Die Sache mit den Fesseln

Wer in Städten läuft, begegnet ihnen auf Schritt und Tritt. Gemeint sind Graffitis und auf alle möglichen und unmöglichen Stellen gesprayte Sprüche. Über wahre Kunstwerke in Unterführungen freue ich mich. Über rote Herzen und Spitznamenkürzel auf historischen Gemäuern und Hauswänden weniger.

DSC04128Auf einer Runde um den idyllischen Mattheiser Weiher in Trier ist mir vor drei Tagen ein Abfallbehälter mit aufgesprühtem Sinnspruch förmlich ins Auge gesprungen: „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!“

Eine Denksportaufgabe für den müden Jogger am Morgen. Sollte man dann seinen Sport nicht besser sein lassen? Schließlich tun Fesseln weh und machen unglücklich. Von Streifzügen zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Natur lässt sich das mit großer Sicherheit nicht behaupten.Kaum denkbar, dass der sprachlich gewandte Urheber der Aufschrift den Begriff Fesseln im übertragenen Sinn für Fußgelenke verwendet wissen will.

Also doch eher in die andere Richtung denken: Nur wer sich bewegt, nimmt seine Fesseln wahr. Und nur wer seine Fesseln wahrnimmt, wird versuchen, diese abzuwerfen, auch wenn es schwerfällt.

Ja, das musste es sein. Das passte so wunderbar zu dem, was mir an diesem Tag bevorstand. Nur wer sich bewegt, kommt voran, auch wenn es manchmal etwas weh tut.
Nein, ich bin an diesem Tag keinen Marathon gelaufen. Und ich hatte auch keine Therapiestunde am Schlingentisch meines Physiotherapeuten.
Verraten sei nur so viel: Ich werde mich mehr bewegen – und das sollte niemand nur auf das Laufen beziehen – ganz im Sinne dieses Sinnspruchs am Mattheiser Weiher.

10 Gedanken zu “Die Sache mit den Fesseln

  1. Der Spruch stammt von Rosa Luxemburg, da kann man sich schon ungefähr denken, in welche Richtung er gemeint ist.

    Als Läufer stimmen wir natürlich Deiner Definition zu 🙂

    Bewegung ist ja nie verkehrt, auch über das Laufen hinaus 😉

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Du weißt, wovon Du sprichst. Schließlich bist Du in beruflicher Hinsicht ja ein Vorbild in Sachen Mobilität 😉 Danke auch für den Hinweis, von wem der Spruch stammt. Da habe ich wieder etwas gelernt. Aber dann ist natürlich klar, dass ich ihn richtig interpretiert habe.

      Ich bekomme dann übrigens auch ein neues Büro. Mein erstes eigenes. 15 statt 320 Quadratmeter 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  2. Lieber Rainer,

    es ist wirklich ein interessanter Spruch, und ich denke Du hast ihn genau richtig interpretiert! 😉

    Ab und zu muss man die Augen nur aufmachen, dann sieht man diese kleinen Hinweise, diese kleine Wegweiser, die sich überall um uns herum verstecken! Einen Schritt aus dem altgewohnten, einen Schritt aus der Komfort-Zone – das fällt einem meist schwer und ist oft unangenehm, aber nur so kommt man weiter.

    Liebe Grüße Anna

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  3. Lieber Rainer, schön. dass es solche schlauen Sprüche gibt
    ein Blick in Google
    und du weißt
    wer diese klugen Worte von sich gab
    von mir aus könnten an jeder Ecke Aphorismen hängen, kleben, eingemeißelt sein
    in einer netten, sauberen Art und Weise
    um die Menschen täglich zum Nachdenken
    zum Dankbarsein
    anzuhalten 😎

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    • Ja, liebe Margitta, Google hilft. Oder eine andere Suchmaschine.
      Habe ich in diesem Fall nicht getan, wollte ich auch nicht. Dann hätte ich doch nicht mehr so über den Spruch philosophieren können 😉

      So lange die Botschaften am Rande der Laufwege so präsentiert werden, habe ich auch nichts dagegen. Leider machen Schmierereien die Mehrzahl der Wegmarken aus.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  4. Ich bin für mehr fesselnde Graffiti in der Öffentlichkeit – solange die nicht so inflationär auftreten wie die Herzchenhintern vor ein paar Monaten! 😉

    Das Foto von dem Spruch solltest du dir rahmen und in deine künftige „Einzelzelle“ stellen … nur für den Fall, dass dir in den ersten Monaten Zweifel kommen, ob die Veränderung wirklich gut und für dich zu meistern ist! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • Oh, Anne ist wieder präsent 🙂

      Die Hinternherzchen nerven wirklich sehr. Die ersten waren ja noch witzig. Aber so inflationär wie sie in Trier zu sehen sind, macht das keinen Spaß mehr.

      Noch ein Merkspruch … Nein, den werde ich nicht an die Wand hängen. Hab‘ ihn ja in meinem Blog. Auch für den Fall, dass Zweifel kommen werden, woran ich derzeit zweifle. 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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  5. Lieber Rainer
    Der Spruch gefällt mir unglaublich gut – sei es nun beim Sport (erst wenn man wirklich Sport macht, merkt man, was alles möglich sein könnte) oder im Leben allgemein. Schön, dass manchmal auch noch Graffitis aufzufinden sind, welche wirklich nachdenklich machen.
    Liebe Grüsse
    Ariana

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