weil sie sich auf dem ersten Teil des Laufes etwas zu sehr verausgabt hatte. Den Anschluss zu halten war danach für sie schwer. Schade. Mein schlechtes Gewissen meldet sich. Hätte ich das geahnt, wäre ich mit ihr zusammen gelaufen.

DSC04386Und dennoch waren es für mich 15 wunderbar anspruchsvolle Kilometer. Danke an Kaspar Porz und seine Helfer! Noch einen Becher warmer Tee, trockenes Shirt an, dann geht es zurück nach Trier – bei inzwischen äußerst trüb-regnerischem Wetter. Glück gehabt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17 Gedanken zu “30 Freunde in Bekond

  1. Zwei Läufer, zwei Empfindungen. Für Dich ist es gut gelaufen, was mich wirklich freut nach Deiner langen Leidenszeit. Für Anne leider nicht. Das passiert. Ein schlechtes Gewissen brauchst Du nicht zu haben, das hat Anne bei ihr scho geschrieben. Ich sehe das genauso.

    Du hattest Deinen Spaß und das nächste Mal wird Anne ihn auch wieder haben 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Danke Volker,

      Mir tut es dennoch leid, dass Anne so wenig Spaß hatte. Das war anders gedacht. Sie wird sich das beim nächsten Mal genau überlegen, wenn ich versuche, sie zu überreden.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,

    Du weißt, dass diese Art von Läufen, die einzigen sind, die mich reizen: überschaubare Anzahl von Menschen, die meisten kennen sich und es findet kein Wettlauf statt, das ist einfach etwas sehr Schönes. Ich durfte das auch erst vor zwei Nächten so erleben, allerdings blieben wir in der Gruppe zusammen, was ich auch für selbstverständlich erachte. Allerdings musst Du kein schlechtes Gewissen haben, denn Du bist ja nicht der Organisator gewesen, oder?

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,

      wie ich bei Dir gelesen habe, hattest Du ja Deinen eigenen, ganz besonderen Freundschaftslauf.

      Ich war nicht der Organisator. Da wäredas sicher nicht passiert. Aber ich habe Anne gefragt, ob sie nach Bekond mitkommt. Deshalb fühle ich mich doch ein wenig verantwortlich.

      Beim nächsten Mal werde ich mich etwas mehr kümmern. Ganz bestimmt.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  3. Lieber Rainer,

    kann mich nur den Worten Christians anschließen
    für mich bedeutet das Wort Freundschaft
    dass man sich unter Freunden unterstützt
    soll heißen
    man lässt den/die Schwächsten nicht alleine
    das wäre für mich selbstverständlich
    als Organisator
    auf die hinteren Reihen Rücksicht zu nehmen
    sie zu integrieren
    ein Auge darauf zu haben
    aber leider denkt auch hier jeder für sich
    das ist für mich kein Freundschaftslauf
    das ist demotivierend
    und schmerzhaft für Betroffene
    sie werden sich solchen Freundschaftsläufen sicher nicht mehr anschließen
    und das finde ich schade
    du bist wieder fit
    das kann man dir nur wünschen
    möge es ewig so bleiben

    Ostseegrüße 😎
    ansonsten eine gute Sache

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    • Liebe Margitta,

      schade, dass die Sache so einen negativen Dreh bekommen hat. Das war sicher vom Veranstalter nicht beabsichtigt.

      Ich war mir sicher, dass Anne in guter Begleitung läuft und habe selbst bei für mich mäßigem Tempo viele gute Unterhaltungen geführt.

      Danach hatte ich dann doch ein schlechtes Gewissen, als sie mir von ihren Problemen berichtet hat.

      Beim nächsten Mal werde ich warten und deutlicher auf Signale achten. So ist das leider in der Kommunikation: Sender und Empfänger interpretieren häufig Dinge unterschiedlich. Was der Sender als deutlichen Hilferuf verstanden wissen will, kommt beim Empfänger nicht immer als solcher an.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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    • Liebe Ariana,

      für mich und die allermeisten Teilnehmer war es wirklich ein sehr schönes Erlebnis mit vielen Gesprächen auf einer tollen Strecke. Als Wettlauf habe ich das überhaupt nicht empfunden.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Lieber Rainer,
    ein schlechtes Gewissen musst du ganz gewiss nicht haben – sonst auch niemand, das führt ja zu nichts. Und für 29 Läufer war es ja auch ein schöner Lauf, insofern sollte man die Veranstaltung auch nicht insgesamt madig machen.

    Ich hab meine Erfahrungen nur so offen zur Sprache gebracht, weil ich hoffe, dass der eine oder andere Veranstalter und auch Teilnehmer solcher Läufe sich dann vielleicht genauer überlegt, wie man damit umgeht, dass sich u.U. Läufer aus sehr unterschiedlichen Leistungsklassen zu so einem Lauf einfinden. Natürlich kann man auch den Schwächeren die Verantwortung dafür geben, ein anderes Tempo einzufordern, aber das ist in so einer Situation nun auch nicht so leicht, wenn man weiß, dass man den anderen damit den Spaß versaut. Und mehr Signale setzen als die gemachten Gehpausen und die Aufforderung an Norbert, er möge mich allein laufen lassen, wollte ich nicht … ich bin einfach ungern der „Problembär“. 😉

    Ich würde nur noch zu solch einem Lauf mitfahren, wenn im Vorfeld angegeben wird, welches Tempo in min:sek etwa gelaufen werden soll, und wenn ich weiß, dass ich dann a) entweder mithalten kann oder b) eine zumindest grob markierte Strecke vorfinde, so dass ich dann von Anfang an auch allein hinterher laufen kann. Und dieses Allein-Laufen würde ich deutlicher durchsetzen. Ich werde ganz sicher bei einem „Freundschaftslauf“ nicht mehr so über meine Grenzen gehen, weil ich zu Anfang glaube mithalten zu müssen.

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • Liebe Anne,

      vielen Dank für Deine Worte. Zumindest ein wenig redet mir mein Engelchen trotzdem noch ein, dass ich mich für Deine Misere verantwortlich fühlen muss … 🙄

      Ich habe eben noch mal mit Kaspar telefoniert, der Dich wohl auf den letzten Kilometern begleitet hat. Er hat es wohl nicht wirklich realisiert, wie sehr Du am Anschlag läufst. Zudem hat er bedauert, dass der Begleiter für die etwas langsameren Läuferinnen und Läufer ausgefallen ist.

      Na ja, zumindest haben wir eine wunderschöne Strecke kennengelernt. Ich schlage vor, die laufen wir im Frühjahr mal gemeinsam in Deinem Wohlfühltempo und mit reichlich Platz auf den Speicherkarten unserer Kameras. Dann wird jeder Aussichtspunkt genossen. Versprochen!

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Lieber Rainer,

    ein gelungener Nachmittag und ein schönes Erlebnis, zumindest für die meisten von euch!
    Es tut mir ja sehr leid für Anne, es hätte ja eigentlich für alle einen schönen Lauf sein sollen. Das stelle ich mich eben ziemlich schwer vor wenn man in so eine große Gruppe gemeinsam laufen möchte. Alle laufen ja nicht im gleichen Tempo. Eigentlich hätte der Organisator für einen Ersatz-Begleitperson für die langsameren Läufer sorgen müssen. Trotzdem verstehe ich Dich gut, ich hätte in Deiner Situation wahrscheinlich auch ein wenig schlechtes Gewissen gehabt. Zum Glück lernen wir immer dazu und das nächste Mal wird alles besser!

    Liebe Grüße Anna

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  6. Das war ja wirklich eine schöne Strecke. Es gibt noch so viele Läufe hier in der Gegend, bei denenn ich noch nicht war. Das muss sich ändern. 😉

    Deinen Anflug von schlechtem Gewissen kann ich nachvollziehen. Mein Erster Gedanke war, „Blöd, dass ich nicht da war, ich wolte eh mal wieder in Ruhe mit Anne quatschen, dann hätte ich eben langsam gemacht.“ Gefolgt von: „Wenn ich denn nicht doch auch noch mit wem anders gequatscht hätte, und dann das „Dilemma“ vielleicht auch gar nicht mitbekommen hätte,“

    Man kann dem Ganzen aber auch zumindest etwas Positives abgewinnen:
    Sich verantwortlich fühlen .- Es gib sie noch, die Leute, die das tun.

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